Vor Ort: wo findet kirchliches Leben schon statt; wo gibt's neue Chancen, wo welchen Bedarf

Erkundungs-Phase in geplant 35 "Pfarreien der Zukunft"

Früh im Jahr 2018 beginnt die "Erkundungs-Phase" in den (geplant) 35 Pfarreien der Zukunft im Bistum Trier.  Zehn „Erkundungsteams“ werden gemeinsam mit den Menschen in den künftigen pastoralen Räumen die neuen Chancen und Möglichkeiten des Christseins an den (schon bekannten und vor allem neuen) "Kirchorten" und auch „über den Tellerrand hinaus“ entdecken. Dabei werden die Erkunderinnen und Erkunder und die Interessierten vor Ort auch neu darauf schauen, wo kirchliches und christliches Leben schon gelebt wird und wie es weiter begleitet werden kann und muss; immer geht es auch darum, welche Unterstützungs- und Vernetzungs-Formen für eine gute Zukunft erforderlich sind...


„In der Erkundungsphase geht es darum, Lust auf Neues zu machen und dadurch Neues zu entdecken.“ So sagt es Bischof Stephan Ackermann. „Die Erkundung will neue Bereiche des gemeindlichen Lebens, neue Formen, neue unbekannte Menschen, neue Strukturen, schlicht Unbekanntes entdecken. Dazu gehört auch, einen Blick zu haben für das Kleine, das Unscheinbare, und es mehr ins Licht zu heben. In diesem Dienst stehen die Erkundenden. Sie wollen den Menschen vor Ort begegnen und sie dazu anstiften, neue Erfahrungen zu machen.“


Wer erkundet? – Erkundung als gemeinsame Aufgabe

Das Bistum Trier hat 10 diözesane Erkundungsteams aus jeweils drei Personen eingerichtet. Sie bringen die Erkundung vor Ort auf den Weg. Frauen und Männer aus Caritas und Seelsorge bilden mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen ein Team. Sie nehmen wahr, interessieren sich, fragen nach und integrieren Personen und Gruppen aus den Pfarreien, Dekanaten, Verbänden, aus Caritas und Kommune, … in den Erkundungsprozess.

So geschieht Erkundung immer beteiligungsorientiert. Sich beteiligen – das geht auf ganz unterschiedliche Weise durch Interviews, Besuche, Begegnungen, in denen sich Türen öffnen und Menschen ihre Erfahrungen und ihr Wissen zur Verfügung stellen. Die Erkundenden nehmen Hinweise auf wichtige Themen wahr und nehmen sie auf; sie fragen Gesprächspartner nach ihrer Bereitschaft, mit zu erkunden oder den lokalen Erkundungsprozess mit zu koordinieren. Die Gruppen und Personen vor Ort bringen sich in den Prozess ein – mit ihren vielfältigen Erfahrungen und Wahrnehmungen, z.B. als berufstätige Akademikerin, Rollstuhlfahrer, evangelischer Christ, muslimischer Mann mit Fluchterfahrung, Caritasmitarbeiterin, Erzieher oder Seelsorgerin. Erkundet wird gemeinsam mit den Menschen, in ihren jeweiligen Gegebenheiten vor Ort. Die diözesanen Erkundungsteams unterstützen den lokalen Lern- und Entdeckungsprozess methodisch und organisatorisch und bringen ihr fachliches Know-How ein.

Wie wird erkundet? – Erkundung im Sozialraum

Wie leben Menschen im Bistum Trier miteinander? Wie nutzen sie Sozialräume und was ist ihnen wichtig? Welche gesellschaftlichen Herausforderungen gibt es und wie gestalten wir diese als Kirche mit unseren kirchlichen und sozialen Einrichtungen bereits mit? Was nehmen wir künftig in den Blick? – So lauten zentrale Leitfragen der Erkunderinnen und Erkunder, über die sie mit Menschen aus unterschiedlichen Lebenslagen an unterschiedlichen Orten ins Gespräch kommen wollen. Es geht nicht darum, Strukturfragen zu klären oder Situationen abstrakt zu analysieren; es geht darum, in der direkten Begegnung mit Menschen zu lernen. Der Prozess der Erkundung läuft ab  in gegenseitiger Wertschätzung der Mitwirkenden, ihrer Hintergründe und ihres Einsatzes. 

Die Erkundung ist offen für die Vielfalt der Themen der Menschen vor Ort; sie ist damit weit im Denken. Erkundung geschieht jedoch nicht vollständig und flächendeckend, sondern exemplarisch. Das heißt, sie fördert nicht an allen, aber an vielen Stellen wichtige Erkenntnisse zu Tage, an die angeknüpft werden kann.

Wie geht es danach weiter? – Erkundung als Weichenstellung

Die diözesanen Teams dokumentieren gemeinsam mit den Menschen vor Ort, was sie hören und wahrnehmen. Die so gewonnenen Erkenntnisse und die neu entstandenen Beziehungen stellen Anknüpfungspunkte für die jeweilige Pfarrei der Zukunft dar. Als Einübung in die Perspektivwechsel der Synode bedeutet Erkundung, insbesondere neue Kontakte aufzunehmen und vom Einzelnen her zu denken. So können auch Charismen entdeckt werden und netzwerkartige Kooperationen wachsen. Erkundung gibt auch dank der Kontakte mit den Menschen Ideen und Impulse für eine mögliche Gestaltung der Pfarrei der Zukunft. Auch über 2019 hinaus wird das Erkunden eine zentrale Rolle spielen: Es wird eine immer wiederkehrende Aufgabe für eine Kirche bleiben, die vom Einzelnen her denkt, nachfragt, sich interessiert, sich zuwendet und kirchliches Leben gemeinsam mit den Menschen gestaltet.

Die Erkundungsphase leistet so einen Beitrag zu einer diakonischen und missionarischen Kirche:
"Eine Kirche, die sich so versteht, die Jesus und seiner Botschaft vom Reich Gottes folgt, stellt den Menschen, sein Dasein und seine Fragen in den Mittelpunkt: seine Freude und Hoffnung, seine Trauer und Angst. […] Sie begibt sich dabei in das ihr selbst Fremde. Sie sucht Begegnung mit Anderem und Anderen und lässt sich davon irritieren, betreffen, inspirieren: sie lässt sich evangelisieren" (heraus gerufen, Kapitel 1)


Arbeitsweisen der Erkundungsphase

  • Die Erkundungs-Teams suchen Begegnung und Interaktion; dazu dienen etwa Einzel- und Gruppeninterviews (z.B. mit halbstandardisierten Gesprächsleitfäden), die aktivieren und beteiligen.

  • Sie werten Statistiken aus und analysieren Dokumente; dazu setzen sie die erforderlichen Arbeitsweisen ein.

  • Sie helfen, die Risiken und Chancen einzuschätzen, die in den örtlichen Gegebenheiten liegen – ebenso wie die Stärken und Schwächen in der kirchlichen Arbeit. 

  • Sie bemühen sich, die Menschen in ihren Sozialräumen aufzusuchen und sie und ihre Themen kennenzulernen.

  • Dazu bieten sie auch die geeignete Formen von Großgruppen an.

Haltungen der Erkundungsteams

  • Sie gehen auf die Menschen zu und schließen niemanden aus.
  • Sie sprechen verständlich und sind transparent.
  • Sie müssen nicht das Ergebnis der Synode rechtfertigen; sie können Auskunft darüber geben, was Sinn und Zweck der Pfarrei der Zukunft ist.
  • Sie sind aufmerksam, wertschätzend und aktivierend.
  • Sie bevormunden nicht und sind keine Besserwissenden.
  • Sie lassen sich ein und fordern Beteiligung ein.
  • Sie gestalten den Prozess in einer spirituellen Haltung.
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