Der Legende nach brachte die heilige Helena das Untergewand Jesu nach Trier

Der "Heilige Rock"

Bischof Stephan Ackermann betet am Schrein des Heiligen Rocks
Bischof Stephan Ackermann betet am Schrein des Heiligen Rocks während der Wallfahrt 2012

Die im Trierer Dom aufbewahrte Reliquie ist der Tradition gemäß das ungeteilte Gewand Jesu Christi. Wie das Johannesevangelium berichtet, wurde ein Teil der Gewänder Jesu nach dessen Kreuzigung verteilt, der Leibrock Jesu indessen verlost, da er den Soldaten für eine Zerteilung zu kostbar erschien. Denn er war „von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht“ (Joh 19,23). Ob die Reliquie in Trier wirklich das Gewand Christi, ist lässt sich exakt weder mit historischen, noch mit naturwissenschaftlichen Methoden beweisen. Die Überlieferung besagt, dass Flavia Julia Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, die Tunika Christi vom Heiligen Land nach Trier gebracht hat.

Helenas Reise ins Heilige Land ist historisch verbürgt. 327 oder 328 reiste die damals schon hochbetagte Mutter des Imperators ins Heilige Land. Allerdings war diese Reise nicht nur eine Pilgerfahrt, sondern hatte auch politische Ziele. Für die konstantinische Dynastie sollte Helena in den erst kurz zuvor Konstantins Gegnern entrissenen Provinzen Präsenz zeigen. Dass sie dort im Schutt des Berges Golgatha das Kreuz Christi gefunden habe, geht auf die Berichte der Bischöfe Gelasius von Caesarea und Ambrosius von Mailand zurück. Vom Heiligen Rock ist in diesen spätantiken Berichten nicht die Rede. Das älteste Zeugnis für die Annahme, dass Helena den Heiligen Rock nach Trier brachte, findet sich in den Gesta Treverorum, der trierischen Chronik des frühen 12. Jahrhunderts.

Die bewegte Geschichte und ungeeignete Konservierungsmethoden haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass sich der ursprüngliche Zustand des Heiligen Rocks stark verändert hat. So wurden zu jeder Epoche anlässlich der Wallfahrten Ausbesserungen und Schutzmaßnahmen am Stoff vorgenommen. Genauere Kenntnisse über den archäologischen Zustand der Reliquie gibt es erst seit den detaillierten Untersuchungen durch Spezialistinnen der Schweizer Abegg-Stiftung aus Riggisberg bei Bern aus dem Jahr 1973.

Das Ergebnis lautet kurz gefasst so: Die ältesten Teile der Tunika, deren Alter durchaus bis ins erste Jahrhundert zurückreichen könnte, befinden sich in einem Konglomerat aus Textilschichten die, wie ein „Sandwich“ aufgebaut sind. Der älteste und kostbarste Stoff liegt in der Mitte. Die stützenden Stoffe liegen darunter und darüber. Der älteste Stoff in der Mitte ist ein verfilzter Wollstoff. Das, was man sieht, ist nicht die Reliquie selbst, sondern man sieht hüllende Stoffe oder anders ausgedrückt, ein textiles Reliquiar, ähnlich wie eine normale Reliquie in einem Metallreliquiar eingeschlossen ist.

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