Bistum Trier
Samstag, 15. April 2017

Glaube an Auferstehung als Arznei gegen Fanatismus

Osternacht: Bischof Ackermann predigt über Stärke der biblischen Erzählungen

Trier – Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist richtig verstanden die beste Arznei gegen Fanatismus, der aus Ideologie oder Verzweiflung entspringt. Das hat Bischof Dr. Stephan Ackermann in der Osternacht (15. April) im Trierer Dom gesagt. „Denn die Botschaft von der Auferstehung steht dafür ein, dass das Leben, so bruchstückhaft, so unfertig, ja so sinnlos es erscheinen mag, einen Sinn hat.“

Ackermann ging in seiner Predigt der Frage nach, wieso Menschen des Informationszeitalters so offen für Geschichten seien. Das liege vielleicht daran, „dass wir in einer Zeit leben, die arm ist an großen Visionen und Entwürfen“. Immer wieder werde beklagt, dass es der Politik, Europa oder der Kirche an überzeugenden Visionen fehle. Gleichzeitig seien wir kritisch, wenn Menschen behaupteten, den Plan für die Zukunft zu haben. Die Erfahrungen zeigten, wieviel Unheil Ideologen über die Welt gebracht haben, die zu wissen vorgaben, wie die wahre Welt oder die vollkommene Gesellschaft auszusehen habe. „Und wieviel Terror und Leid bringen in unseren Tagen Fanatiker über die Menschen, weil sie behaupten zu wissen, wie die richtige Gesellschaft auszusehen hat und sich dazu noch missbräuchlich auf die Autorität Gottes und die Religion berufen“, sagte der Bischof.
(Die Predigt im Wortlaut)

Die Liturgie der Osternacht, die wie keine andere im Kirchenjahr eine „Nacht des Erzählens“ sei, komme diesem Wunsch nach Geschichten entgegen. „Unser Glaube insgesamt – verwurzelt in der Glaubenstradition Israels – lebt doch wesentlich vom Erzählen, ist über die Jahrtausende hinweg eine gläubige Erzählgemeinschaft“, erklärte Ackermann - angefangen mit dem Schöpfungsbericht, der die Beziehung zwischen Gott und der Welt beschreibt, über die Verkündigung Jesu des Reiches Gottes in Gleichnissen und Bildern bis hin zur Ostergeschichte. „Der Glaube an die Auferstehung wächst durch die Geschichten, die sich die Jünger gegenseitig erzählen.“ Diese Geschichten variierten, seien persönlich gefärbt und nicht total deckungsgleich und blieben dadurch geheimnisvoll und bruchstückhaft – dieses „Unfertige und Tastende“ mache sie glaubwürdig, betonte Bischof Ackermann. „Es öffnet sie auf unser Leben hin. Denn es zeigt, dass in den kleinen Verhältnissen des menschlichen Lebens Gott gegenwärtig sein und wirken kann.“

Wer sich Gott im Glauben öffne, lasse seine Gegenwart in sein Leben einströmen und werde Teil der großen Geschichte Gottes mit der Welt. Dann seien alle Pläne und Ideale, alle Hoffnungen und Sehnsüchte, alle Enttäuschung und alles Scheitern „geöffnet auf Gott hin“. Umgekehrt, führte Ackermann aus, entstehe Bitterkeit, Resignation und Angst in den Herzen von Menschen dadurch, dass sie mit ihren Erlebnisse, Fragen und Gefühlen allein blieben. „Diese Einsamkeit macht anfällig für Gefühle des Hasses und der Gewalt gegen andere und gegen sich selbst, und sie macht verführbar für radikale Ideale, die mit Gewalt die Welt verändern wollen.“

Die Botschaft der Auferstehung hingegen zeige, dass das Leben einen Sinn habe. „Diesen Sinn muss und kann ich mir nicht selbst geben, erst recht nicht mit Gewalt. Dieser Sinn des Lebens ist Geschenk.“ Manches Mal entdeckten Menschen den Sinn hinter einer Sache erst später, wie die Jünger. „Das nennen wir Gnade. Das ist Ostern! Das ist österliches Leben hier und heute!“ Wem das geschenkt werde, solle es mit anderen teilen; dann können auch sie den Sinn sehen und neuen Mut fassen und Hoffnung schöpfen.

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