Keine Auflockerung der „Stichtags-Regelung“

Stellungnahme des Katholikenrates zur Forderung von Teilen des nationalen Ethikrates, die Stichtagsregelung bei der Forschung an embryonalen Stammzellen aufzulockern.

Im April 2002 hat der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit das "Stammzellgesetz" beschlossen, das klar regelt: Auch in Zukunft dürfen keine menschlichen Embryonen zum Zwecke der Forschung getötet werden. Als Stichtag für den Import von bereits existierenden Stammzellenlinen legte er den 1. Januar 2002 fest.

Wie damals schon zu befürchten war, wird der Damm, den das Stammzellgesetz erreicht hat, von vielen Seiten durchlöchert, um ihn zum Brechen zu bringen.

Die neueste Intervention kommt vom Nationalen Ethikrat. Der hat mit 14 von 24 Stimmen beschlossen, eine Empfehlung zur Lockerung zu geben. In Zukunft solle eine Einzelfallprüfung anstelle der Stichtagsregelung erfolgen. Der Katholikenrat im Bistum Trier sieht - wie die Minderheit im Ethikrat - darin eine "Aushöhlung des ethisch-moralischen Fundaments des Stammzellgesetzes" (aus dem Minderheitenvotum).

Neue Stammzellenlinien fallen nicht vom Himmel, sondern stammen von menschlichen Embryonen, die eigens zu diesem Zweck getötet werden müssten. Durch den Mehrheitsvorschlag des Ethikrates wird der den in Deutschland und in anderen Mitgliedsländern geltenden Grundsatz, dass kein Embryo zu Forschungszwecken getötet werden darf, ausgehöhlt.

Der Katholikenrat im Bistum Trier erklärt erneut: Unser christliches Verständnis legt unmissverständlich fest: In dem Augenblick, in dem Ei- und Samenzelle sich zur befruchteten Eizelle verschmelzen, beginnt das Leben als Mensch.

Wir dürfen uns nicht von "Heilsversprechen der embryonalen Stammzellenforscher einwickeln lassen, sondern müssen deutlich sagen: Die embryonale Forschung führt in eine ethische Sackgasse. Wissenschaft muss sich aufmachen und andere Wege suchen, z. B. die Forschung an adulten Stammzellen verstärken.

Hier sehen wir uns auf einer Linie mit der Foschungsministerin Annette Schavan, die Anfang Mai bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken versicherte: Die Bundesregierung wolle weiterhin schwerpunktmäßig die adulte Stammzellforschung fördern. Demgegenüber bilde die embryonale Stammzellforschung die Ausnahme. Die Zahl der Anträge für embryonale Stammzellforschung in diesem Jahr “tendiert gegen Null”, so die Ministerin. Nach den Worten Schavans rangiert der Lebensschutz vor der Forschungsfreiheit. Die Regierung lehne deshalb eine Abschaffung der Stichtagsregelung im Stammzellgesetz ab.

Daher fordert der Katholikenrat die Bundesregierung und den Bundestag auf, den Rat des Ethikrates nicht anzunehmen und die derzeitige Regelung beizubehalten.

Manfred Thesing
(Vorsitzender)

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