Bistum Trier
Montag, 19. Mai 2014

"Es geht um die Menschen"

Trier – „Es war eine der intensivsten und prägendsten Erfahrungen, die ich in meinem politischen Leben je gemacht habe.“ – „Es muss sich erstmal setzen, es war eine sehr intensive Erfahrung.“- „Das entscheidende Wort ist Würde.“ Das sind nur drei von zahlreichen Rückmeldungen, die von Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Exposure- und Dialogprogramm kamen, das die Aktion Arbeit des Bistums Trier jetzt gemeinsam mit der Kommission Justitia et Pax und dem Exposure- und Dialogprogramm e.V. durchgeführt hat.

Drei Tage lang hatten Entscheidungsträger aus Politik, Kirche und Gesellschaft mit Langzeitarbeitslosen zusammen gelebt und gearbeitet, um hautnah und mit eigenen Augen den Lebens- und Arbeitsalltag von Menschen kennenzulernen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind und sich in Beschäftigungsmaßnahmen befinden. Sie nahmen am Familienleben teil und gingen mit ihren Gastgebern in die Betriebe, die Maßnahmen für von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene anbieten. Die Arbeit reichte dabei vom Sortieren von Recycling-Korken über das Einlegen von Sägeblättern in Verkaufsbehälter bis zum Unkraut jäten und Fahrräder zerlegen. Dabei wurde den Teilnehmenden deutlich, „wie wichtig die Arbeit für die Betroffenen ist“, wie sie bei der Abschlussveranstaltung am 16. Mai in Trier übereinstimmend betonten.

Nach ihre Wahrnehmung über ihre „Gastgeber“ nach den drei Tagen gefragt, sagten die Teilnehmenden etwa: „Arbeit ist elementar; wenn man ihnen die Arbeit nimmt, schließt man sie aus der Gesellschaft aus.“ – „Über Arbeit definieren sie ihr Leben.“ -„Es  ist egal, was es ist, Hauptsache, sie haben Arbeit.“ oder „Der Wille zur Arbeit ist da, aber die Verzweiflung ist groß.“ Beeindruckt zeigten sich die Absolventen des Programms auch von der „Offenheit und dem Vertrauensvorschuss“, der ihnen von ihren Gastgebern entgegengebracht worden sei. „Am Ende kannte ich die ganze Lebensgeschichte, als wäre wir beste Freunde“, sagte ein Teilnehmer. Deutlich geworden sei auch, dass gängige Klischees über Arbeitslose  -„wollen nicht arbeiten“, „sind selber schuld“ - völlig unangebracht seien. Man müsse „viel intensiver und umfassender drauf schauen“ und die Situation jedes Einzelnen sehen, lautete der Tenor.

Auch die grundsätzliche „Zieldefinition“ der Arbeitsmarktpolitik, nämlich die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt, wurde bei den Auswertungsgesprächen kritisch und kontrovers diskutiert. Dabei rückte vor allem das Zusammenspiel der drei Akteure Wirtschaft, Bundesagentur für Arbeit mit ihren Jobcentern und Träger von  Beschäftigungsprojekten in den Mittelpunkt der Diskussionen. Er sei „zutiefst erschüttert von dem Konstrukt, das wir aufgebaut haben, ohne den Betroffenen wirklich zu helfen“, sagte etwa der Baden-Badener Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker. Er ist Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag für arbeitsmarktpolitische Instrumente und hatte an dem Exposure-Programm teilgenommen. Weitere Teilnehmende waren unter anderem die Trierer Bundestagsabgeordnete Dr. Katarina Barley (SPD) und die saarländische Landtagsabgeordnete der Linken, Heike Kugler.                                                 

Auch die immer neue Befristung der Beschäftigungsmaßnahmen, etwa auf drei oder sechs Monate, wurde kritisch gesehen. In solch kurzen Zeiträumen sei eine intensive sozialpädagogische Betreuung und Begleitung nahezu unmöglich, betonten Vertreter von Beschäftigungsprojekten.                

Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann dankte am Ende allen, die sich an Vorbereitung und Durchführung des Programms beteiligt hatten und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass dem „Pilotprojekt“ weitere Projekte dieser Art folgen. „Es geht um die Menschen“, sagte Ackermann, „das klingt schlicht, aber es ist wichtig.“

Die Aktion Arbeit im Bistum Trier fördert seit über 30 Jahren Arbeitslosenprojekte mit Spendengeldern. Politisch setzt sie sich in den letzten Jahren verstärkt für einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor für arbeitslose Menschen ein, die aufgrund „multipler Vermittlungshemmnisse realistischerweise keine Chance mehr auf Integration in den regulären Arbeitsmarkt haben“.

Exposure- und Dialogprojekte gibt es seit vielen Jahren. Bisher lag der Schwerpunkt aber auf die „Entsendung“ von Entscheidungsträgern in Länder der so genannten Dritten Welt, wo sie eine Zeitlang mit armen Menschen zusammenleben, um so ein besseres Verständnis von deren Lebenswirklichkeit zu bekommen. Nach Angaben von Hans Casel, dem Bischöflichen Beauftragten der Aktion Arbeit, war das jetzt durchgeführte Programm mit Langzeitarbeitslosen das bundesweit erste seiner Art. Dass das „Experiment“ gelungen sei, zeigten die positiven und dankbaren Rückmeldungen der Teilnehmenden, die sich auch für die „gute Vorbereitung und Organisation“ bedankten.

Weitere Informationen gibt es unter www.aktionarbeit.bistum-trier.de oder bei der Aktion Arbeit im Bistum Trier, Tel.: 0651-7105-309, E-Mail aktionarbeit(at)bgv-trier.de; Spendenkonto: Pax Bank Trier, Nr. 3001 399 011, BLZ 370 601 93.

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Zu hören sind:

Heike Kugler MdL, Nohfelden; Fraktion "Die Linke im saarländischen Landtag
Dr. Katarina Barley, Trier; SPD-Fraktion im Bundestag
Kai Whittaker, Baden-Baden; CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

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