Bistum Trier
Samstag, 31. Dezember 2016

Die Freiheit der Kinder Gottes

Synode ermöglicht neue Perspektiven und Chancen für ein Leben aus dem Glauben

Trier – Die Synode mit ihren Beschlüssen will der Kirche und den Gläubigen im Bistum Trier neue Perspektiven und Räume eröffnen; sie will „erinnern an die Freiheit der Kinder Gottes“. Mit Blick auf die Umsetzung der Synodenergebnisse hat Bischof Dr. Stephan Ackermann in seiner Predigt an Silvester (31. Dezember) im Trierer Dom daher „Erlaubnisse“ formuliert, statt Forderungen zu stellen oder zu appellieren. Dieser Zugang entspreche dem Grundverständnis der Synode.

Damit wolle er nicht behaupten, dass es einfach sei, sich die von ihm vorgeschlagenen Handlungen und Haltung zu eigen zu machen, sagte der Bischof. Geschenkte Freiheiten seien nämlich in der Regel anspruchsvoll, wenn sie verantwortlich ergriffen werden. Niemals zuvor hätten Menschen sich in einer solchen Freiheit wie heute für oder gegen den Glauben und gegen oder für die Kirche entscheiden können – laut Ackermann eine „privilegierte Situation“: „Wir müssen nicht, wir dürfen glauben!“

Gefühl der Fragmentierung

Der Bischof erinnerte daran, dass viele Menschen im Abschlussdokument der Trierer Synode neue Perspektiven und Chancen für ein Leben aus dem Glauben sehen. Doch es gebe auch kritische Stimmen; sie bezweifelten weniger die Situationsanalyse als vielmehr die Vorschläge zur Lösung. Dies gerade mit Blick auf den (dritten) Perspektivwechsel, der weite pastorale Räume und damit eine „Neugestaltung des christlichen Lebens in den Pfarreien der Zukunft“ vorsieht.

Ackermann betonte, er könne die Trauer über den Wegfall der volkskirchlichen Strukturen nachvollziehen, durch die viele Menschen sich in einem „großen Lebenszusammenhang“ gehalten wussten. Dieses „Lebensgefühl einer spürbaren Einheit“ sei den Älteren wie auch den Jüngeren abhanden gekommen. Das sei jedoch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, sagte er; dabei verwies der Bischof auf die andauernden Diskussionen um gemeinsame Werte, auf die Frage nach den Wurzeln des Zusammenlebens, nach der Einheit in einer Gesellschaft. Sie alle seien „Ausdruck für das Gefühl einer starken Fragmentierung im Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft“.

Als Kirche nicht allein zu stehen mit dieser Erfahrung, könne beruhigen; es nehme aber nicht die Herausforderung: „Wenn Menschen die innere Orientierung verlieren und sich unbeheimatet fühlen und deshalb vor allem Zuflucht suchen in realen oder virtuellen Zirkeln von Gleichgesinnten, dann wird dies über kurz oder lang für das Zusammenleben problematisch.“  

Trauern, Abschied nehmen, Neues entdecken

Die Synode ermögliche, trauern zu dürfen, Abschied zu nehmen und dadurch Neues zu entdecken. Sicher vermisse niemand „Enge, Mief und Scheinheiligkeit“, die es in der Volkskirche auch gab. Doch Ackermann erinnerte auch an die dichte seelsorgliche Nähe, an eine wertorientierte Erziehung auf breiter Ebene, an den Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, etwa durch politisch engagierte Christen, und an das große sozial-karitative Engagement der Kirchen. Wer sich die Trauer eingestehe, ermögliche Neues.

Abschied zu nehmen bedeute nicht, Dinge „mutwillig zu beenden oder gar zu zerstören“. Vielmehr gehe es um Abwägung und Beratung; es gehe darum, keine Energie mehr in Dinge zu investieren, die viele Jahre wichtig und berechtigt waren, jetzt aber keine Zukunft mehr haben. Ackermann bezog sich damit nicht nur auf Veranstaltungen, Gruppierungen oder Gebäude, sondern auch auf bestimmte Vorstellungen, die „ungesunden Druck auf uns ausüben“. Er betonte, für die notwendigen Abschiede dürfe man sich Zeit nehmen. Andere Generationen hätten ihre kirchliche Beheimatung etwa aufgrund von Katastrophen, Revolution oder Kriegen verloren; anders als sie sei die heutige Generation vielleicht die erste, die eine friedliche tiefgreifende Umwälzung der Glaubenssituation erlebe.

Neugierig und selbstbewusst sein

Der Bischof ermutigte die Gläubigen, kirchliches Leben im Sinne der Synode nicht als „Bestandserhalt“ zu sehen, sondern im Sinne der Sendung der Jünger Jesu in die Welt Neugier zu entwickeln: neugierig zu sein etwa auf die Menschen in der Umgebung, die bislang nicht im Blick waren, neugierig auch auf eine eigene neue Rolle in der Pfarrei.

Ackermann rief auch dazu auf, freimütiger als bisher von Jesus und seiner Botschaft zu sprechen. Wer in einer religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaft Jesus Christus und seine Botschaft „selbstbewusst und bescheiden zugleich“ bezeuge, leiste „einen Beitrag für unsere Gesellschaft in ihrem Wunsch nach Orientierung und ihrer Diskussion um die richtigen Werte“. Christen sollten sich auch bei ihrem Handeln davon leiten lassen; sie sollten Menschen sein, die anderen zugewandt, friedliebend und großzügig sind.

Christus ist der Retter!

Schließlich riet Bischof Ackermann zu Gelassenheit. Oft agiere die Kirche, als müsse sie die Welt retten. Dies geschehe gerade in der deutschen Kirche vielleicht auch, weil noch große personelle und materielle Ressourcen vorhanden sind. „Wenn man als Kirche selbst viele Kräfte hat, ist man leicht in der Gefahr, diese Kräfte schon für die ganze Kraft des Glaubens zu halten“.

Dabei sei doch gerade in den weihnachtlichen Tagen immer wieder die Rede von Christus als „Retter“ und „Erlöser“: „In Christus hat Gott selbst das Entscheidende für diese Welt getan, indem er unter uns Mensch geworden ist und der Welt die Liebe eingepflanzt hat, die sogar den Tod überwindet."

(JR)


Die Predigt im Wortlaut - hier zunächst online
(eine Druckausgabe wird kurzfristig erscheinen)

Zur Synoden-Umsetzung hat Bischof Stephan KNA ein Interview gegeben - Sie finden es hier.

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