Bistum Trier
Donnerstag, 2. November 2017

Auf Augenhöhe

Evangelische und katholische Christen feiern gemeinsam in Bad Neuenahr

Bad Neuenahr – Eine Schiedsrichterin, zwei konfessionsgemischte Teams, sechs Haupt- und sechs Ehrenamtliche, 63 Einzelteile und ein Ziel: Die Holzkirche als erstes fertig aufgebaut zu haben. Die Aktion war ein Highlight des Reformationsfestes in Bad Neuenahr, das von der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler und von der evangelischen Kirchengemeinde organisiert wurde. Am 31. Oktober waren zahlreiche Besucher auf der Kurgartenbrücke mitten in der Stadt zu einem ökumenischen Bürgerfest unter dem Motto „Brückenschlag im Glauben. Gemeinsam leben – gemeinsam glauben“ zusammengekommen.

Etwa ein Jahr liefen die Planungen für die ökumenische Feier vor der evangelischen Martin-Luther-Kirche und in der Nachbarschaft der katholischen Rosenkranzkirche. „Der Heilige Geist hat mich dazu gebracht, ihn anzurufen“, erklärte der evangelische Pastor Thomas Rheindorf den Anfang der Zusammenarbeit. Angerufen hatte er Dr. Thomas Peter Fößel, den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates der Rosenkranzpfarrei. „Ich war direkt begeistert von dem großartigen Angebot, dass wir Katholiken nicht nur Ehrengast sein würden, sondern als Mitgastgeber auftreten. Ich war davon sehr angerührt“, berichtete Fößel vom ersten Kontakt. Daraufhin habe er mit dem Pfarreienrat gesprochen und war dort auf eine durchgängig positive Resonanz gestoßen. „Ziel war von Anfang an eine Feier auf Augenhöhe in einer säkularisierten Welt“, erklärte Rheindorf.

Im Vorfeld absolvierte Rheindorf eine Art Tournee, wie er es in einem Vorgespräch selbst nannte: In den katholischen Kirchen hielt er mit den dortigen Pfarrern Dialogpredigten. Auch Fößel war in Gemeinden unterwegs und berichtete dort vom Gedanken eines gemeinsamen Tages. Die intensive Vorbereitung habe beide Seiten auch dazu angeregt, Thesen, die für die aktuelle Zeit wichtig erscheinen, zu veröffentlichen. „Wir wollten keinen Reprint der 95 Thesen von Luther“, erklärte Rheindorf. 9,5 Thesen seien es letztendlich geworden, die eine Schnittmenge der evangelischen und katholischen Gemeinden zeigen. In einer gemeinsamen Sitzung des Pfarreienrates und des Presbyteriums wurden die Thesen einstimmig verabschiedet. „Solch eine Sitzung fand zum ersten Mal statt“, hob Rheindorf hervor. Ein schöner Effekt der intensiven Zusammenarbeit sei auch, dass er nun viel mehr Menschen kenne, freute sich Fößel. Eröffnet wurde der Tag mit einem Festgottesdienst, der in der katholischen Rosenkranzkirche mit einem ökumenischen Taufgedächtnis begann und in der Martin-Luther-Kirche endete. Zwischen den beiden Kirchen bildete sich eine Menschenkette. Neben dem actionreichen Kirchenaufbau, gab es noch die Versteigerung von Kunstprojekten, einen Bläserchorauftritt, ein mittelalterliches Lager und Unterhaltung wie Spiele, Mitmachaktionen, einen Bücherflohmarkt und Luther-Bier. „Wir wollen konkret vor Ort etwas zeigen. Doch das Fest soll keinen Eventcharakter haben, sondern ein Bewusstsein schaffen“, betonte Rheindorf im Blick auf das vielfältige Programm.

Jetzt sollen die Überlegungen bezüglich eines ökumenischen Projekts zur Bekämpfung von Armut weiter fortgeführt werden. In der Innenstadt soll eine Anlaufstelle mit Suppenküche, Beratungszentrum und Wärmestube entstehen. „Wir wollen etwas für die Menschen tun, bei denen Jesus auch war“, erklärte Rheindorf. Um dieses Unterfangen voran zu treiben, ging der Gesamterlös des Fest an das Projekt „Treffpunkt: Kerit“ (Kommunizieren, engagieren, Rat geben, innehalten, tun).

 Beim Kirchenaufbau gewonnen hat übrigens das Team der Ehrenamtlichen. Eine Holzkirche wird in der evangelischen Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Bad Neuenahr ihre neue Heimat finden und die andere wird in der integrativen Kindertagesstätte St. Hildegard der Caritas in Bachem aufgestellt. (jf)

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