Bistum Trier
Freitag, 24. November 2017

Hilfe in der größten seelischen Not

Alltag der Krankenhausseelsorger in der Caritasklinik Saarbrücken

Saarbrücken – Pfarrer Erwin Graus und Pastoralreferent Hermann-Josef Mayers haben ihr Büro nicht in einem Pfarrhaus. Sie sind Krankenhausseelsorger in der Caritasklinik auf dem Rastpfuhl in Saarbrücken. Zusammen mit Pastoralreferentin Ursula Kaspar und ihrem Evangelischen Kollegen, Pfarrer Axel Weber, kümmern sie sich vor allem um die Patientinnen und Patienten in dem Krankenhaus.

„Unser Schwerpunkt sind die Patienten, die von ihrem seelischen Zustand her die größte Not haben“, sagt Pastoralreferent Mayers. „Unsere Aufgabe ist die seelische Betreuung dieser Patienten und ihrer Angehörigen.“ Der Kontakt zu den Patienten entsteht durch vielfältige Weise: „Wir werden von den Patienten oder Angehörigen selbst angesprochen“, erklärt Pfarrer Graus. „Aber auch durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die uns darauf hinweisen.“ Die vier Seelsorger haben sich das Krankenhaus nach Stationen aufgeteilt: Jeder übernimmt bestimmte Stationen. Die Konfession spielt dabei keine Rolle. Vorbehalte gegen „die Kirche“ seitens der Patienten beobachten sie immer mal wieder, erzählt Mayers : „Es gelingt uns aber in der Regel sehr gut, diese Vorbehalte zu relativieren, indem wir den Patienten klar machen, dass wir nicht da sind, um ihr Verhältnis zur Kirche zu beurteilen. Unser Zugang zu den Patienten ist die Krankheit und die Not und Krise, in die eine solche Krankheit die Menschen stürzen kann.“ „Wir gehen auf die Patienten zu in der Haltung, ihnen als Mensch zu begegnen“, ergänzt Pfarrer Graus. „Die Menschen sind hier fremd im Krankenhaus. Es ist wichtig, dass der Patient spürt, er ist in der Fremde aufgehoben und braucht keine Angst zu haben.“ Eine große Herausforderung für die Krankenhausseelsorger ist der Umgang mit den unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen der Patienten und deren Angehörigen. Der Stadtteil, in dem die Caritasklinik liegt, hat einen Ausländeranteil von etwa 25 Prozent. „Von Italien bis hin zu arabischen Ländern hat die Familie zum Beispiel eine ganze andere Bedeutung als in Deutschland“, erläutert Mayers. „Wenn auf einmal im Drei-Bett-Zimmer von morgens bis abends eine Großfamilie auftaucht, um ihre Kranke oder ihren Kranken zu begleiten, dann ist das für uns befremdlich und auch störend. Das führt zu Konflikten hier im Krankenhaus. Weil wir in Deutschland eine ganz andere Vorstellung von Intimsphäre und Individualität haben, die man in anderen Kulturkreisen so gar nicht kennt.“ Durch den Kontakt mit Menschen anderer Kulturen und Religionen sei man aber auch herausgefordert, sich selbst neu kennen zu lernen und hinterfrage immer wieder die eigene Identität. „Wir sind Lernende hier“, ergänzt Graus. „Das Krankenhaus ist wie eine Schule für uns.“

Die Begegnung mit dem Fremden war auch Thema der Jahrestagung der Krankenhausseelsorger und -seelsorgerinnen im Bistum Trier Ende Oktober. Auf der Tagung ging es beispielsweise um den Umgang mit Muslimen. „Für mich ist der Islam fremd. Aber für Muslime sind wir genauso fremd“, fasste Pfarrer Graus die Quintessenz eines Impulsreferats zusammen. „Die Ermutigung war, Mensch zu bleiben und von Mensch zu Mensch den Kontakt zu suchen. Wir öffnen hier einen Raum, in dem der Mensch mit seinen Gefühlen und seinem Leben Platz findet. Das Paradox der Seelsorge liegt dann darin, dass wir den Gott, den wir den Menschen nahebringen wollen, im Leben der Menschen finden können.“

(dh)

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