Bistum Trier
Mittwoch, 6. September 2017

Auch die Kirche in der Pflicht

Fachstelle Kinder- und Jugendschutz: Kriminologe klärt über Cybergrooming auf

Trier – Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger (@TGRuediger) hat beim fünften Fachnetzwerk Prävention am 5. September im Robert Schuman-Haus in Trier über die Risiken für Kinder und Jugendliche im digitalen Raum aufgeklärt. Wie sich sexueller Missbrauch von Kindern im Netz anbahnt, was man gegen das sogenannte Cybergrooming tun kann und welche Rolle dabei die digitale Selbstdarstellung spielt, waren Schwerpunkte seines Vortrags. In einem Interview sagte Rüdiger, er sehe die Kirche als relevanten Player, wenn es um die Prävention digitaler Sexualdelikte gehe. Die Fachstelle Kinder- und Jugendschutz im Bistum Trier hatte zu der Veranstaltung eingeladen.

Großes Risiko: Online-Spiele

Rüdiger nannte Cybergrooming eines der „Grundübel im digitalen Raum“. Er selbst gehe davon aus, dass fast alle Kinder, die ganz normal mit dem Internet aufwachsen, in irgendeiner Form damit konfrontiert würden. Vor allem Onlinespiele stellten ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. „Die sehen zwar häufig kindgerecht aus, die Altersstufe ist auch gering – dadurch entsteht aber oftmals eine Verharmlosungstendenz. Dass aber hinter der süßen Plüschfigur im spiel-internen Chat ein Straftäter stecken könnte – diese Gefahr ist vielen nicht bewusst“, sagt Rüdiger. Er sieht Eltern und Gesellschaft in der Verantwortung. Eltern bräuchten eine Informationshoheit ihren Kindern gegenüber. „Das bedeutet, dass sie die sozialen Medien selber nutzen, dass sie sich auch mal in den Onlinespielen ihrer Kinder anmelden und anschauen, was da passiert.“ Dass Eltern zeigten, „dass sie Ahnung haben, ihr Wissen vermitteln - und dass sie über die Risiken sprechen“, sei der beste Schutz.

Wie präsentierst du dich im Internet?

Gleichzeitig machte Rüdiger auf die Rolle der digitalen Selbstdarstellung aufmerksam und warnte davor, wenn Eltern sich und ihre Kinder unbedacht im Netz präsentierten. Damit steige seiner Meinung nach die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche irgendwann selbst Posing- oder Nacktfotos von sich veröffentlichten – dem Vorbild mancher YouTube-Stars folgend, die damit Geld verdienten. „Die Kinder präsentieren sich und sind damit auch Angriffspunkte für Sexualtäter.“ Von der Gesellschaft wünschte sich Rüdiger indes „ein Schutzsystem für den digitalen Raum wie im Straßenverkehr“ mit einem Rechtsrahmen, der durch die Sicherheitsbehörden kontrolliert wird, einem Jugendmedienschutz und mit Medienkompetenzunterricht in Kindergärten und Schulen.

Der Cyberkriminologe nahm auch die Kirche in die Pflicht, sich für einen sicheren digitalen Raum einzusetzen und aktiv auf die Zustände im Netz hinzuweisen, damit sich etwas ändert. Rüdiger forderte, dass die Kirche, allen voran die Pfarrer, aktiver im Netz agierten und mitbekämen „was abgeht“ in der digitalen Welt. „Wenn Kinder oder Jugendliche sehen, dass ihr Pfarrer online ist, dann sind sie vielleicht eher bereit, mit Problemen im digitalen Umfeld auch zu den Pfarrern oder Kirchenmitarbeitern zu kommen.“ Gerade in der kirchlichen Jugendarbeit sei es wichtig, dass man über Risiken spreche, aufkläre und Medienkompetenz vermittle.

Das gesamte Interview Thomas-Gabriel Rüdiger

lb

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