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Ein Segen wirst du sein (Gen 12, 2)
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Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Trier!
Am Ostermontag bin ich als neuer Bischof von Trier in mein Amt eingeführt worden. Ich möchte Sie alle herzlich grüßen zu Beginn meines Dienstes, auf den ich mich freue, dessen Herausforderung ich aber auch spüre.
An dieses Evangelium zu erinnern, diese Frohe Botschaft zu bezeugen und in der heiligen Eucharistie zu feiern, das ist der zentrale Auftrag für den Bischof und auch für die anderen Amtsträger der Kirche. So freue ich mich auch besonders, dass meine Arbeit in Trier mit den HeiligRockTagen beginnt, denn der Heilige Rock, die Tunica Christi, ist eine Christus-Reliquie. Sie verbindet uns mit Jesus von Nazaret, der wirklich gelebt hat und einer von uns geworden ist, der gestorben ist und auferweckt wurde von den Toten. Dieser eine Jesus Christus ist für uns der Weg und die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14, 6). Deshalb kann uns die Verehrung des Heiligen Rocks in die Mitte unseres Glaubens führen, in die Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus. In ihm finden wir den Weg in die unendliche Liebe Gottes, mit ihm gehen wir zum Vater. Größeres kann nicht gedacht und nicht erfahren werden, so glaube ich fest.
Liebe Schwestern und Brüder, in diesem Jahr steht als Leitwort über den HeiligRock-Tagen die Verheißung aus dem Buch Genesis: Ein Segen wirst du sein" (Gen 12, 2). Zu Beginn meines Dienstes in der Diözese Trier empfinde ich dieses Wort als eine ermutigende Zusage und Verheißung für das ganze Volk Gottes. Denn darum geht es ja letztlich: Die Kirche soll ein Segen sein für alle Menschen! Insofern steht das Volk Gottes auf den Schultern Abrahams, dem als erstem diese Verheißung zugesagt wurde. Nachdem die Menschen durch eigene Schuld die Schöpfung gefährdet hatten und durch die Sünde der ursprüngliche Heilswille Gottes in Frage gestellt war, setzt Gott so erzählt uns die Heilige Schrift mit Abraham einen neuen Anfang. An Abraham, den Vater unseres Glaubens, ergeht eine besondere Berufung, auf die er im Gehorsam antwortet. So beginnt die wunderbare Geschichte des Volkes Gottes, ein einzigartiger Weg, der seinen Höhepunkt findet im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu von Nazaret. Abraham steht für das Volk Gottes, das von Anfang an nicht alle Menschen umfasst, aber für alle Menschen ein Zeichen und ein Segen sein soll. Das gilt auch für das neue Volk Gottes, die Kirche.
Der verheißene Segen ist beides: Gabe und Aufgabe, Geschenk der Zuwendung und Sendung. Dieser doppelte Aspekt des Segens muss die Kirche prägen in all ihren Gliedern, Bewegungen und Gemeinschaften, besonders auch in unseren Pfarreien. Das erste wäre also: Immer wieder zu erkennen und zu begreifen, dass wir von Gott angesprochen und durch seine Liebe beschenkt sind. Die Kirche ist nicht ein von Menschen organisierter Verein zur Umsetzung religiöser Zwecke, sondern Geschöpf des heiligen Geistes". Wir sind Volk Gottes, weil er uns anspricht und wir unser Ja und Amen dazu sagen. So entsteht Kirche. Diese Wirklichkeit wird am intensivsten sichtbar in der Feier der heiligen Eucharistie. Aus dieser Feier ergibt sich dann auch die Aufgabe, die Sendung. Denn das Volk Gottes ist ja nicht für sich selbst da, soll kein Ofen sein, der sich selber wärmt, wie der Theologe Karl Rahner einmal gesagt hat, sondem ist ein Werkzeug zur Rettung der Welt. Die Kirche soll in ihrer Lebensweise und in ihrer Verkündigung ein Zeichen sein, eine Einladung. Insofern darf man die Kirche vielleicht auch als ein Lockmittel" Gottes bezeichnen, durch das die Welt neugierig gemacht werden soll auf den Gott und Vater Jesu Christi und auf die neue Lebensweise, die sich vom Evangelium her entwickelt. Die Kirche nimmt also dann ihre Aufgabe wahr, ein Segen für die ganze Weit zu sein, wenn sie in ihrer Liturgie, in ihrer Lebensweise, in ihrer Verkündigung und in ihrem Engagement deutlich macht, dass sie wirklich Volk Gottes, sein Eigentum und sein Werkzeug ist.
Liebe Schwestern und Brüder, was heißt das nun konkret für unser Leben in den Pfarreien, Verbänden, Gruppen und Ordensgemeinschaften? Es heißt zunächst, dass wir uns auch in unserer so traditionsreichen trierischen Kirche nicht zufrieden geben mit dem was ist, sondern immer neu versuchen, Volk Gottes zu werden. Welche Punkte dabei wichtig sind, hat Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben zum Abschluss des Heiligen Jahres 2000 anschaulich gemacht. Für unsere Ohren fast provozierend hat er geschrieben: Ohne Umschweife sage ich vor allen anderen Dingen: Die Perspektive, in die der pastorale Weg eingebettet ist, heißt Heiligkeit (Nr. 30). Heiligkeit ist natürlich nicht unsere moralische Leistung, sondern das Beschenktwerden von der Liebe Gottes. Deshalb führt der Papst weiter aus, dass dieser Weg nur in der Erneuerung und Vertiefung einer wirklichen Kultur des Gebetes, der Verlebendigung der sonntäglichen Eucharistiefeier und in der Feier der Versöhnung im Sakrament der Buße besteht.
Liebe Schwestern und Brüder!
Zu den schönsten Tätigkeiten des Bischofs gehört es, im Segensgebet den Menschen das Wohlwollen und die Liebe Gottes zuzusprechen, und so möchte ich Sie alle, liebe Schwestern und Brüder zum ersten Mal als Bischof von Trier auf die Fürsprache Mariens und des heiligen Matthias segnen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Trier, den 2. April 2002
Reinhard Marx
Bischof Reinhard Marx |
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