Stellungnahme des Katholikenrates zu den Kostensenkungsplänen

Disskussionsthemen:
Notwendigkeit von Kostensenkungen - positiv bewertet - Jugendpastoral - Kirchengemeinden - Unterstützungssysteme Ehrenamt (und insbesondere Verbände und Kath. Erwachsenenbildung) - Weltkirche - Dekanate - Übergreifend: Pastoraler Plan?

Blick auf mögliche Sparpotentiale: Bischöfliches Generalvikariat - Kirchliche Schulen

Diese Stellungnahme wurde nach der Außerordentlichen Vollversammlung am 5. Juni 2010 vom Vorstand erarbeitet und den Mitgliedern des Katholikenrates mit der Bitte um Rückmeldung vorgelegt. Die Rückmeldungen wurden am 16. Juni 2010 gesichtet und eingearbeitet.

 

  • Notwendigkeit von Kostensenkungen

Die grundsätzliche Notwendigkeit struktureller Kostensenkungen wurde von niemandem bestritten. Die Höhe des Sparvolumens steht nach Aussage des Generalvikars nicht zur Disposition und wurde deshalb nicht diskutiert.


 

  • Als positiv bewertet:

Der Katholikenrat hob ausdrücklich hervor, dass die vergleichsweise niedrige Kostensenkung, die auf die Caritas zukommt und die „Verschonung" der Lebensberatung positiv zu bewerten ist. Positiv ist auch, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.


 

  • Jugendpastoral:

Jugend ist unsere Zukunft. – Dieser Satz fiel häufig bei Wortmeldungen, mit denen die Katholikenratsmitglieder ihr Unverständnis darüber äußerten, dass im Jugendbereich so stark gespart werden soll. Viele derjenigen, die heute in kirchlichen Gremien oder in den Erwachsenenverbänden arbeiten, haben die „ersten Lektionen" dieser Arbeit in den Jugendverbänden gelernt. Hier die Unterstützung zu kappen, sei fatal und wirke sich kontraproduktiv aus.
Für den Bereich der Jugendverbände wurde ausgeführt, dass die geplante Verlagerung von Referentenstellen in die drei Fachstellen Plus für Kinder- und Jugendpastoral (zwecks Verbandsunterstützung) z.B. für die ehrenamtlichen Jugendlichen, die sich auf Bistumsebene engagieren (in Leitung, Schulung etc.) keine Hilfe bedeutet. Vielmehr brauche man auf Bistumsebene ReferentInnen, die sich dort um die speziellen Notwendigkeiten der einzelnen Verbände kümmern können.
Auf Unverständnis stieß auch die Schließung von Offenen Jugendeinrichtungen, die - oftmals milieuübergreifend - Jugendliche erreichen, die Kirche sonst niemals erreichen würde.
Die Streichung der Referentenstelle beim BDKJ-Bolivienreferat setzt – zusammen mit den vorgesehenen Kürzungen bei der Diözesanstelle Weltkirche – gerade mit Blick auf die Partnerschaft und nach Abschluss des Jubiläumsjahres ein ungutes Zeichen. Abgesehen davon wird der BDKJ seine anerkannt gute Bolivienarbeit drastisch zurückfahren müssen. Ist das so gewollt?

Votum

Die Kürzungen im Bereich Jugendpastoral erscheinen dem Katholikenrat mit Blick auf die Zukunft der Kirche kontraproduktiv und sollten zurückgenommen werden.


Im Folgenden stellte sich in der Diskussion heraus, dass – wenn man aus der Blickrichtung Ehrenamtlicher schaut – vieles miteinander verknüpft ist:
Kirchengemeinden, Verbände, Katholische Erwachsenenbildung … Daher erfolgt zunächst eine Analyse der einzelnen Bereiche und dann im Punkt Unterstützungssysteme Ehrenamt eine zusammenfassende Bewertung.

  • Kirchengemeinden:

In der Anhörung gab es eine hohe Unsicherheit in Bezug auf die Einsparungen, die auf die Kirchengemeinden zukommen sollen. Hier versuchte die Bistumsleitung zu verdeutlichen, dass in diesen Zahlen bereits länger geplante und bekannte Strukturmaßnahmen eingerechnet sind. Da aber geplant ist, gleichzeitig mit den gesenkten Finanzen für die Gemeinden auch Schlüsselzuweisungen einzuführen, sieht der Katholikenrat auf die Gemeinden einen größeren Freiraum, vor allem aber auch eine größere Verantwortung zukommen.

Um diese neue Verantwortung gut meistern zu können, braucht es möglichst bald eine Schulung und Befähigung aller Betroffenen, vor allem auch der Ehrenamtlichen (s. auch Punkt Ehrenamt).

 

  • Verbände:

Die angekündigten Kürzungen bei den Verbänden werden sich vor allem bei KAB und Kolping so auswirken, dass Personalstellen für Bildung und Unterstützung von Ehrenamtlichen wegfallen müssen. Dabei haben alle Verbände bislang z. B. die Schulung ihrer Ehrenamtlichen eigenverantwortlich übernommen. Und da viele der Verbands-Ehrenamtlichen auch in den Kirchengemeinden und andern Bereichen des Bistums aktiv sind, haben bislang alle davon sehr profitiert (s. auch Punkt Ehrenamt).


  • Katholische Erwachsenenbildung:

Die Auflösung der Fachstellen der Erwachsenenbildung hat weitreichende Folgen – auch im Bereich Refinanzierung durch staatliche Gelder. Durch den Wegfall des Trierer KEB-Anteils steht die KEB Rheinland-Pfalz ebenfalls vor dem Aus.

Die Erwachsenenbildung trägt vor Ort zum Diskurs mit anderen gesellschaftlichen Bereichen und anderen Religionen bei. Das entfällt in Zukunft und es ist keine Institution in Sicht, die diese Rolle übernehmen kann. (Ähnliches gilt auch für die Katholische Akademie.)
Die Unterstützung der Ehrenamtlichen wurde vor Ort meist in Zusammenarbeit und mit dem Wissenshintergrund der KEB geleistet (s. auch Punkt Ehrenamt).
Insgesamt hätte man sich eine überarbeitete Schwerpunktsetzung bei der KEB vorstellen können, auch eine intensivere Zusammenarbeit mit den Familienbildungsstätten. So aber hat die Auflösung fatale Folgen.

 

  • Zusammenfassung: Unterstützungssysteme Ehrenamt

Ein Großteil der bisherigen Träger von Unterstützung des Ehrenamtes sind oben in den Blick genommen worden. Wenn nun diese gewachsenen Strukturen verschwinden, so ist derzeit für uns Ehrenamtliche nichts Greifbares in Sicht – außer dem Satz: „Das erste Themenfeld [in das investiert werden soll Anm. Verfasser] ist die Förderung und unterstützende Begleitung des Ehrenamtes" (im Heft "Finanzieren und Investieren"). Und daher erschließt sich uns auch nicht der unterstellte Spareffekt. Denn um neue Unterstützungssysteme aufzubauen, wird man viel Geld – vielleicht genau so viel, wie die bisherigen gekostet haben – in die Hand nehmen müssen.

Votum

Die bisherigen Unterstützungssysteme müssen solange erhalten bleiben, bis die Konzeption einer neuen Unterstützung steht. In diese Konzeption müssen die bisherigen Unterstützungssysteme ihr Know-How einbringen und sie müssen in die neue Unterstützung integriert werden.


  • Weltkirche:

Der Bereich Weltkirche wurde weitgehend im Zusammenhang mit dem Thema Bolivienpartnerschaft diskutiert. Hierzu siehe Jugendpastoral / Referentenstelle Bolivienreferat.


 

  • Dekanate:

Die geplante Zusammenlegung von Dekanaten wurde vor allem im Blick auf den Umgang mit Verantwortlichen vor Ort diskutiert:

Auf große Enttäuschung beim Katholikenrat stieß die Tatsache, dass man erst aus dem Kostensenkungspapier von der geplanten Zusammenlegung erfahren hat. Die Zusammenlegungspläne wurden im Vorfeld weder mit hauptamtlich Verantwortlichen noch mit den ehrenamtlichen Dekanatsräten besprochen. Bislang gab es in den letzten Jahren bei Strukturveränderungen eine bessere und vertrauensvollere gemeinsame Beratungspraxis.

Ob die angestrebte Kostenersparnis bei der Umstrukturierung der Dekanate erreicht werden kann, bleibt – zumindest angesichts der Erfahrungen bei den letzten Umstrukturierungen – fraglich.


 

  • Pastoraler Plan:

Da der Eindruck entstanden ist, es würde vor allem bei den Schnittpunkten Kirche / Welt gespart, in denen sich Kirche auch mal anders als üblich präsentiert, wurde gefragt, was für ein pastoraler Plan "über allem" steht.


Es war erschreckend zu hören, dass es keinen eigentlichen Pastoralen Plan gibt, der den Kostensenkungen zugrunde liegt. Vielmehr arbeite Bischof Stephan an einem pastoralen Plan, der aber noch nicht fertig sei. Für den Katholikenrat ist es unverständlich, warum ganze Bereiche aufgelöst werden, obwohl im Rahmen der Pastoralen Planung gar nicht definitiv erkennbar ist, ob sie noch benötigt werden.

Votum

Angesicht der lange nicht so ungünstig (wie vorher befürchtet) erscheinenden Steuerpläne und -schätzungen und angesichts der oben benannten Punkte scheint es vertretbar, zunächst mit aller Kraft an einer Pastoralen Planung zu arbeiten um daraus folgend dann Sparmaßnahmen anzugehen.


  • Gegenfinanzierung:

Die angegeben Einsparmöglichkeiten im Bereich Generalvikariat scheinen dem Katholikenrat zu unverbindlich. Außerdem läßt das Papier "Finanzieren und Investieren" nicht erkennen, wozu die dort nicht aufgeführten Haushaltsmittel in Höhe von 141 Mio Euro gebraucht werden, und ob darin evtl. noch Kostensenkungsmöglichkeiten stecken.

Ein weiterer Bereich, der nach Ansicht des Katholikenrates auf den Prüfstand muss, sind die Schulen. Hier sollten Zahlen genannt werden, was die Schließung einer Schule an Einsparmöglichkeiten bedeutet. Wenn der Bereich Kindertagesstätten ein Einsparpotential von 9 % erbringen muss (auch indem KiTas auf-/abgegeben werden), so ist nicht nachvollziehbar, warum der Bereich Schulen nicht auch diskutiert werden soll.

Insgesamt ist die Frage nach konkreten Gegenfinanzierungen sehr schwierig. Im Gegensatz zu den Mitgliedern der Leitungskonferenz, denen nach den vielen notwendigen Sitzungen wahrscheinlich jeder Euro persönlich bekannt ist, haben Mitglieder des Katholikenrates kaum Überblick über Haushaltsposten und über Einsparpotentiale, die sich darin verbergen könnten. Hinzukommt, dass die Rangliste der Priorisierung von Bereichen, die vorgenommen wurde, nicht in allen Bereichen mit der Systematik des Haushaltsplanes übereinstimmt.

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