Bistum Trier
Dienstag, 13. Mai 2014

Mehr Aufmerksamkeit für die Belange von Langzeitarbeitslosen

Trier – Mehr Aufmerksamkeit für die Belange von langzeitarbeitslosen Menschen – das möchte die Aktion Arbeit im Bistum Trier mit einem sogenannten Exposure- und Dialogprogramm (EDP) erreichen, das am 11. Mai in Trier begonnen hat. Das englische  Wort „Exposure“ bedeutet „ausgesetzt sein“. Es beschreibt damit das zentrale Merkmal eines Programms, bei dem sich Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einem gesellschaftlichen Thema unter realen Bedingungen aussetzen. Im Rahmen des Projektes „Leben in der Langzeitarbeitslosigkeit“ leben und arbeiten neun Männer und Frauen mit und bei Langzeitarbeitslosen.

„Es ist für uns ein Experiment, und ich bin sehr gespannt, wie die nächsten Tage ablaufen“, sagte Hans Casel, Bischöflicher Beauftragter für die Aktion Arbeit, bei der Eröffnung des EDP am 11. Mai im Trierer Robert-Schumann-Haus. Die Solidaritätsaktion des Bistums hat die Veranstaltung gemeinsam mit dem Bonner Verein EDP und der Kommission Justitia et Pax organisiert. Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit habe sich trotz der guten Arbeitsmarktzahlen nicht entschärft, sondern sogar verstärkt, erklärte Casel. „Die Problematik muss wieder öffentlicher werden. Die geminderte Leistungsfähigkeit von lange Zeit arbeitslosen Menschen, die am ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, muss durch öffentliche Mittel ausgeglichen werden, damit sie ein existenzsicherndes Einkommen haben“, forderte Casel. Der Mensch habe ein Recht auf Arbeit und müsse vor dem Verlust von Selbstwert und Leistungsfähigkeit, Armut und Isolation als Folge langer Arbeitslosigkeit bewahrt werden.

Zusammen mit langzeitarbeitslosen Personen, die in einem von fünf verschiedenen rheinland-pfälzischen und saarländischen Beschäftigungs- und Qualifizierungsbetrieben beschäftigt sind, gehen die neun Teilnehmenden des Programms für drei Tage mit in den jeweiligen Betrieb und wohnen auch bei den Gastgebern. Ein Experiment auch für viele der „Gäste“, die sich – manchmal „mit einem mulmigen Gefühl“ – darauf eingelassen haben. „Wir fällen wichtige Entscheidungen für die Menschen, und da möchte ich sehen, wie sie sich für die Menschen auswirken“, sagte etwa eine teilnehmende Bundestagsabgeordnete. Im Anschluss an die dreitägige Exposure-Phase folgen zwei Tage für die Reflexion über die persönlichen Erfahrungen und ein abschließender Dialogworkshop mit Fachleuten und Akteuren des Arbeitsmarktes. Ziel dieses Dialogs ist es, nach Konzepten und Strategien für das Aufbrechen der verfestigten Sockelarbeitslosigkeit zu suchen.

Erstmalig findet mit dem Trierer EDP eine Vermittlung zwischen Gästen und Gastgebern ausschließlich in Deutschland statt. Das aus der Entwicklungszusammenarbeit stammende EDP organisiert seit 1985 Besuche von Entscheidungsträgern aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und kirchlichen Bereichen in etwa 40 Ländern des globalen Südens. Mehr Informationen gibt es unter www.edpev.de; Informationen zur Aktion Arbeit im Bistum Trier sind unter www.aktionarbeit.bistum-trier.de zu finden.  

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