Nach Kopenhagen: Was jetzt zu tun ist

Stellungnahme des Katholikenrats

Der UN-Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 war ein Debakel. Die Staatslenkenden der Welt haben angesichts der gigantischen Herausforderung einen riesigen Aufwand mit einem minimalen Ertrag betrieben.

Anerkannt worden ist ein vages Zwei-Grad-Ziel bei der maximalen Erd-Erwärmung; es gibt aber keine rechtlich bindenden Pflichten für CO2-Reduktionen, und es ist nicht klar, ob und wie die angekündigten geringen Milliardensummen für Klimaschutz in den Entwicklungsländern auch wirklich zusätzlich zur normalen Entwicklungshilfe fließen sollen.

Kopenhagen hat gezeigt: Die 192 versammelten Staatschefs und -chefinnen sind strukturell nicht fähig und politisch nicht willens, das Klima zu retten und eine für alle Menschen bewohnbare Erde zu erhalten. Kopenhagen hat gezeigt: Selbst jetzt, auf das Klima der Welt bezogen wenige Sekunden vor zwölf, ist die so genannte internationale Gemeinschaft nicht in der Lage, angemessen auf die Herausforderungen zu reagieren. Bereitstellung von riesigen Geldmengen für den Versuch, die Finanzmärkte zu retten und nationaler Eigennutz sind immer noch wichtiger als globales Allgemeinwohl. Das ist die extrem Besorgnis erregende Erkenntnis hinter dem Nicht-Ergebnis von Kopenhagen.

Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Unabhängig von den weiteren UN-Klimagipfeln dieser Art müssen Deutschland und die Europäische Union, die pro Kopf zu den Hauptverursachern des Klimawandels gehören, eine Vorreiterrolle beim ökologischen Umbau übernehmen.

Das könnte auch die anderen Industriestaaten als große Klimaverseucher motivieren, mit gutem Beispiel voranzugehen und in klimapolitische Vorleistungen zu treten. Die Hoffnung allerdings, dass sie dies tun, ist nach Kopenhagen auf den Nullpunkt gesunken. Das heißt auch, dass die Inselstaaten und Küstenregionen, denen das Wasser bis zum Hals steht, wohl nicht mehr zu retten sind, und Teile Afrikas, die schon jetzt verhungern, dem Untergang geweiht sind. Das ist bitter und eine Niederlage für die Menschheit.

Der Katholikenrat richtet seinen Blick auch auf das südamerikanische Land Bolivien, dem das Bistum Trier durch die Bolivienpartnerschaft seit 50 Jahren in besonderer Weise verbunden ist. Bolivien gehört zu den zehn Ländern, die weltweit am stärksten von Klimakatastrophen betroffen sind, dabei ist das Land nur für 0,35 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich "Die Anden-Gletscher schmelzen, extreme Wetterlagen werden häufiger und schlimmer, die Böden verarmen und verwüsten, Plagen und Krankheiten treten häufiger auf, Pflanzen- und Tierarten sterben aus, das Tiefland wird öfter und heftiger überschwemmt, und die Armut nimmt zu", so Klimaexperten aus Bolivien.

Dennoch: Resignation ist nicht erlaubt. Schon gar nicht denen, die sich Christinnen und Christen nennen. Der öffentliche Druck darf nicht nachlassen. Die Zivilgesellschaften sind gefordert. Die „hohe Politik" allein ist nicht in der Lage, die uns von Gott anvertraute Schöpfung zu bewahren. Sie braucht uns, die wir Christinnen und Christen, Bürgerinnen und Bürger und Konsumentinnen und Konsumenten sind, die sagen: Es reicht! So geht es nicht weiter! Wir müssen umsteuern, und zwar schnell.

Das heißt konkret: den politischen Druck erhöhen, was die Anstrengungen gegen den Klimawandel angeht. Politiker / -innen, Wahlkreisabgeordnete und Mandatsträger / -innen anfragen und befragen, was sie nach Kopenhagen zu tun gedenken. Auch die Kirchen müssen sich einmischen in die Politik, nicht nur, aber gerade jetzt auch in der ökologischen Überlebensfrage.

Das heißt aber auch: Selber etwas tun, das eigene Handeln kritisch überprüfen, auf den eigenen ökologischen Fußabdruck schauen und sich fragen: Was kann ich ganz persönlich tun, um Gottes gute Schöpfung zu bewahren?

Das bedeutet zum Beispiel:

  • Es ist ein Unterschied, ob ich zu Fuß gehe oder Rad fahre oder mich auch für kleine Strecken ins Auto setze.
  • Es ist ein Unterschied, ob ich fair oder regional gehandelte Produkte kaufe oder mich ohne Not weiterhin an der Tiefstpreisschlacht der Discounter beteilige.
  • Es ist ein Unterschied, ob ich mit Billigfliegern für ein paar Euro zum Shoppen nach London, Paris oder Mailand fliege oder einen regionalen Wanderurlaub in der Eifel, im Hunsrück oder an Mosel und Saar mache.
  • Kurz: Es ist von zentraler Bedeutung, ob ich mein (Konsum)-Verhalten im Rahmen der Möglichkeiten daran orientiere, ob es den Kriterien der Nachhaltigkeit und Menschenwürde gerecht wird.

Die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, hat gerade noch einmal in Erinnerung gerufen: Wenn viele Menschen an vielen Stellen der Erde bereit sind, kleine Schritte in die richtige Richtung zu gehen, dann kann das notwendige Umsteuern gelingen.

Der Katholikenrat im Bistum Trier ruft daher alle Menschen dazu auf, ihr Verhalten und ihr Handeln, kurz, ihr Leben, an diesen Kriterien zu orientieren und „die Politik" nicht mehr ungestraft so weiter machen zu lassen wie bisher. Gerade auch durch unsere mittlerweile 50-jährige Partnerschaft mit der Kirche Boliviens sind wir in einer besonderen Weise aufmerksam für die Anliegen, Nöte und Sorgen von Menschen in der so genannten Dritten Welt. Bolivien gehört zu den Ländern, die schon immer und bis heute unter dem leiden, was die bis vor kurzem uneingeschränkt herrschende neoliberale Ideologie den freien Welthandel genannt hat, den wir als entfesselten Turbokapitalismus brandmarken, der diese Welt in den Abgrund führt.

Diese Welt ist zu wertvoll, um sie denen zu überlassen, denen die Rettung des kapitalistischen Wirtschaftssystems wichtiger ist als die Bewahrung der Schöpfung. Kopenhagen hat gezeigt: Wir müssen es selbst in die Hand nehmen.

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