Bistum Trier
Freitag, 12. Januar 2018

"Moralische Appelle reichen nicht"

Trierer Bischof zu Gast beim Neujahrsempfang der Koblenzer Handwerkskammer

Koblenz – „Als Bischof und Bürger bedanke ich mich für Ihren Einsatz“, mit diesen Worten hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann das Engagement der rund 500 Gäste beim Neujahrsempfangs der Handwerkskammer (HwK) Koblenz am 12. Januar gelobt.

Der Präsident der HwK, Kurt Krautscheid, sprach von einer engen Verbindung zwischen Handwerk und Kirche: „Ein Slogan unserer bundesweiten Imagekampagne lautet: ‚Am Anfang waren Himmel und Erde. Den ganzen Rest haben wir gemacht!‘“ Auch Bischof Ackermann konnte die Verbundenheit, die seit Jahrhunderten bestehe, bestätigen und fand dafür noch weitere Argumente: „Viele Handwerker engagieren sich ehrenamtlich im kirchlichen Bereich.“ Kirchen, Gemeinden und Orden seien zudem Kunden des Handwerks und nicht zu vergessen: „Jesus von Nazareth ist in eine Handwerkerfamilie hineingeboren.“ Es gebe also ein vielfältiges Beziehungsgeflecht zwischen Kirche und Handwerk.

In seiner Festrede nahm Ackermann das Spannungsverhältnis zwischen Wirklichkeit und Vision in den Blick. „Die Wirklichkeit ist für Sie das betriebliche und alltägliche Umfeld. Dazu zählen die Herausforderungen des demographischen Wandels, der Fachkräftemangel oder das Thema Integration von geflüchteten Menschen.“ Doch darüber hinaus sei es wichtig, einen weiteren Horizont in den Blick zu nehmen. „Es gibt in unserer heutigen Gesellschaft eine höhere Diversität und Pluralität. Das müssen wir wahrnehmen und damit umgehen.“

Man dürfe nicht auf die Kosten anderer Menschen leben. „Das ist nicht nur eine Frage von Christlichkeit.“ Ein Beispiel dafür sei der Klimawandel: „Hier trifft es gerade Menschen, die dafür nicht verantwortlich sind. Auch eine Gleichgültigkeit gegenüber der Armut in der Welt, kann ich nicht gutheißen. Moralische Appelle allein reichen aber nicht aus“, mahnte der Bischof. Toleranz, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit müssten gelebt werden.

Wie können Wirklichkeit und eine motivierende sowie inspirierende Vision zueinander finden? „Was wir im Kleinen im Alltag machen, müssen wir in einer großen Vision einbetten.“ Eine Idee müsse Wirklichkeit werden. Dabei gehe es nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern auch um ein Gespür für das große Ganze. „Nämlich den konkreten Einsatz für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Es zählt nicht nur das Endprodukt, sondern die Betriebskultur – der Geist, der in einem Betrieb herrscht. Hier kommen Vision und Wirklichkeit zusammen“, betonte Ackermann. Die Stärke des Handwerks sei, dass es die Lebensbedingungen von Menschen verbessern könne. „Sie leisten einen Dienst am Menschen, am Kunden und an Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Zum traditionellen Neujahrsempfang begrüßte Kammerpräsident Krautscheid und Hauptgeschäftsführer Alexander Baden Gäste aus Handwerk, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

(jf)

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