Hohe Karwoche und Ostertage

... Für meinen Tod hat sie mich gesalbt...

Salbung in Betanien

Kurz vor seinem Todesleiden ist Jesus bei Lazarus, den er von den Toten auferweckt hatte, und seinen beiden Schwestern zu Gast. Am Altar-Tisch, dessen drei Beine kräftigen Tiertatzen nachgebildet sind und den eine prächtige rote Decke mit Goldbordüre schmückt, sitzen drei Apostel (überraschenderweise fehlt Lazarus!). Sie diskutieren erregt mit Jesus, der ein wenig aus der Mitte gerückt lehrend auf einem goldenen Thron sitzt. Sein Blick und seine „Redehand“ sind den Jüngern zugewandt, während seine Linke, die sonst die Heilige Schrift hält, auf Maria zeigt. Die hat sich über die Füße Jesu gebeugt und trocknet sie mit ihren Haaren. Neben ihr Marta; sie bringt in einer goldenen Schale Speisen auf den Tisch (vgl. V. 2). Beide Frauen sind gekleidet wie Damen bei Hof, Marta in einem weißen Kleid, wohingegen Marias Gewand grün ist wie das Sitzkissen auf Jesu Thron.

Der Tisch ist gedeckt mit Brot und Wein – Anspielung auf die christliche Eucharistiefeier. Im Gespräch der Männer am Tisch geht es um die „Verschwendung“, die Maria betreibt, als sie in Betanien (= „Armenhausen“) Jesu Füße mit kostbarem Nardenöl salbt. Judas erhebt protestierend die Hand: wäre es nicht im Sinne Jesu gewesen, das Parfum zu verkaufen und den Erlös den Armen zu geben? Ein zweiter Jünger schließt sich dieser Meinung an. Petrus schaut fragend auf Jesus. Seine Hand zeigt wie Jesu Hand auf Maria. Jesus erwidert ihnen: „Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch“ (V. 7). Wer denkt nach der Totenerweckung des Lazarus schon an Tod und Beisetzung des Herrn? In prophetischer Weise wird durch Marias Salbung Jesu Tod und seine Auferstehung verkündet.

In der Feier der Eucharistie und in der Nächstenliebe, die Maria und Marta auf unterschiedliche Weise praktizieren (Dienst an Leib und Seele) ist Jesus heilschaffend über seinen Tod hinaus in der Kirche gegenwärtig. Das bezeugt der Maler-Mönch eindrucksvoll zu Beginn des Passionszyklus.

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