Montag, 14. April 2014

Anklagen, verbessern, Stellung beziehen

Museum am Dom zeigt Positionen von Jiři Keuthen

Weihbischof Jörg Michael Peters eröffnet die Ausstellung "Der Mensch braucht Haltung. Positionen von Jiři Keuthen."

Trier – 2007 ist Jiři Keuthen gestorben. Seine Positionen leben weiter dank der Kunstwerke, die er geschaffen hat. „Wenn ich mir Jiřis Bilder ansehe und seine Texte lese, dann sehe ich dort Jiři, wie er mit mir spricht“, sagte Michael Dieckmann am 11. April zur Eröffnung der Ausstellung „Der Mensch braucht Haltung. Positionen von Jiři Keuthen“ im Trierer Museum am Dom.

Dieckmann skizzierte den Lebensweg seines stets suchenden und unruhigen Freundes aus Goch am Niederrhein. Er erinnerte an Keuthen, der wegzog, sich nicht bloß künstlerisch ausprobierte, als Pfleger in der Psychiatrie arbeitete und später mitsamt der Familie „ins Irrenhaus zog“. Gemeinsam mit Dieckmann realisierte er dort eine Malschule für Menschen mit psychischen Erkrankungen und leitete sie auch. „Er war für mich ein großer Künstler, ein großer Maler. Er nutzte seine künstlerische Arbeit als Kommunikationsmittel.“ Er habe keine schöne Kunst gesucht, „er wollte kommunizieren, anklagen, verbessern, er wollte Haltung bewahren und Stellung beziehen“. Heike Krüger hat den Künstler nie kennen gelernt. Trotzdem ist er ihr so nahe gekommen, dass sie seinen Nachlass in der Koblenzer „Krüger contemporary art und projects“ in Ehren hält. In Zusammenarbeit mit ihrer Galerie ist die Ausstellung in Trier aufgebaut worden. Sie berichtete von ihrer ersten „Begegnung“ mit dem Künstler und ging auf die Wirkung verschiedener Werke ein. „Nun sitze ich da, mit Deinen Katalogen auf den Knien. Schon nach den ersten Seiten – ein flüchtiger Blickkontakt zu Dir – für immer bindend. Andächtig lausche ich Deinem sprudelnden Ich. Du entspringst Deinen Bildern wie ein erquickender, lebendiger Quell. Eintauchen in tiefe Gründe, Informationsflut, ein Meer aus Botschaften, Bild- und Textaufgaben, verschlüsseltes, verborgenes. Ich werfe meine Netze aus…“

Museumsdirektor Markus Groß-Morgen begrüßte die Gäste vor dem Triptychon, das der Ausstellung den Titel gegeben hat. „Das war eines seiner ersten Werke, das ich im Original gesehen habe. Dieses Bild hat mich fasziniert.“ Er zitiere gerne Franz Joseph van der Grinten, einen Freund Keuthens, der so treffend formuliert habe: „Dass er bis ins Schmerzhafte und bis zu bitterem Humor ein Mitempfindender war, erfährt seine Adelung in seiner so unmittelbaren, so impulsiven, so gefühligen und zugleich beherrschten Malerei. In ihr gibt er Reichtum aus, seinen eigenen, ihm gegebenen und ihm innewohnenden.“ Weihbischof Jörg Michael Peters eröffnete die Ausstellung. Er komme gerade von Exerzitien, „und noch bevor ich Menschen begrüßen konnte, stand ich vor dem Triptychon. Da musste ich hinschauen“. Peters Gedanken: „Aufrecht gehen dürfen. Ein Mensch, der sich aufschwingen will. Hunger nach Freiheit. Innere Not.“ Jiři Keuthen sei kein „Ausgeflippter“ gewesen, „sondern einer, der viel mit anderen geteilt hat“, der in der Lage war, zu reflektieren, nach ethischen Grundsätzen zu suchen und sie zu formulieren. Mitglieder des Trierer Ensembles BewegGrund – ein Tanzprojekt für Menschen mit und ohne Behinderung – zeigten ausdrucksstark, worum es Keuthen zeitlebens auch ging. Dieckmann brachte es auf den Punkt: „Jiřis Arbeit förderte wesentlich die Integration und den Abbau von Stigmatisierung, indem er die integrierende Kraft künstlerischen Wirkens nutzte.“ Die Ausstellung „Der Mensch braucht Haltung“ ist bis zum 14. September im Museum am Dom zu sehen. Weitere Informationen: www.museum-am-dom-trier.de