Bistum Trier
Donnerstag, 6. August 2015

Jungen Leute eine Chance geben

Aktion Arbeit des Bistums Trier spendet 13.500 Euro an VBS Sohrschied

Sohrschied – Durch die mit Sägestaub gepuderten Fenster der Werkstatt fallen ein paar Sonnenstrahlen, es riecht nach frischem Holz und die Maschinen surren. Lisa, Fleur und Pawel sind konzentriert bei der Arbeit, der eine hämmert, die anderen geben einem Möbelteil den letzten Schliff. Die drei sind Auszubildende in einer Tischlerei nahe Sohrschied, die zu einem ganz besonderen Projekt gehört: Dem Verein Berufliches und Soziales Lernen im Hunsrück. Seit 1984 gibt es den Verein, der sich zum Ziel setzte, der Jugendarbeitslosigkeit im Hunsrück entgegenzutreten. Bis heute hat der Betrieb 151 junge Menschen ausgebildet, die auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt wären. Seit 2008 wird der Verein auch von der Aktion Arbeit im Bistum Trier unterstützt, die sich gegen Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit einsetzt. Geschäftsführerin Andrea Steyven hat dem Verein jetzt eine Spende von 13.500 Euro überreicht.

„Hier wird seit über 30 Jahren eine tolle Arbeit geleistet und zwar überwiegend ehrenamtlich. Die meisten der Azubis finden danach eine dauerhafte Beschäftigung. Das ist auch ein Appell an die Arbeitsmarktpolitik: Mit entsprechender Begleitung können junge Leute den Abschluss schaffen, die sonst vielleicht abgeschrieben würden und denen die Arbeitslosigkeit drohen würde“, begründet Steyven die Spende. Seit Anfang der 1990er sind Sabine Bollhorst als Ehrenamtliche und ihr Mann Martin Mersch-Bollhorst als Tischlermeister hauptamtlich dabei. Sabine Bollhorst erledigt die Büroarbeiten, betreut daneben noch das angrenzende Gästehaus. Und sie gibt zusätzliche Unterrichtseinheiten, die so nicht auf dem normalen Stundenplan anderer Betriebe zu finden sind. Mal wird Zeitung gelesen, mal ein Film geschaut, mal der theoretische Stoff wiederholt. „Als der Verein sich gründete, galten wir ein bisschen als die langhaarigen grünen Idealisten. Heute sind Verein und Betrieb in der Umgebung gut angesehen und die Auftragslage ist stabil.“ Nur vom Geschäft alleine könne sich der Verein aber nicht finanzieren, er sei auf Spenden angewiesen.

Acht Azubis lernen derzeit hier das Tischlerhandwerk. Meister Bollhorst betont: „Wir fertigen keine Übungsstücke, sondern richtige Auftragsstücke an. Unsere Azubis sollen nicht abgeschirmt, sondern auf den Beruf vorbereitet werden.“ Eine von ihnen ist die 27-jährige Fleur Necknig. Früher wollte sie Erzieherin werden, entschied sich dann aber um: „Ich liebe es einfach, mit meinen Händen etwas zu erschaffen, etwas Praktisches zu arbeiten.“ Für ihre Azubi-Kollegin Lisa Knabe endet diesen Sommer das dritte Ausbildungsjahr und damit auch ihre Zeit beim VBS. Die 18-jährige war vor drei Jahren mit 15 die jüngste Auszubildende, die der Verein je aufnahm. Noch eine Prüfung steht am nächsten Tag an, dann geht es an die Jobsuche. Ein paar Bewerbungen hat Lisa schon geschrieben – auch dabei stehen die Bollhorsts den Azubis zur Seite. Für die Zukunft wünscht Lisa sich, irgendwann auch Meisterin zu werden. An ihrem Ausbildungsbetrieb schätze sie besonders die Teamarbeit und, „dass wir hier noch das Handwerk ganz traditionell lernen, zum Beispiel die Zinkung“, sagt Lisa und spielt auf eine aufwendige Technik an, die bei industriell gefertigten Möbeln oft nicht mehr verwendet wird. Fleur findet gut, dass der Betrieb „die Hölzer verwendet, die sowieso in der Region wachsen“.   

Pastoralreferentin Anna Werle, Beauftragte der Aktion Arbeit im Dekanat Simmern Kastellaun, unterstützt die Idee des VBS. Hier werde nicht nur „grundsolide Handwerksarbeit geleistet“, der Betrieb gebe auch Migranten seit jeher eine Chance. „Wir hatten schon Azubis aus Ungarn, Marokko, der Ukraine, Algerien und zeitweise bis zu fünf Russlanddeutsche“, erinnert sich  Sabine Bollhorst. Ein Teil der Spenden aus Trier stamme daher auch aus dem Flüchtlingsfonds des Bistums, erläutert Steyven. Für zwei Flüchtlinge aus Afghanistan hat sich der Verein besonders eingesetzt, denn sie waren von Abschiebung bedroht. Ein Ausbildungsplatz bedeutet für den 20-jährigen Morteza Farakhi aus Afghanistan auch die Hoffnung auf eine sichere Zukunft in Deutschland. Seit vier Jahren lebt er in Deutschland, hat in Sohren die Sprachklasse besucht. Morteza setzte sich das Ziel, jeden Tag zehn neue deutsche Wörter zu lernen – inzwischen spricht er die Sprache fließend. „In Afghanistan war ich schon Automechaniker und Metallbauer. Ich bin echt froh, dass ich hier einen Ausbildungsplatz bekommen habe. Mir gefällt daran besonders, dass ich so viel mit der Natur zu tun habe.“

Informationen zum VBS gibt es unter Telefon 06763-534, info(at)vbs-sohrschied.de, www.vbs-sohrschied.de. Wer spenden möchte, kann das hier tun:
Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, IBAN DE 86-56051790-0111214086, BIC MALADE51SIM.

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