Bistum Trier
Montag, 8. Mai 2017

Als Familie herausgerufen

Heilig-Rock-Tage: Groß und Klein ist unterwegs beim ersten Familientag

Musikalisch stimmen sich die Familien am Startpunkt St. Paulin auf den gemeinsamen Pilgerweg ein.

Trier – „Gott, Gott, Gott geht mit, worauf du dich verlassen kannst.“ Mit dieser musikalischen Versicherung haben sich am 7. Mai Familien auf den Weg gemacht. Von St. Matthias und St. Paulin aus pilgerten insgesamt 130 Erwachsene und Kinder zum Trierer Dom und feierten gemeinsam den ersten bunten, vielfältigen und fröhlichen Familientag im Rahmen der Heilig-Rock-Tage.

Die sechsjährige Amellie und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Klara lassen sich die letzten Bissen ihrer Schokobrötchen sichtlich schmecken. Dann noch schnell die Münder abgewischt, und schon geht es mit erwartungsvollen, leuchtenden Augen los. Was es mit Pilgern auf sich hat, wissen die beiden Mädels natürlich noch nicht. Aber Mama und Papa haben von einem bunten Programm beim Familientag in Trier erzählt. Darauf freut sich die ganze Familie Fox, die sich schon früh hat „herausrufen lassen“. Schließlich wollten sie aus Remagen pünktlich zum Start der Wallfahrt in St. Paulin sein. Klar also, dass sich die jungen Damen vor dem Marsch erst noch stärken müssen.

Per Bus kommt die mit 40 Personen größte angemeldete Gruppe aus Völklingen an, trifft zusammen mit Familien aus Wadgassen, Dillingen und Irmenach. Für viele ist es die erste Wallfahrt, die sie erleben. „Aber ich wandere gerne, deshalb wird es bestimmt gut“, meint der achtjährige Tobias Meeth aus Völklingen, der sich vor allem schönes Wetter wünscht für den Tag. Erwachsene und Kinder sind bestens gerüstet und vorsorglich wetterfest gekleidet. Voller Vorfreude lassen sie sich von Aloys Perling und Gregor Burgard, zwei der insgesamt acht geistlichen Wegbegleiter, musikalisch einstimmen und nehmen die vier Etappen des ökumenischen Pilgerweges unter ihre Füße.

Schon lange seien immer wieder Menschen unterwegs im Vertrauen auf Gott, berichtet Aloys Perling bei der ersten Statio im Schlosspark in Kürenz. Einer der ersten Pilger, der sich herausrufen ließ, war Abraham, der auf den Anruf Gottes mit seiner Familie sein Land verließ und in das Land ging, das Gott ihm zeigte. Später im Caspar-Olevian-Saal der Evangelischen Kirchengemeinde Trier geht es um einen anderen Mann, der sich herausrufen und von Gott anrufen ließ, wie Pfarrerin Wiebke Dankowski erzählt. Als er in Lebensgefahr geraten sei, habe der gebürtige Trierer Bäckerssohn Caspar Olevian Gott im Falle seiner Rettung versprochen, seine Karriere als Jurist aufzugeben und Gott zu dienen. Auch als er als Prediger ins Gefängnis gekommen sei, habe er auf Gott vertraut und sei gerettet worden. In Erinnerung an einzelne Lebensstationen Olevians füllen die Kinder Stoffsäckchen mit Keks, Stein und einem Mut machenden Bibelvers.

Inzwischen sind auch die beiden Pilgergruppen, die in St. Matthias gestartet sind, an der Basilika angekommen. „Wir haben unterwegs Ostereier gesammelt und Glocken geläutet“, berichtet der dreieinhalbjährige David begeistert. Familie Benzschawel-Wagner ist zwar ohne andere Familien als Begleiter unterwegs, findet den Tag aber trotzdem in seiner Organisation und Gestaltung rundum gelungen. Zu diesem guten Gesamteindruck tragen besonders die geistlichen Wegbegleiter und der Besucherdienst des Bistums, die Frauen der evangelischen Gemeinde sowie Erzieherinnen und Elternbeirat der katholischen Kindertagesstätte Liebfrauen bei. Vor allem die selbstgebackenen Kuchen finden begeisterte Abnehmer, denn schließlich macht Pilgern ja ordentlich hungrig.

Neben der leiblichen Stärkung gibt es am Nachmittag ein abwechslungsreiches und volles Programm. Bastelangebote, offenes Singen, Musiktheater mit dem Chapiteau-Theater und „König Wackelturm von Babylon“ sowie das Mitmach-Musical mit Eddi Zauberfinger, bei dem die Kinder eine abenteuerliche Reise unternehmen, finden regen Zuspruch.

Ihre Eindrücke bringen die großen und kleinen Pilger mit in den Abschlussgottesdienst. Bischof Stephan Ackermann erfährt im Gespräch mit den Kindern auf der Altarinsel von all den Erlebnissen des Tages zwischen frohem Fußmarsch, Besteigung der Porta Nigra und sintflutartigem Regenschauer. Tatkräftige Unterstützung erhält der Bischof sowohl durch eine Schar von Messdienern als auch beim Erklären des Tagesevangeliums vom guten Hirten. Anna, Tobias und Jonas machen im Gespräch deutlich, dass sie gut zugehört und auch verstanden haben, was Jesus meint, wenn er von sich als dem guten Hirten spricht. Er habe das verlorene Schaf zurückgeholt zu den anderen. Und an der Art und Weise, wie er mit ihnen spreche, wissen die Tiere, dass der Hirte es gut mit ihnen meint. „Es ist also nicht nur wichtig, was wir sagen, sondern wie wir es sagen“, erklärt Bischof Ackermann den Kindern. Mit dem Gang zur Heiltumskammer und dem Schrein des Heiligen Rocks endet dieser erste Familientag bei den Heilig-Rock-Tagen.

„Richtig toll!“, kommentiert Tobias nach dem Gottesdienst mit leuchtenden Augen das Erlebte. Bruder Matthias, Mama Tanja, Papa Micha und Oma Uschi nicken. „Alles war prima. Der Tag sehr schön organisiert“, lobt die ganze Familie Meeth, und Tobias kündigt schon mal an: „Wir sind nächstes Jahr bestimmt wieder dabei.“

(red)

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