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Bistum Trier: Geschichte
Aufstieg im Hochmittelalter


Die Teilungen des Reiches Karls des Großen zerrissen vorübergehend die Kirchenprovinz, brachten vor allem aber Trier in eine Randlage. Damit konnte es seine Ansprüche auf einen Primat praktisch nicht durchsetzen: weder über Gallien, d.h. das Westreich, noch über Germanien, d.h. das Ostreich, noch gar über das spätere Römische Reich Deutscher Nation. Die Bischöfe von Mainz und Köln erhielten beispielsweise den Vorrang, wenn es um die Salbung und Krönung des Königs ging.

Dem Reich gehörte Trier endgültig seit 925 an. Seit ca. 900 wuchs aber durch königliche Schenkungen der Bischofsbesitz, zunächst um Trier, dann aber auch (seit 1018) um Koblenz. Damit wurde das „Bistum“ oder Erzstift zum inneren Kern der Diözese, die vom französisch-sprechenden Gebiet an der Maas (später ca. 130 Pfarreien) bis weit ins Herz Deutschlands reichte. Die Diözese wurde so zur Brücke von West nach Ost, über die viele geistige Strömungen und kulturelle Bewegungen von Frankreich nach Deutschland transportiert wurden (u.a. Romanik, Zisterzienser, Entwicklungen des Kirchenrechts, die Bewegung der Waldenser, Gotik).

Nach der Beseitigung der Normannenschäden (erst 955 wird die Südkirche der Domanlage neu geweiht) gewinnt die Bistumsgeschichte in Bischof Egbert (977-993) ihren ersten neuen Höhepunkt. Mit der Gründung eines Benediktinerklosters an der Grabstätte der frühen Trierer Bischöfe griff er bewusst die alte Bedeutung Triers auf. Egbert siedelte Künstlerwerkstätten an, die kostbare Reliquiare (Behältnisse) für die symbolträchtigen Heiligtümer Heiliger Nagel, Petrusstab, Andreasreliquien schufen. Er pflegte liturgische Parallelen zu Rom und stand sicher hinter den literarischen Erzeugnissen seiner Zeit, die den Titel Triers als „Roma secunda (Zweites Rom)“, der 965 erstmals auftaucht, unterstützen sollten. Eine bedeutende Schreibschule (biblische und liturgische Handschriften heute in Trier, Berlin, Cividale, Strahow, Manchester), die Ausschmückung des Domes, die Umformung des Domkapitels und die Unterstützung für den Reichskirchenplan der Ottonen (König Otto II. 973-983 und Otto III. 983-1002) unterstrichen diesen Anspruch.

Unter Bischof Poppo von Babenberg (1016-1047) begann der Aufbau der mächtigen Ostfassade des heutigen Domes, der seit 882 nur in Teilen überdauert hatte. Der heilige Einsiedler Simeon ließ sich in der Porta Nigra nieder; nach Simeons Tod begann Poppo, das römische Stadttor in eine mehrstöckige Stiftskirche zu verwandeln.

Die folgenden drei Jahrhunderte sehen Stadt und Bistum unter dem zunehmenden Einfluss der Grafen von Luxemburg und der Pfalzgrafen. Sie erheben Anspruch auf die Abtei St. Maximin, noch immer eine der besitzstärksten des Reiches; sie versuchen, ihre Kandidaten bei den Bischofswahlen durchzusetzen. Die im Reichsdienst tätigen Trierer Erzbischöfe begleiten die Könige auf ihren Italienzügen und werden in die teilweise blutigen Auseinandersetzungen der Parteiungen und Koalitionen des Reiches hineingezogen. Daran ändert sich zunächst auch nichts, als der Pfalzgraf 1198 auf die letzten Reste der Vogtei (gerichtliche Oberhoheit) über das Bistum verzichtet und Erzbischof Johann I. (1189-1212) Gelegenheit gibt, mit einer Sicherung des Bischofsbesitzes zu beginnen, der bis weit über Erzbischof Balduin hinausreichen wird.

Der Bistumsstreit von 1183-1189 nach einer Bischofs-Doppelwahl erschütterte das kirchliche Leben aufs Tiefste. Die heilige Hildegard von Bingen nahm sie zum Anlass für engagierte prophetische Mahnungen. Vielleicht blühte das geistliche Leben gerade wegen des Streites auf: Die Benediktinerabteien der Frühzeit waren durch Neugründungen in Trier (St. Eucharius), Tholey und Laach ergänzt worden. Springiersbach war schon seit Beginn des 12. Jahrhunderts Ausgangspunkt einer weit tragenden Reform der Chorherrenstifte, Prämonstratenser lassen sich in Wadgassen, Rommesdorf, Sayn und Arnstein nieder. Himmerod ist eine der ersten Zisterzienserabteien in Deutschland, und auch die Trierer Klöster der Bettelorden (Dominikaner und Franziskaner) gehören zu den ganz frühen Gründungen auf deutschem Boden.

Zu den wichtigeren Erzbischöfen jener Zeit dürfte Theoderich II. von Wied (1212-1242) zu zählen sein, der die kirchliche und weltliche Verwaltung von Diözese und Bistum entscheidend prägte. Im 13. Jahrhundert wurde es üblich, dass das Domkapitel den Bischof wählt; das trug seine Früchte erstmals mit der Wahl des bedeutendsten Trierer Erzbischofs des Mittelalters: Balduin (1307-1354) stammte aus der Luxemburger Grafenfamilie, war Bruder des deutschen Königs Heinrich VII. und Großonkel Karls IV. Unter seinem Einfluss entstand das Kollegium der sieben Kurfürsten zur Wahl des deutschen Königs (Goldene Bulle 1356). Balduin sicherte das Bistum durch eine gezielte Erwerbs-, Finanz- und Burgenpolitik. Über seine Strukturmaßnahmen (Einteilung in ein „Oberstift“ um Trier und ein „Unterstift“ um Koblenz) ist keiner seiner Nachfolger mehr wesentlich hinausgegangen. Erzbischof Balduin von Luxemburg prägte seine Diözese auch durch die wichtige Synode von 1310.

Unter den Nachfolgern aus den Adelsfamilien Saarbrücken, Falkenstein und Baden konnte das hohe Niveau nicht gehalten werden, zumal es 1430 - 1439 nach einer weiteren Doppelwahl zur sogenannten „Bistumsfehde“ kam. Dennoch ging eine der Reformbewegungen der deutschen Benediktiner von Trier aus; 1473 wurde die Universität gegründet. Eine Reihe bedeutender Kollegialstifte gemeinsam lebender Kleriker (u.a. St. Simeon und St. Paulin in Trier, St. Kastor und St. Florin in Koblenz, solche in Boppard, Oberwesel und St. Goar, Münstermaifeld, Karden, Prüm) und das Chorherrenstift Eberhardsklausen pflegten Wissenschaft, Liturgie und Frömmigkeit.


 
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