Bistum Trier
Mittwoch, 30. September 2015

Der ehrbare Kaufmann sollte das Vorbild sein

„Lunch Lecture“ thematisiert Wertevermittlung bei Ausbildung von Führungskräften

 

Koblenz – Finanzkrise, Betrug bei Volkswagen um Abgaswerte, Hedgefonds, die ganze Volkswirtschaften in die Enge treiben: Das Bild, das viele Menschen von der Wirtschaft haben, ist nicht gerade positiv. Dass die soziale Marktwirtschaft nur dann funktionieren kann, wenn die Bürger Vertrauen in sie haben, war Thema der „Koblenzer Lunch Lecture“ am 29. September. Professor Dr. Michael Frenkel, Prorektor an der Vallendarer Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) referierte darüber, wie die Hochschule in Aus- und Weiterbildung ihren Studenten Werte vermittelt. Zu der Reihe „Lunch Lecture“ laden regelmäßig der Themenschwerpunkt Arbeit im Bistum Trier in Kooperation mit dem Bund Katholischer Unternehmer (BKU) ins Gastronomische Bildungszentrum nach Koblenz ein. Die Verbindung von Mittagessen und Vortrag sei eine angelsächsische Tradition, erklärte Thomas Berenz vom Schwerpunkt Arbeit im Bistum Trier. Es gehe darum, im wahrsten Wortsinn über den „Tellerrand hinaus“ zu blicken und Unternehmer, Selbstständige, Arbeitnehmer und Führungskräfte miteinander ins Gespräch zu bringen.

Frenkel zeigte sich in seinem Vortrag davon überzeugt, dass sich das Handeln der Führungskräfte an ethischen Wertmaßstäben orientieren muss, um langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. „Dies sieht man sowohl beispielsweise an der Umweltproblematik als auch an der Finanzkrise“, betonte der 61-jährige Wirtschaftswissenschaftler. Deshalb sei es selbstverständlich, dass auch die WHU ihren Studenten ethische Werte lehre. Doch welche Werte sollen es sein? Der in Offenbach am Main geborene Ökonom griff dabei vor allem auf das Bild des ehrbaren Kaufmanns zurück, für dessen Handeln Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Respekt und Fairness unverrückbare Koordinaten seien. „Die Menschen sehnen sich nach Aufrichtigkeit und Wahrheit, und uns wäre gerade in jüngerer Vergangenheit vieles erspart geblieben, wenn die Handelnden ehrlich gewesen wären“, sagte Michael Frenkel mit Blick auf den VW-Skandal.

Aber wie kann eine Universität Werte vermitteln? Nach Auffassung von Michael Frenkel geschieht dies auf zwei Ebenen, einerseits explizit, indem man diese Werte zum Thema der Vorlesung macht. Allerdings sei dies nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sei das Leben der Werte im universitären Alltag. Dazu zähle vorweg, dass die Lehrenden sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein müssten. „Denn wenn Sie als Lehrende einen Fehler in dieser Hinsicht machen, dann sagen die Studenten natürlich, wenn die das dürfen, dürfen wir das auch“, so Michael Frenkel. Um moralische Werte als Maßstab des Handels zu etablieren, hat die WHU einen eigenen Verhaltenscodex, den „Code of Conduct“ kreiert. Dazu zählt unter anderem ein respektvoller Umgang untereinander, der die Achtung aller Studenten unabhängig von persönlichen Merkmalen oder Eigenschaften wie Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Nationalität, Alter oder Sozialstatus einschließt. „Dieser Code of Conduct ist wie eine WHU-Klammer, die beim gegenseitigen Grüßen beginnt und bis hin zu flachen Hierarchien geht“, so Michael Frenkel. Und sollte gegen diesen Codex verstoßen werden, dann könne die Leitung der WHU auch einen Studenten von der Hochschule verweisen. Beim anschließenden Mittagessen konnten sich die rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer austauschen – im Sinne der Veranstaltung über den Tellerrand hinweg.

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