Zum Krieg im Gaza-Streifen

Stellungnahme des Katholikenrats

Eine stündlich wachsende Zahl von Toten, Tausende im Lande auf der Flucht, Zerstörung von Infrastruktur, Wohnungen, Schulen, Versorgungsengpässe, Zusammenbruch der ärztlichen Versorgung - sowohl der "Alltags"-Versorgung als auch der Verwundetenversorgung -, all das sind Beschreibungen, die einen Krieg kennzeichnen. Aktuell und medienpräsent erleben wir derzeit den Krieg zwischen der israelischen Armee und Kriegern der Hamas-Bewegung.

Jenseits aller Frage nach Schuld, jenseits der (kindlichen) Frage: "Wer hat angefangen?", jenseits der Frage, welche Interessen Verbündete und so genannte Freunde auf beiden Seiten verfolgen, müssen wir feststellen:

Man redet nicht miteinander.

Der Abschuss von Kassam-Raketen auf Israel und die Bombardierungen im Gazastreifen sind nur das derzeitige Ende einer langen Reihe von versäumten Möglichkeiten des Ausgleichs zwischen Israelis und Palästinensern. Die Kommunikation zwischen den Anführern der feindlichen Lager ist zusammengebrochen, Bemühungen der UN und anderer werden ignoriert. Ausbaden müssen das die Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als endlich in Frieden leben zu können.

Die israelische Friedensbewegung hat sehr deutlich die Folgen dieser Auseinandersetzung formuliert: Gush Shalom, deren Mitglied u.a. der Träger des alternativen Friedensnobelpreises Uri Avnery ist, schreibt:

"Der Angriff, der den Hass bereits vertieft hat, wird

  • die ganze zivilisierte Welt gegen uns aufbringen,
  • in der gesamten Region eine neue Generation heranzüchten, die den Staat Israel noch mehr hasst,
  • den Einfluss von Hamas vergrößern,
  • die Position der friedliebenden Palästinenser weiter untergraben,
  • die palästinensische Einheit, ohne die es keinen Frieden geben kann, verhindern."

Der Katholikenrat im Bistum Trier unterstützt Gush Shalom bei der Forderung nach einer sofortigen Beendigung der Gewaltaktion beider Seiten, nach Öffnung der Grenzen und Aufhebung der faktischen Blockade gegen die 1,5 Millionen Menschen im Gazastreifen. Ebenso unterstützen wir die Forderung nach einem Dialog zwischen der israelischen Regierung und der Hamas. Ohne eine Beteiligung der Hamas sind alle Verhandlungen und Abmachungen sinnlos. Es muss anerkannt werden, dass "Hamas ein integraler Bestandteil der palästinensischen Gesellschaft und des palästinensischen politischen Systems (ist)", so Gush Shalom.

Der Katholikenrat im Bistum Trier fordert die Bundesregierung und die EU auf, sich weiterhin verstärkt für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten einzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Zivilbevölkerung geschützt wird und insbesondere Kinder, Frauen, Alte und Kranke in Sicherheit gebracht werden.

Was können wir darüber hinaus derzeit tun?

Angesichts der Verbohrtheit der Führer auf beiden Seiten sollten wir Christen z.B. durch Mahnwachen und durch Friedensgebete immer wieder auf die Folgen eines Krieges für die Menschen und auf die Sinnlosigkeit von Gewalt und Gegengewalt hinweisen. Vor allem aber sollten wir die Hoffnung, die uns unser christlicher Glaube und unsere jüdischen Wurzeln aufzeigt, benennen. So sagt uns der Prophet Jesaja in seiner Vision über Juda und Jerusalem, in der uralten Vision vom Frieden in Israel, im heutigen Heiligen Land der Juden, Christen und Muslime:

"Er (der Herr) spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn."

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