Warum die Ausbildung zur Gemeindereferentin* mehr ist als ein Jobtraining

Unternehmerin, Anwältin, Netzwerkerin

„Für die Ausbildung, die ich als Gemeindereferentin bekommen habe, bin ich einfach nur dankbar!“ sagt Marie (den Namen haben wir geändert - Marie steht stellvertretend für viele Frauen und Männer, die sich für diesen Beruf entschieden haben). Die junge Frau ist gerade als Gemeindereferentin im Bistum Trier beauftragt worden. Für sie heißt es nun als hauptamtliche Seelsorgerin in einer Pfarreiengemeinschaft zu arbeiten.

Bis es so weit gekommen ist, hat Marie ein dreijähriges Studium der Praktischen Theologie und anschließend eine ebenfalls dreijährige Praxisausbildung absolviert. Dass sie dabei viel über Theologie gelernt hat, damit hatte sie vorher gerechnet. Auch, dass im Studium Kenntnisse aus Psychologie, Soziologie und Pädagogik vermittelt werden. Als größten Gewinn betrachtet Marie jedoch die persönliche Entwicklung, die ihr die Ausbildung gebracht hat. Sie führt das darauf zurück, dass es von der Studienphase bis ans Ende der Berufseinführung viele Elemente der Reflexion gab. Sei es in der Auseinandersetzung mit der Theologie und dem eigenen Glauben, sei es bei der Suche nach dem eigenen spirituellen Weg, sei es in der Besprechung von Praxissituationen, um Sicherheit im Umgang mit Menschen in unterschiedlichen Situationen zu gewinnen: Marie hat gelernt, die eigene Person in Balance zu bringen mit den Situationen und Anforderungen, denen sie begegnet.

Heute weiß Marie, dass eine stabile, gut reflektierte Persönlichkeit der Schlüssel zu einem Beruf in der Seelsorge ist. Und sie weiß, dass sie mit den erworbenen Kompetenzen die Grundlage für viele andere Herausforderungen geschaffen hat. Letztlich hat sie etwas gewonnen, was sie gerne Lebenskompetenz nennt.

Rollenbilder

Wofür die frischgebackene Gemeindereferentin dankbar ist, lässt sich anhand von Rollenbildern umschreiben. Denn im Kern von Maries Ausbildung steht die Kompetenz, ganz unterschiedliche Rollen einnehmen zu können:

In der Rolle der Kommunikatorin sieht sie sich gefordert, in sehr unterschiedlichen Situationen mit Menschen in Kontakt zu kommen. Im Einzelgespräch, in Gruppen, in Veranstaltungen und Gottesdiensten.

Wie eine Unternehmerin muss sie in der Lage sein, Initiative zu ergreifen und Neues zu wagen. Ihr Ziel ist es, gemeinsam mit Menschen vor Ort Kirche in der Gegenwart eine Ausdrucksform zu geben.

Als Beraterin schaut sie mit Einzelnen und mit Gruppen auf deren Situation und versucht dabei zu helfen, in Problemfragen gute Lösungen zu finden.

Immer wieder gibt sie als Anwältin denen eine Stimme, die ihre Interessen nicht selbst äußern können.

Durch Studium und Ausbildung hat sie die Kompetenz, als Pädagogin Gesprächs- und Bildungsprozesse zu strukturieren und zu moderieren - in der Gemeinde genauso wie in der Schule.

Gelegentlich muss sie Anschieberin sein. Sie entwickelt ein Gespür dafür, wann Anschub gebraucht wird und auch dafür, wann Zurückhaltung geboten ist.

Zunehmend erlebt sie sich als Netzwerkerin, indem sie Menschen zusammenbringt, die mit ähnlichen Anliegen unterwegs sind und dafür sorgt, dass unterschiedliche Gruppen und Initiativen voneinander wissen und sich gegenseitig unterstützen.

In allem ist sie Glaubenszeugin. Sie weiß, dass sie bei aller beruflichen Professionalität als Mensch mit eigener Glaubensgeschichte angefragt wird und dass sie je nach Anlass in unterschiedlicher Form Auskunft über die Hoffnung geben muss, aus der sie lebt.

Marie ist dankbar, weil sie über eine reine Berufsausbildung hinaus Kompetenzen entwickelt hat, die sie in die Lage versetzen, mit Veränderungen umzugehen, im beruflichen Kontext und darüber hinaus.

Durch Ihre Ausbildung ist Marie gut aufgestellt.

 

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