Der Herr setzt auf uns - das ist Verantwortung und Würde

Hirtenbrief zum Beginn der Diözesansynode - von Bischof Stephan Ackermann


Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Trier!

Schon bald wird die Diözesansynode, die ich am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus im vergangenen Jahr ausgerufen haben, zu ihrer ersten Vollversammlung zusammenkommen. Auch wenn sie damit erst offiziell beginnt, so hat sie in gewisser Weise bereits ihren Anfang genommen. Denn viele Menschen haben sich in den vergangenen Monaten mit den Themenvorschlägen beschäftigt, die die Vorbereitungskommission zusammengestellt hatte. Hunderte von Rückmeldungen sind aus dem ganzen Bistum dazu eingegangen. Das Synodensekretariat hat alle Meldungen zusammengestellt und ausgewertet, damit sie den Mitgliedern der Synode für ihre Arbeit zur Verfügung stehen. Insgesamt dürfen wir schon jetzt dankbar feststellen, dass die zur Behandlung vorgeschlagenen Themen auf breite Zustimmung stoßen.

Themen, Personen und Zeiten der Synode

Vier große Themenbereiche sind es, von denen ich glaube, dass sie für die Zukunft unseres Bistums von entscheidender Bedeutung sind:
(1.) Da ist zum Ersten die Diskussion um den Platz der Kirche in unserer Gesellschaft. Viel und heftig ist darüber in den letzten Monaten gestritten worden, und diese Debatte wird nicht verstummen.
(2.) Zweitens stehen wir vor der herausfordernden Frage, wie man Christ wird und bleibt in einem von Freiheit und Wohlstand geprägten Land, in dem der Glaube an Gott nicht mehr selbstverständlich ist.
(3.) Das dritte Thema ruft uns in Erinnerung, dass alles christliche Engagement seinen Ausgang in der Feier des Glaubens nimmt, das heißt: in der dankbaren Freude über das, was Gott für uns schon getan hat und immer wieder tut. Diesen Glauben feiern wir vor allem in den Gottesdiensten. Wie geht das in Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften, die deutlich größer sind als noch vor einigen Jahren?
(4.) Schließlich wollen wir in der Synode Ideen dazu entwickeln, wie die vielfältigen Charismen und Begabungen, die es in unserem Bistum gibt, noch mehr Wertschätzung und Förderung erfahren. In diesem Zusammenhang wollen wir auch das über Jahrzehnte gewachsene System der vielen Räte, die wir auf der Ebene der Pfarreiengemeinschaften, der Dekanate und des Bistum haben, überprüfen und weiterentwickeln.

Inzwischen stehen nahezu alle Personen fest, die die Synode bilden. Es werden mehr als 250 sein. Sie repräsentieren auf ihre Weise das ganze Volk Gottes im Bistum Trier. Darüber hinaus werden wir Synodenbeobachter aus anderen christlichen Konfessionen und Gäste haben.

Es freut mich sehr, dass für die Synode schon viel gebetet wird. Immer wieder erlebe ich es selbst bei den Gottesdiensten. Darüber hinaus haben mir in den letzten Monaten einzelne gesagt, dass sie fest für die Synode beten. Hier möchte ich besonders die Ordensleute in unserem Bistum nennen und ihnen dafür danken! Ich bin überzeugt, dass durch das intensive Gebet ein guter Boden für unsere Synode bereitet worden ist. Herzlich bitte ich Sie, im fürbittenden Gebet nicht nachzulassen.

Als Beginn für die Synode habe ich den 13./ 14. Dezember 2013 festgelegt. Es sind die beiden Tage unmittelbar vor dem dritten Adventssonntag. Insgesamt sind bis in den Herbst 2015 fünf mehrtägige Vollversammlungen der Synode vorgesehen, von denen eine in Koblenz und eine in Saarbrücken stattfinden wird. Ganz bewusst wollen wir uns auch auf diese konkrete Weise mit der Synode auf den Weg machen in die großen Regionen unseres Bistums.

Haltungen, mit denen wir in die Synode hineingehen wollen

Liebe Mitchristen, herzlich bitte ich Sie, die Arbeit der Synode in den nächsten zwei Jahren mit wachem Interesse zu begleiten. Wir werden Sie unsererseits auf vielfältigen Wegen über den Fortgang der Beratungen informieren. Sicher wird die Synode Sie zu bestimmten Fragen auch wieder um Rückmeldungen bitten. Helfen Sie dabei mit und bringen Sie sich nach Ihren Möglichkeiten ein! Es geht um den Weg unseres Bistums in die Zukunft.

Bewusst und aufmerksam wollen wir die Situation von Kirche und Gesellschaft in den Blick nehmen, in die wir hineingestellt sind. Wir wollen – wie das Zweite Vatikanische Konzil es formuliert hat – die „Zeichen der Zeit“ in den Blick nehmen und fragen, welche Botschaft Gott darin für uns bereit hält. Wir wollen nicht verschweigen, dass es uns schmerzt, wenn Getaufte ihre Verbindung zur Kirche lockern, ruhen lassen oder gar ganz aufkündigen. Angesichts dieser Entwicklung ist bei vielen Engagierten Entmutigung zu spüren. Wir wollen das Schmerzliche nicht verdrängen. Denn, so hat es ein Mitglied unserer Vorbereitungskommission bei den Beratungen ausgedrückt: „Es verändert uns nur das, was uns berührt.“

Wir wollen und können das Schmerzliche und Schwierige im Leben der Kirche auch deshalb anschauen, weil wir im Glauben der Überzeugung sind, dass Gott uns nahe ist - und das in jeder Zeit. Er gibt seine Kirche doch nicht auf! Papst Franziskus hat dies in einem seiner Interviews, die er in den vergangenen Monaten gegeben hat, sehr überzeugend zum Ausdruck gebracht, indem er sagte: „Es gibt … die Versuchung, Gott in der Vergangenheit zu suchen oder in den Zukunftsmöglichkeiten. Gott ist gewiss in der Vergangenheit, denn man findet ihn in den Abdrücken, die er hinterlassen hat. Er ist auch in der Zukunft, als Versprechen. Aber der – sagen wir – konkrete Gott ist heute. Daher hilft das Jammern nie …, um Gott zu finden. Die Klage darüber, wie barbarisch die Welt heute sei, will manchmal nur verstecken, dass man in der Kirche den Wunsch nach einer rein bewahrenden Ordnung, nach Verteidigung hat. Nein – Gott begegnet man im Heute“ (Interview mit A. Spadaro SJ).

Diese Überzeugung des Papstes wollen wir uns in der Synode zu eigen machen: Ja, Gott begegnen wir im Heute: in den konkreten Verhältnissen, in denen wir leben, in den Ereignissen der Geschichte – ob sie nun schön oder schwer sind. Ganz ursprünglich begegnet uns Gott natürlich in seinem Wort, wie es uns in der Heiligen Schrift überliefert ist. Und - nicht zu vergessen! - Gott begegnet uns in den Sakramenten und in der Gemeinschaft der Kirche trotz all ihrer, trotz all unserer Fehler und Schwächen. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hatte Recht, als er sinngemäß sagte: „Der Christus im anderen ist immer gewisser als der Christus im eigenen Herzen.“ In dieser Haltung wollen wir Synode feiern. Denn wir glauben daran, dass Gott seine Kirche führt, auch seine Kirche im Bistum Trier, ja, auch die Synode. Gott selbst ist am Werk, und wir können dabei mithelfen.

Unsere Verantwortung und unsere Würde

Liebe Schwestern und Brüder, nach den Monaten der Vorbereitung gehe ich persönlich nun mit freudiger Gespanntheit in die Synode, vor allem aber mit einem großen Vertrauen auf das Wirken Gottes in den Frauen und Männern, die zur Synode zusammenkommen. Uns ist das Evangelium in dieser Phase der Geschichte anvertraut. Wir sind die Kirche des Herrn im Bistum Trier in dieser Zeit. Diesen Auftrag können und dürfen wir nicht an andere abtreten. Der Herr setzt auf uns. Das ist unsere Verantwortung. Das ist aber zugleich auch unsere Würde als Getaufte im Bistum Trier.

Am heutigen letzten Sonntag im Kirchenjahr feiern wir Christus als den König des Himmels und der Erde. Im Unterschied zu menschlichen Königen achtet er nicht ängstlich oder gar misstrauisch darauf, dass ihm keiner diesen Würdetitel streitig macht. Im Gegenteil: Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um uns zu sich emporzuziehen und an seiner königlichen Würde teilhaben zu lassen. Deshalb erhört er auch die Bitte des guten Schächers, der zu ihm sagt: „Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst“ (Lk 23,42).

Es ist keine Überheblichkeit, wenn wir in einem unserer Lobgebete an den Sonntagen singen: „In Christus, sind wir ein auserwähltes Geschlecht, dein heiliges Volk, dein königliches Priestertum“ (Präfation für die Sonntage im Jahreskreis I). Mit diesem „königlichen Priestertum“ sind nicht nur die geweihten Priester gemeint, sondern alle, die zum Volk Gottes gehören. Wie großartig wird es daher sein, wenn die bevorstehende Synode dazu beiträgt, die königliche Würde unseres Christseins neu und leuchtender sichtbar zu machen.

Dazu segne uns alle der dreifaltige Gott, † der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Ihr Bischof
†  Stephan

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