Bistum Trier
Montag, 8. Dezember 2014

Hilfsgüter und Integration

Bischof Ackermann im Gespräch mit der ezidischen Gemeinde im Saarland

Theley – „Rote Sonne“, so nennt sich die neu gegründete „Ezidische Karitative“, ein Wohlfahrtsverein, getragen von Mitgliedern der ezidischen Religionsgemeinschaft im Saarland. Bischof Dr. Stephan Ackermann hat sich am 6. Dezember in Theley mit der Vorsitzenden des Vereins Adoula Dado und einigen Vorstandsmitgliedern zu einem Gespräch getroffen. Das Anliegen: Informationen erster Hand zu erhalten über die Situation der schwerbedrängten Eziden in Syrien und im Irak. Ein ähnliches Informationsgespräch hatte Bischof Ackermann vor Monaten schon mit den assyrischen Christen geführt, die mittlerweile im Saarland leben.

Die Eziden (auch Jesiden oder Yeziden) seien derzeit kollektiv traumatisiert, sagte „Rote Sonne“-Vorsitzende Dado. Das betreffe nicht nur die Angehörigen der uralten Weltreligion in Syrien und Irak sondern auch in der Diaspora. Bisher habe man alle Völkermorde an der Religionsgemeinschaft überlebt aber der aktuelle 74. Genozid sei der schlimmste von allen. So habe die Terrororganisation IS 5.000 ezidische Mädchen und Frauen entführt und versuche damit die Gemeinschaft zu beugen. Die entführten Frauen und Mädchen habe man als Sex-Sklavinnen verkauft. Derzeit tobe ein grausamer Vermittlungskrieg gegen die Eziden, die ihre Dörfer verlassen mussten und auf der Flucht leben. In dieser Situation habe man sich entschlossen von Seiten der schon länger hier lebenden Eziden Hilfsgüter zu den Ärmsten der Armen zu bringen. Ein Herzensanliegen des karitativen Vereins sei es auch ein Haus für schwersttraumatisierte Kinder einrichten zu können. „Wir haben schon viele Suizide, auch von Männern“, illustrierte Dado den Ernst der Situation.

Dr. Saman Saeed aus dem Irak arbeitet derzeit als Chirurg in Saarlouis. Er war vor ein paar Wochen im Irak um mit dem Geld der Hilfsorganisation Winterkleidung, Decken und andere lebensnotwendige Güter an die Flüchtlinge zu verteilen. Für den Januar ist eine nächste Lieferung von Hilfsgütern vorgesehen. Dr. Saeed, der schon länger im Saarland lebt, ist wie die anderen Mitglieder der Karitative ein Beispiel für ein weiteres wichtiges Anliegen des Vereins, die Integration der ausländischen Mitbürger in die deutsche Gesellschaft zu unterstützen. Dazu arbeitet die Karitative im Kreis Saarlouis in der Flüchtlingsarbeit mit, informierte Dado. Die früher rund 200 ezidischen Familien im Saarland stammten vor allem aus der Türkei. Heute kommen viele Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak dazu, man schätze derzeit die Gemeinde auf rund 3000 Mitglieder.

Bischof Ackermann dankte den Mitgliedern der „Roten Sonne“ für ihr Engagement. Es sei schwer, die Dimensionen der Grausamkeiten zu erfassen, die derzeit in Syrien und im Irak an der Tagesordnung sind. Caritas International helfe dort auch, über die Grenzen hinweg und ohne Ansehen der Religionszugehörigkeit. Bischof Ackermann sagte dem Anliegen des Vereins seine Unterstützung zu. Pfarrer Dr. Ulrich Graf von Plettenberg bot dem Verein spontan für Versammlungen die Nutzung kirchlicher Räume in der Pfarreiengemeinschaft am Schaumberg an.

Weitere Information: ezidische-karitative-e.v(at)t-online.de

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