Bistum Trier
Sonntag, 7. Mai 2017

Ein starkes Zeichen für die Ökumene

Erstes ökumenisches Kirchenmusikfest während der Heilig-Rock-Tage

Gemeinsam wurde der "Lobgesang" in der Konstantinbasilika zum Abschluss des Festes gesungen.

Trier – Was für ein Lobgesang - was für eine Energie, Ausdruckstiefe und Klangfülle zu Beginn beim ökumenischen Gottesdienst im Trierer Dom und zum Abschluss in der Konstantinbasilika: 1.900 evangelische und katholische Sängerinnen und Sänger, Kirchenmusiker und -musikerinnen aus 68 Chören aus dem Bistum Trier und der evangelischen Kirche im Rheinland sind am 6. Mai bei den Heilig-Rock-Tagen zusammengekommen. Gemeinsam haben sie ein Ökumenisches Kirchenmusikfest gefeiert, mit viel Fortissimo, Leidenschaft und farbenreicher Musik, was nicht nur eine akustische Dimension hatte, sondern vor allem eine religiöse. Ein starkes Zeichen für die Ökumene und ein Zeichen, das hoffentlich noch lange über das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ hinaus weiterwirkt.

Das jedenfalls hatten sich die Regional- und Dekanatskantorinnen und -kantoren rund um Matthias Balzer, Leiter der Bischöflichen Kirchenmusikschule Trier, bei der Vorbereitung gedacht. Und was für ein Bekenntnis aus 1.900 Kehlen ist daraus entstanden! Mendelssohns Symphonie-Kantate „Lobgesang“, ursprünglich aufgeführt zum 400. Jubiläum der Gutenberg‘schen Buchdruck-Erfindung, entfaltete sich in der Konstantinbasilika in einer energischen Version, der es nicht an lautstarkem Optimismus fehlte. Davor lagen Stunden voller Musik, Begegnungskonzerte in St. Paulin, Friedensgebete in der Jesuitenkirche, Workshops und die Aufführung des Jugend-Musical-Projekts  „The Voice – Hör auf die Stimme“ in St. Paulus mit dem jungen Chor der Marienburg.

"Licht - und klangreicher Tag"

Bei der morgendlichen Begrüßung im Trierer Dom hatte Bischof Ackermann den „Mitarbeitern“, wie er die Sängerinnen und Sänger wertschätzend nannte, „einen licht- und klangvollen Tag“ gewünscht, „gewürzt mit vielen guten Begegnungen.“ Das und viel mehr sei in Erfüllung gegangen, sagen Mechtild Löffler und Karin Bierhals aus St. Ingbert, die mit mehr als 30 Chorleuten vom „Canticum Novum“ im Zug angereist sind. „Dieser Tag ist perfekt organisiert. An unseren orangefarbenen Schildern erkennt uns jeder und weist den Weg, ohne dass man überhaupt danach fragen muss.“ Die Chorliteratur sei sehr gut ausgesucht und es mache Spaß, hier mit so vielen Gleichgesinnten zusammen zu singen. Zwar sei es völlig ungewohnt gewesen, im Dom Stimmen vermischt zu sitzen,  aber „es hat doch wunderbar geklungen.“ Auch mit dem Sopran neben dem Bass und neben dem Tenor, finden Gisela Herberhold und Ulrike Licht vom Evangelischen Kirchenchor Bernkastel-Kues. David Sondheimer und Rebecca Herbster vom Kinder Singkreis Saarbrücken fühlen sich an das große fünftägige Jugendchor-Fest vor zwei Jahren in Trier erinnert und wünschen sich „so bitte wieder“. Für die 11 Leute des Kirchenchores Badem ist das Programmheft „Unser Suchen nach dem Einen“ zwar „ein bisschen schwere Kost“, aber „da schlagen wir uns tapfer durch“, wie es die zweite Vorsitzende, Margit Mertes, formuliert.

Viel Lob gibt es für die Workshop-Auswahl, darunter das sehr stark besuchte Angebot „Gospels zum Mitsingen“ mit Ulrich Seibert und dem Gospelchor aus Saarbrücken. „Mit den Amerikanern der Air Base Spangdahlem singen wir oft gemeinsam Gospels“ berichten die Bademer Sänger und amüsieren sich, bei Ulrich Seibert zu lernen, dass beim Gospel der Chorleiter der einzige sein sollte, der mal in die Noten gucken kann und dass der doppelte Gospelschritt wichtig für die Performance ist. „Das Auge hört mit.“

Mit einem Gottesdienst im Dom war der Tag eröffnet worden.

Viel Resonanz auch beim Offenen Singen in der Promotionsaula und den Ausführungen von Matthias Balzer und der evangelischen Pfarrerin Wiebke Dankowski zum Einfluss Martin Luthers auf die Kirchenmusik in Deutschland und bei der „Reading Session“ von interessanter Chorliteratur mit Cindy Rink und Klaus Evers aus Bad Kreuznach. Um die Stimmbildung geht es im Workshop mit Judith Klar aus Hamburg und Helmut Bremm aus Zell, um die Chorchoreographie bei Felix Powroslo aus Berlin und um die neue Basilikaorgel und den Choral in der Orgelmusik bei Martin Bambauer.

Singen verbindet

„Für uns ist der Tag an sich ein Erlebnis“ berichtet Bianca Mollink aus Oberwesel. Sie ist mit den Sängern von „Carduelis“ und den Kirchenchören Liebfrauen und St. Martin angereist, um dieses gemeinschaftliche Miteinander zu feiern. „Ich bin die Katholische, die mit den Evangelischen zusammen im Chor singt und dann in einer katholischen Kirche auftritt und singt“, stellt sich Maria Harst von der „Hunsrück-Gospel-Family“ und der Kantorei Simmern vor. „Singen verbindet eben.“

Gut aufgestellt sei die Ökumene im Bistum Trier mit Bischof Stephan Ackermann, finden Petra Oldfield und Jutta Albrecht vom Caspar-Olevian-Chor Trier. „Trier ist ein gutes Pflaster für die Ökumene; und die steht und fällt mit gutem ‚Bodenpersonal‘.“ Man spüre die freundschaftliche Verbundenheit der Kantoren untereinander und das vernetze die Chorkultur im Bistum. „Die Premiere dieses ersten Ökumenischen Kirchenmusikfestes ist jedenfalls mehr als gelungen“, bilanziert Jutta Albrecht. Die Literatur sei zwar sehr anspruchsvolle Kost gewesen, und da hätten gerade die Evangelischen durch die Vorbereitungen auf die Konfirmation nicht so viel proben können, aber darauf sei es hier ja auch gar nicht angekommen. „Der Tag hat gezählt. Und der war ein Erlebnis. Ein starkes Zeichen für die Ökumene.“(Bilder auf heilig-rock-tage.de)

(red)

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