Symposion: Herausforderung für Diakone im Zivilberuf

"Christen als Sauerteig der Berufswelt?"

Mehr als 90 Diakone und Verantwortliche für den Diakonat aus ganz Deutschland sind im März 2014 zu einem Symposion „Christen als Sauerteig der Berufswelt? – Eine Herausforderung für Diakone im Zivilberuf“ in Fulda zusammengekommen. Aus dem Bistum Trier haben fünf Diakone teilgenommen.

Der Diakon im Zivilberuf ist in der letzten Zeit wieder stärker ins Bewusstsein gekommen – zusamen mit seiner Sendung als Christ und als Amtsträger an dem Ort, wo er auch seinem Erwerbsberuf nachgeht. Diese Sendung ist eine zentrale Aufgabe, aber zugleich auch eine Herausforderung für den Dienst des Diakons in einem komplexen gesellschaftlichen Umfeld und in einer sich stetig wandelnden Berufs- und Arbeitswelt.

Prof. Dr.  Matthias Möhring-Hesse aus Tübingen stellte im Eingangsreferat die Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt im beginnenden dritten Jahrtausend in den Vordergrund. Die Zunahme von prekären Arbeitsverhältnissen, die Entgrenzung der Arbeit hinsichtlich Raum und Zeit sowie die Subjektivierung und Individualisierung der Arbeit prägen die heutige Berufs- und Arbeitswelt.  Die daraus entstehenden gesundheitsbedrohenden Aspekte und Anzeichen (Stichwort „Burnout“) wurden in einem weiteren Vortrag dargelegt.

In vertiefenden Gesprächsgruppen bestätigte sich, dass auch Diakone im Zivilberuf diese Entwicklung in der Arbeitswelt am eigenen Arbeitsplatz erfahren und wahrnehmen. Auch in ihrem Berufsleben gibt es Licht und Schatten: Zum einen ist da die Chance der Zuwendung zu Arbeitskollegen, um den eigenen Glauben zu einem sichtbaren Zeichen werden zu lassen. Zum anderen gibt es die Schattenseite, im Arbeitsalltag selbst gefangen zu sein von Strukturen und Arbeitsorganisation.

Einen überzeugenden Einblick in die Geschichte und die Theologie der Arbeiterpriester gab Thomas Schmidt, selbst Arbeiterpriester aus Frankfurt. Sein Vortrag über die theologischen Spuren der Arbeiterpriester-Bewegung sowie seine persönlichen Erfahrungen in der Arbeitswelt fanden bei den Teilnehmern eine sehr große Zustimmung.

Großes Interesse fand auch der Vortrag von Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins über Madeleine Delbrêl (1904-1964), eine Sozialarbeiterin in einer kommunistischen Pariser Arbeitervorstadt. Viele theologische und pastorale Ansätze von Madeleine Delbrêl findet Heimbach-Steins sogar im apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus. Delbrêl gilt als Pionierin einer radikal zeitgenössischen Kirche. Sie provoziert zu einer genauen Wahrnehmung der „Zeichen der Zeit“ und zu einer missionarischen Grundhaltung, die sich vorbehaltlos den Adressaten der Botschaft vom Reich Gottes zuwendet. Sie stand für die grundlegende Solidarität mit den Menschen ein – und für den Vorrang der Nächstenliebe vor der kirchlichen Lehre. Vor dem Hintergrund der Synode im Bistum Trier hatten Person und Aussagen von  Madeleine Delbrêl für die teilnehmenden Diakone aus dem Bistum eine besondere Aktualität.

Der Umgang mit ambivalenten Entscheidungen in der Spannung zwischen christlicher Ethik und den Anforderungen des Berufs war Thema am letzten Arbeitstag des Symposions. Auf der Grundlage der ignatianischen Spiritualität erläuterte Dr. Stefan Kiechle SJ zehn Regeln für einen Entscheidungsprozess - eine Herausforderung in einer beschleunigten Gesellschaft, wo Entscheidungen und Ergebnisse zunehmend kurzfristig und ungeduldig erwartet werden. Bemerkenswert etwa die zehnte Regel: „Auf Jesus Christus schauen – was macht er, wie geht er mit Menschen um?“

Diakon Uli Weinand

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