Für eine "soziale Ökologie" der Arbeit

Manfred Thesing, der Vorsitzende des Katholikenrats zur Schließung von Callcentern durch die Telekom

Im Bereich des Bistums Trier wird es - wenn es nach den Plänen der Telekom-Geschäftsleitung geht – in Zukunft keine Callcenter dieser Firma mehr geben. Dass es dabei zum Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen vieler Menschen kommen wird, macht uns große Sorgen - zumal meist auch Familien betroffen sein werden.

Der Konzern hat 2007 einen Gewinn von 5,3 Milliarden Euro gemacht; er will bundesweit 39 von 63 Callcentern schließen, u.a. in Trier, Saarbrücken und Koblenz. Betroffen sind etwa 8.000 Beschäftigte. Zwar sagt die Telekom jedem Beschäftigten einen Arbeitsplatz in einem anderen Callcenter zu; aber das bedeutet für die MitarbeiterInnen der geschlossenen Center zumindest längere Fahrzeit und höhere Fahrkosten. Die neuen Arbeitsplätze würden z.B. in Bonn, Frankfurt oder Ludwigshafen sein. Bei Teilzeitbeschäftigten, die den überwiegenden Teil des Callcenterpersonals ausmachen, z.B. auch allein erziehende Mütter oder Väter sowie Familien mit Kindern und Haus, kann man es fast auf die Formel bringen: „Mehr Fahrkosten als Einkommen und weniger Zeit für die Familie." = "Ein Arbeitsplatzangebot ohne Wert!“

Die Maßnahme der Telekom ist insgesamt nicht nachvollziehbar. Durch die Zusammenlegung von Callcentern werden Einsparungen kaum zu erzielen sein. Ob der Computer in Saarbrücken oder in Ludwigshafen steht, ist nicht relevant. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Telekom auf einem Umweg MitarbeiterInnen loswerden will, für die eigentlich eine Beschäftigungsgarantie bis 2012 besteht.

Als Staatsbürger verweisen wir auf die "Soziale Marktwirtschaft" und die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach dem Grundgesetz.

Als Christen bitten wir die Telekom, die christliche Sozialethik in ihre Überlegungen einzubeziehen: "Dadurch, daß dem arbeitenden Menschen die Entwicklung seiner Persönlichkeit zugestanden wird, wird eine größere Effizienz der Arbeit selbst gefördert. Das Unternehmen muß eine Solidargemeinschaft sein, die sich nicht nur um die Interessen des Unternehmens kümmert, sie muß eine "Sozialökologie" der Arbeit anstreben, und sie muß auch durch die Bewahrung der natürlichen Umwelt zum Gemeinwohl beitragen." (aus: Kompendium der Soziallehre der Kirche, S 251, Herder 2006)

Gerade Tele-Arbeitsplätze, wie ein Callcenter sie bietet, lassen sich ohne Qualitätseinbuße hervorragend an verschiedenen, dezentralen Standorten betreiben.

  • Im Sinne der Beschäftigten, vor allem auch der Teilzeitbeschäftigten, lassen sich so Fahrwege kurz halten.
  • Im Sinne der Familien bedeuten kurze Wege: Mehr Zeit für Kinder.
  • Bei "Alleinerziehenden Familien", bei denen laut Armutsbericht das Risiko am höchsten ist, arm zu sein und zu bleiben,, bedeutet es: Mehr Geld, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.
  • Im Sinne der Umwelt bedeuten kurze Fahrwege eine Entlastung der CO2-Bilanz unseres Staates.
  • Im Sinne der Telekom bedeuten wohnortnahe und schnell zu erreichende Arbeitsplätze besser motivierte MitarbeiterInnen.
  • Und im Sinne der Kunden bedeuten besser motivierte MitarbeiterInnen (und nicht größere Callcenter) mehr Service.

Und vor allem erhält diese Lösung vielen Menschen den Arbeitsplatz!
Wir rufen die Telekom AG dazu auf, ihre Planungen zu verändern und den Menschen Arbeitsplätze und Einkommen zu erhalten!

Weiteres: