Stellungnahme des Katholikenrates vom 10. Oktober 2015

Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit fördern und unterstützen

Der Sachausschuss Kinder und Jugend des Katholikenrates im Bistum Trier, der sich aus Vertretungen des Katholikenrates sowie haupt- und ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen zusammensetzt, möchte mit dieser Stellungnahme aus den Erfahrungen in der konkreten Arbeit vor Ort mit Flüchtlingen auf Probleme und Unterstützungslücken für Flüchtlinge und Ehrenamtliche aufmerksam machen und Politik, Kirche und Gesellschaft zum Nachdenken und Handeln aufrütteln.

Besorgt schauen wir auf die politischen Entwicklungen in der Europäischen Union. Die Verantwortung in der derzeitigen Flüchtlingskrise liegt bei der gesamten Gemeinschaft, die sich nun als Werte- und Solidaritätsgemeinschaft beweisen müsste und nicht die eigenen Werte mit Füßen treten sollte. Die kurzsichtige Politik mancher Mitgliedsstaaten und der Blick allein auf die eigene Situation bringt das Konstrukt der gesamten Gemeinschaft ins Wanken und sollte bald möglichst hin zu einer gemeinsamen Solidarität und geteilten Verantwortung für die Bewältigung der Flüchtlingskrise umschwenken.

Neben der Politik sehen wir auch eine große Verantwortung bei der Kirche. Wir begrüßen das bisher geleistete finanzielle und personelle Engagement unseres Bistums und des Caritas Verbandes. Wir möchten die Verantwortlichen in Kirche auffordern weiterhin klar Stellung für Flüchtlinge zu beziehen, Ehren- und Hauptamtliche zu fördern und insbesondere kostenlosen Wohnraum unbürokratisch und kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Denn wir sollten in unserer Willkommenskultur dem Ruf des biblischen Gottes folgen: „Du sollst einen fremden Untertan, der vor seinem Herrn bei dir Schutz sucht, seinem Herr nicht ausliefern. Bei dir soll er wohnen dürfen, in deiner Mitte, in einem Ort, den er sich in einem deiner Stadtbereiche auswählt, wo es ihm gefällt. Du sollst ihn nicht ausbeuten.“ (Dtn. 23,16f)

In unserer haupt- und ehrenamtlichen Arbeit erleben wir das hohe Engagement, welches in der derzeitigen Krise vielen Flüchtlingen eine große Unterstützung ist und Perspektive gibt. Dieses Engagement ist ein hohes Gut, welches einer besseren Koordinierung der Unterstützungsleistungen, seien sie personeller oder sachlicher Art, bedarf. Die kommunalen Stellen sowie die Verantwortlichen der freien Träger können diese Koordinierungsarbeit nicht neben der alltäglichen Arbeit leisten. Wir fordern die Politik auf, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen um in den Kommunen und den freien Trägern eine hauptamtliche Stelle zu errichten, die einzig zur Koordinierung des ehrenamtlichen Engagements, der Sachspenden sowie dem Informationsfluss zwischen öffentlichen Stellen und ehrenamtlichen Unterstützungskreisen oder Einzelpersonen eingerichtet wird. Dem Bistum Trier, dem Diözesancaritasverband und den Ortscaritasverbänden im Bistum sind wir sehr dankbar, dass sie Geld in die Hand genommen haben und in den zehn Ortscaritasverbänden jeweils eine halbe Stelle für die Ehrenamtskoordination und eine volle Stelle für die Flüchtlings- und Verfahrensarbeit geschaffen. Mit den Caritaseinrichtungen in der Landesaufnahmestelle Lebach sind dies elf neue Vollzeitstellen sowie zwölf halbe Stellen. Auch durch Kommunen wurden an einzelnen Standorten hauptamtliche Stellen zur Begleitung und Koordinierung von Ehrenamtlichen eingerichtet. Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, die Ausweitung der Stellen und feste flächendeckende Etablierung müsste allerdings das Ziel aller in diesem Feld Tätigen sein. Des Weiteren sehen wir einen hohen Bedarf in der Schulung von Hauptamtlichen im Umgang und der Arbeit mit Ehrenamtlichen sowie der Einführung einer Dankeskultur für die großen Leistungen, die zahlreiche Ehrenamtliche neben ihrer beruflichen Tätigkeit ausüben. Dieses Engagement ist keine Selbstverständlichkeit und bedarf auch einer angemessenen Würdigung. 

Wichtige Elemente unserer Willkommenskultur sind Patenschaften, die an vielen Orten schon sehr erfolgreich laufen. Wir möchten Haupt- und Ehrenamtliche in unseren Pfarreien und Verbänden ermutigen, weiterhin mit kreativen Freizeitangeboten geflüchteten Kindern und Jugendlichen Abwechslung in ihrer schweren Situation zu bieten und sie mit Gleichaltrigen in Kontakt zu bringen. Diese einfach gestaltete Form der Gastfreundschaft fördert neben der Spracherlernung die Integration in die Gesellschaft. Gemeinsam gestaltete Feste für und mit Flüchtlingen bauen nach unserer Erfahrung viele Vorurteile in der Bevölkerung ab und ermöglichen einen interkulturellen Austausch. Durch den direkten Kontakt zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen sehen wir eine Möglichkeit die Ängste in der Gesellschaft abzubauen und langfristige Integrationsbereitschaft und –fähigkeit auf den Weg zu bringen.

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