Verfolgung von assyro-chaldäischen Christen im Irak

Im Irak werden täglich Zivilisten und Soldaten Opfer des brutalen Bürgerkrieges. Sie gehören vielen religiösen und ethnischen Gruppen an. Um deutlich zu machen, um was es geht, möchten wir heute beispielhaft den Blick auf die Situation der assyro-chaldäischen Christen lenken.

"Die Situation der Christen im Irak hat sich wesentlich geändert. Unter dem laizistischen Baath-Regime genossen die Christen im Irak weit gehende Freiheit, sie gehörten in der Regel zur Mittel- und Oberschicht." (Deutsches Orient-Institut, Gutachten vom 31.1.2005). Auch nach weiterem übereinstimmendem Erkenntnismaterial (Auswärtiges Amt, UNHCR, amnesty international u.a.) hat sich die Lage der Christen im Irak seit dem Regimewechsel gravierend verschlechtert.

Wesentlicher Grund für die Verschlechterung ist die Re-Islamisierung des Irak, bei der die Christen von fundamentalistischen Moslems zunehmend als Ungläubige betrachtet werden. Christ in der Gegenwart schreibt bereits am 24.10.04: "Die amerikanische Besatzungspolitik hat faktisch Anarchie erzeugt und - anders als es in Saddam Husseins despotischen Zeiten der Fall war - die Christen zum Freiwild für Moslems werden lassen".

Viele Mullahs machen ihren Gläubigen keine Vorwürfe wegen der Verbrechen an den Christen. Zudem sind Christen bevorzugte Entführungsopfer, weil die Islamisten nicht die unter ihnen übliche Blutrache fürchten müssen.

Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker sind rund drei Viertel der vorher 650.000 aramäisch-sprachigen Christen des Iraks vertrieben, hunderte wurden brutal gefoltert, entführt und vergewaltigt. Es wird kaum noch Gottesdienst gehalten in den Städten, weil eine volle Kirche ein einfaches Ziel für Anschläge ist. Im Stich gelassen und ungeschützt fühlen sich die assyro-chaldäischen Christen von den amerikanischen Truppen. (Dabei dürfte diese christliche Gruppe den Amerikanern nicht fremd sein, denn auch in den USA leben etwa 150.000 chaldäische Christen).

Die meisten assyro-chaldäischen Christen fliehen nach Syrien, Jordanien oder in den noch halbwegs sicheren kurdischen Nordirak. Auch in der Türkei kann man auf geflüchtete irakische Christen treffen. In all diesen Regionen werden sie noch geduldet, aber Hilfe bekommen sie nicht.

Hoffnung setzten die Flüchtlinge vor allem auf Europa. Außer Schweden hat jedoch noch kein Land in der EU diese Flüchtlinge aufgenommen. Francois Yakan, chaldäischer Priester, sagte am 01.03.07 in einem Bericht, der im Deutschlandradio zu hören war: "Europa macht für diese Menschen nichts, aber auch gar nichts. Der einzige rettende Strohhalm an den sich diese Menschen klammern können, ist, dass sie irgendwelchen Verwandten nach Kanada oder Australien nachreisen dürfen. Die Europäer dagegen bleiben in ihrer Hilfsbereitschaft sogar hinter der Türkei zurück".

Fazit für den Katholikenrat in Trier:
Von den EU-Ländern ist zu fordern, daß sie als ersten Schritt ihre Grenzen endlich für die gejagten Christen öffnen.
(Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert z.B. von der Bundesregierung, umgehend  20.000 Christen aus dem Irak aufzunehmen). Des weiteren muss politisch alles getan werden, dass die Situation im Irak die Rückkehr der Flüchtlinge und das Weiterbestehen des fast 2000 jährigen christlichen Lebens in diesem Lande möglich macht.

Manfred Thesing
Vorsitzender des Katholikenrates
21. August 2007

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