Heilige Pforte und Orte der Barmherzigkeit

Die "heilige Pforte" im Trierer Dom St. Petrus

Die "Heilige Pforte" in der Hohen Domkirche St. Petrus ist das "Romanische Portal", also der Durchgang von der Liebfrauenbasilika durch das "Paradies" in den Dom.

Die Heilige Pforte – Zeichen für Gottes Barmherzigkeit

Barmherzigkeit ist einer der zentralen Wesenszüge Gottes, die Jesus den Menschen bekannt machen will. Er lehrt die Jünger - und uns heute - Gott vertrauensvoll "Vater" zu nennen. In vielen Gleichnissen beschreibt er, was die Barmherzigkeit Gottes ist. 

Jesus drückt damit aus: Egal wie weit sich ein Mensch von Gott entfernt haben mag, wie er Gottes Gaben vielleicht missbraucht hat und wie groß seine Schuld auch immer sein mag - Gott ist nicht nur gerecht, sondern auch barmherzig. Er nimmt jene, die sich ihm wieder zuwenden, liebevoll auf und trägt ihnen nichts nach. Er macht sie heil. Seine Barmherzigkeit ist größer als jedes menschliche Versagen und jede Schuld.

Auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen – den Weg der inneren Erneuerung gehen

Verdrängte eigene Schuld macht den Menschen krumm, führt zu ungerechten Vorwürfen an andere, zu innerem Unfrieden. Sie gärt im Unbewussten weiter. Eingestandene Schuld dagegen kann aufgearbeitet und befreiend bewältigt werden, wenn der Mensch auf Gottes Barmherzigkeit vertraut, seine Schuld bekennt und Vergebung erbittet - wenn er neu anfängt. Das Sakrament der Beichte ist in besonderer Weise der Ort dieser inneren, durch Gottes Vergebung bewirkten Erneuerung: Ich kann mich Gottes Barmherzigkeit anvertrauen und finde in Gottes Vergebung, die der Priester im Auftrag Jesu ausspricht, immer neu eine große Befreiung.

Selbst barmherzig sein – fremde Not sehen und handeln

Barmherzigkeit sollen wir nicht nur empfangen, sondern auch selbst ausüben. Jesus zählt die Werke der Barmherzigkeit auf: Hungernde speisen, Dürstende tränken, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen, Fremde beherbergen, Tote begraben. Die Tradition hat zu den sogenannten leiblichen Werken der Barmherzigkeit sieben geistliche Werke hinzugefügt: die Unwissenden lehren, die Zweifelnden beraten, die Trauernden trösten, die Sünder zurechtweisen, den Beleidigern gern verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen, für die Lebenden und Verstorbenen beten.

Hinter all diesen Beispielen steht die Grundhaltung der Barmherzigkeit: die Haltung, fremde Not zu sehen und nicht gleichgültig zu bleiben, sondern nach den eigenen Möglichkeiten und Kräften diese Not zu lindern. Welche Werke der Barmherzigkeit sind in unseren Tagen besonders aktuell? Was tut in meinem Umfeld not?

Der Durchgang durch die Heilige Pforte ist eine Geste des Vertrauens auf Gott: Wir dürfen eintreten in die Barmherzigkeit des Vaters.

"Orte der Barmherzigkeit" im Hohen Dom

Im Trierer Dom finden sich an mehreren Orten Hinweise auf das große Thema der Barmherzigkeit Gottes:

  • An der Kanzel finden sich Darstellungen der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit.
  • In der Heilig-Rock-Kapelle verehren wir den Leibrock Jesu als kostbare Reliquie. Aus Erbarmen zu uns hat er sein „letztes Hemd“ gegeben.
  • In der Sakramentskapelle wird das eucharistische Brot aufbewahrt. Die Eucharistie ist das Sakrament der Liebe Gottes. Wir sind eingeladen, zu Jesus zu beten, der uns die Barmherzigkeit des Vaters offenbart.
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