Zur Feier des Jubiläums "20 Jahre Besucherdienst":

Rom-Wallfahrt 2017

Der Besucherdienst des Bistums Trier feiert in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen. Nach dem Festakt im Juli dieses Jahres mit Weihbischof Gebert begab sich der Besucherdienst im Jubiläumsjahr unter dem Motto „Gemeinsam unterwegs“ Anfang Oktober auf eine Pilgerreise nach Rom. Geistlich begleitet wurde die Pilgerfahrt von den beiden Weihbischöfen Franz Josef Gebert und Jörg Michael Peters.

In Rom begann die Pilgerreise mit einem morgentlichen Pontifikalamt im noch fast menschenleeren Petersdom. Den Gottesdienst leitete Weihbischof Gebert; Mitglieder des Besucherdienstes gestalteten die Liturgie mit. Nach der Messe erläuterten die beiden Weihbischöfe Gebert und Peters den Pilgern anschaulich die bedeutendsten Kunstschätze und Grabstätten im Petersdom und führten die Gruppe zum Grab des Apostels Petrus. Zum Abschluss der Führung betete die Gruppe am Grab von Papst Johannes Paul II. gemeinsam das Vaterunser. (Johannes Paul II. hat Jörg Peters zum Weihbischof ernannt.) Am Nachmittag führten die beiden Weihbischöfe durch die Vatikanischen Museen einschließlich der Sixtinischen Kapelle.

Ganz ergreifend fand Jürgen Theobald (69) aus dem saarländischen Perl-Besch am darauffolgenden Mittwoch die Generalaudienz mit Papst Franziskus. Der Heilige Vater begrüßte an seinem Namenstag bei strahlendem Sonnenschein und bestens gelaunt die Pilger auf dem Petersplatz. „Ich habe heute noch das freundliche Lachen vom Papst im Gedächtnis. Diese Natürlichkeit und Einfachheit haben mir gefallen.“, so Jürgen Theobald, der seit der Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahr 2012 dem Besucherdienst angehört. Bei seiner Fahrt mit dem Papa-Mobil durch die Menschenmenge erfreute sich der Heilige Vater offensichtlich auch an dem von Stefanie Koster (39) aus Kenn liebevoll gestalteten Banner mit dem Heiligen Rock und der Aufschrift „Trier grüßt Papst Franziskus“;  er betrachtete es ungewöhnlich lange und interessiert. „Der Heilige Vater hat uns als Bistum Trier wahrgenommen. Das war ein ganz besonderer Moment.“, so Stefanie Koster. Vielleicht hat sich Papst Franziskus in diesem Moment an sein Studium erinnert, während dessen er zwei Monate in Boppard im Bistum Trier gelebt und Deutsch gelernt hat. 

Weihbischof Gebert hat einen wesentlichen Teil seines Theologiestudiums in Rom verbracht und zeichnet sich seither als ein hervorragender Romkenner aus. So führte er die Gruppe sehr fachkundig und engagiert durch die bedeutenden römischen Basiliken, angefangen mit der Lateranbasilika und der Heiligen Stiege am südöstlichen Stadtrand des antiken Roms, über Santa Maria Maggiore und die benachbarte Kirche Santa Prassede bis hin zu Sankt Paul vor den Mauern.

Benedikt von Nursia

Nach einem Besuch der Domitilla-Katakomben wandelten die Mitglieder des Besucherdienstes auf den Spuren des Heiligen Benedikt von Nursia, der im 5. Jahrhundert Rom verließ, wo er eigentlich studieren wollte; er wollte dem gottentfremdeten Treiben der antiken Weltstadt Rom entfliehen. So ähnlich erging es wohl auch ein wenig den Pilgern des Besucherdienstes, als sie nach mehreren Tagen inmitten der Hektik Roms zum ca. 70 km entfernten Kloster San Benedetto in Subiaco pilgerten. Hier hat der heilige Benedikt in der Sacro Speco (Heilige Höhle) drei Jahre lang als Einsiedler gelebt und begonnen, seine Mönchsregeln zu verfassen, die noch heute das abendländische Mönchtum prägen. Auch wenn der Name Subiaco „Unter dem See“ bedeutet und auf die Anlage dreier künstlicher Seen mittels Talsperren unter Kaiser Nero zurückgeht, schmiegt sich das Kloster heute in den Simbruiner Bergen hoch über einem malerischen Tal des Anio gleich einem Schwalbennest an den steil herabfallenden Felsen des Berges Taleoan. Die verwinkelte Wallfahrtstätte besteht aus zwei übereinander gebauten Kirchen und mehreren Kapellen; sie ist mit einer unbeschreiblichen Fülle wunderschöner Fresken aus der Zeit vom 8. bis zum 16. Jahrhundert kunstvoll ausgeschmückt. Die Fresken stellen insbesondere die Heilsgeschichte Jesu von der Geburt bis zur Auferstehung nach dem Tod am Kreuz dar. Auch das Leben Mariens und das des Heiligen Benedikt werden eindrucksvoll abgebildet.

Im Kloster findet sich auch das älteste Abbild des Heiligen Franz von Assisi, das schon zu seinen Lebzeiten gemalt wurde, vor seiner Stigmatisierung im Jahre 1224. Hier hatten die Teilnehmer des Ausflugs den Eindruck, dass man an dieser Heiligen Stätte dem Himmel in vielerlei Hinsicht ein Stückchen näher gekommen ist. (Der italienische Dichter Petrarca hat den Ort „Paradisilimini“ (Schwelle des Paradieses) genannt.) Zum Abschluss des Ausfluges feierten die Weihbischöfe mit dem Besucherdienst eine gemeinsame hl. Messe in einer Kapelle des Klosters direkt gegenüber der „heiligen Grotte“.

Am Abend trafen sich die Teilnehmer noch auf der Dachterrasse der gemeinsamen Unterkunft Casa Bonus Pastor. Angestimmt von Weihbischof Peters sangen die Pilger hoch über den Dächern Roms mit dem nächtlichen Blick auf den Petersdom und den Hubschrauberlandeplatz des Papstes gemeinsam mit einer Pilgergruppe aus der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus in Koblenz „Lobe den Herren“ und volkstümliche Weisen wie „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Danach ging man zufrieden zu Bett – oder noch einmal zum festlich angestrahlten Petersplatz.

Antikes Rom - als wären wir dabeigewesen

Am Freitag stand mit Weihbischof Gebert das antike Rom auf dem Programm; das schilderte er so anschaulich, dass die Teilnehmer meinten, sie wären selbst bei der Erbauung Roms dabei gewesen. In der Stadtführung mit Weihbischof Peters, die gespickt war mit Anekdoten aus den persönlichen Begegnungen mit Papst Benedikt und zahlreichen Rombesuchen, kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. Neben dem Besuch des deutschen Friedhofes Campo Santo Teutonico im Vatikan (in dessen Kirche Santa Maria della Pietà hat Kardinal Joseph Ratzinger jeden Morgen die hl. Messe zelebriert), dem Besuch des Trevibrunnens, der Spanischen Treppe und des Kolosseums kosteten die Teilnehmer auch die köstlichen Eiscremes in der weltberühmten Gelateria Giolitti und genossen in der Nähe des Pantheons einen Espresso im nicht weniger berühmten Gran CaffèTazzad’Oro.

Sant' Egidio

Höhepunkt am Freitag war die Begegnung mit Bischof Stephan Ackermann und der Gemeinschaft Sant‘Egidio. In einem bewegenden Gottesdienst in der Kirche Santa Maria in Trastevere, an dem auch viele interessierte Gläubige aus Rom teilnahmen; ein Gottesdienst mit drei deutschen Bischöfen kommt selbst in Rom nicht jeden Tag vor. In seiner Predigt dankte Bischof Stephan Ackermann dem Besucherdienst für seine Unterstützung in den letzten 20 Jahren ganz herzlich; er möchte den Austausch zwischen dem Besucherdienst und ihm künftig intensivieren. Bischof Ackermann charakterisierte die Aufgaben des Besucherdienst so: „Sie sind nicht nur bei den feierlichen Veranstaltungen des Bistums dabei, wie zuletzt bei der Bischofsweihe von Franz Josef Gebert, sondern Sie sind auch dabei gewesen, als wir in der Synode miteinander gerungen haben; und ich habe auch gesehen, wie sehr Sie daran anteilnehmen und wie spirituell Ihr Dienst ist.“

Nach dem Gottesdienst fand ein Austausch mit dem Generalsekretär der Gemeinschaft St. Egidio, Dr. Cesare Zucconi, Bischof Stephan Ackermann und den Mitgliedern des Besucherdienstes statt. Dr. Zucconi erläuterte den Besuchern aus dem Bistum Trier, dass die Gemeinschaft Sant’Egidio eine Laienbewegung ist, die vor rund 50 Jahren in Rom gegründet worden ist und der heute weltweit mehr als 60.000 Menschen angehören. Sie alle eint die Spiritualität, die auf der Weitergabe des Evangeliums nach dem Vorbild der Urgemeinde aus der Apostelgeschichte und des Heiligen Franz von Assisi fußt und die Freundschaft mit den Armen sucht. In der Diskussionsrunde äußerte Hildegard Jacobs (67), ehemaliges Mitglied der Synode aus Kenn: „Ich bin fasziniert von der Art und Weise, wie die Gemeinschaft begonnen hat und wie sie immer wieder Menschen begeistert mitzumachen.“ Am Ende des Gespräches stand, wie diese beeindruckende Gemeinschaft auch im Bistum Trier ihren Platz finden könnte. Die Initiative hierzu müsse von den Menschen vor Ort ausgehen, dies werde nicht zentral von Rom aus gesteuert, so Dr. Zucconi. Nach dem Treffen begaben sich die Teilnehmer zum Abendgebet der Gemeinschaft wieder in die Kirche Santa Maria in Trastevere. Für die Besucher aus Trier wurde das Abendgebetsimultan ins Deutsche übersetzt.

Zum Abschluss des Begegnungsabends luden die Trierer Bischöfe zu einem Imbiss ein, bei dem sie es sich nicht nehmen ließen, einmal die Rollen zu tauschen und dem Besucherdienst Speisen und Getränke zu reichen.

Von Rom ins Zweite Rom

Zum Ende dieser außergewöhnlichen Pilgerreise, die von Stefan Herschler (48) und Stefanie Koster, beide Mitglieder des Besucherdienstes, hervorragend vorbereitet und geleitet wurde, erteilte Weihbischof Peters den Teilnehmern den Reisesegen. Während die Gruppe noch gemeinsam das Vaterunser betete und „Maria breit den Mantel aus“ sang, steuerte der Bus bereits den Flughafen Fiumicino an. Damit dies nicht die letzte Wallfahrt des Besucherdienstes nach Rom bleiben würde, hatten einige Pilger vorsichtshalber am Vortag über die rechte Schulter eine Münze in den Trevibrunnen geworfen.

Wieder gut in Trier angekommen, waren die Rompilger einhellig der Meinung, dass diese Pilgerfahrt, wie Jürgen Theobald es ausdrückte, „Alles in Allem eine wunderschöne und gelungene Wallfahrt war“, die die Gemeinschaft des Besucherdienstes gestärkt hat. Zu dem intensiven Gemeinschaftserlebnis haben sicherlich die täglichen Gottesdienste an den verschiedenen Stationen der Wallfahrt mit den beiden Weihbischöfen, aber auch das jeden Abend gemeinsam eingenommene opulente Abendessen im Speisesaal des Casa Bonus Pastor beigetragen. So resümiert Stefanie Koster am Ende der Reise stellvertretend für die Gruppe: „Für mich war die Romwallfahrt etwas Einmaliges, weil es eine Wallfahrt mit Freunden war. Denn das sind die Menschen des Besucherdienstes für mich.“

Michael Hildenbrand

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