Bistum Trier
Samstag, 23. Dezember 2017

Vom Anderen her denken

Bischof Ackermann: Weihnachten lädt zum Perspektivwechsel ein

Trier – Weihnachten ist für Bischof Dr. Stephan Ackermann der große Perspektivwechsel Gottes, der die Menschen einlädt, diesen Perspektivwechsel mit zu vollziehen: vom anderen her zu denken. Das hat der Trierer Bischof im Hochamt am Ersten Weihnachtstag (25. Dezember 2017) erklärt. Gott setze mit seinem Kommen einen unübersehbaren Gegenakzent zu Individualismus, Egoismus und die Rechthaberei in der Gesellschaft.

Gott schicke mit Jesus nicht bloß einen neuen Botschafter in die Welt, der seinen Willen verkündet. Gott werde Mensch und liefere sich den Bedingungen des Menschseins aus: „Gott will in unserer Haut stecken mit allen Konsequenzen, bis zum Tod“, sagte Ackermann. Damit verändere Weihnachten alles: Mit Weihnachten sei Gott der, der auf der Seite der Menschen stehe, „ja mehr noch: der die Innenseite von uns kennt“. Dieser Perspektivwechsel lade zu alternativen Handlungsweisen ein: nicht in geschlossenen Zirkeln und den eigenen „Echokammern“ zu bleiben, sondern grundlegend bereit zu sein, die Perspektiven, Sichtweisen und Empfindungen des Anderen einzubeziehen. „Erst dann wird es einen wirklichen Dialog und einen gemeinsamen Fortschritt geben“, betonte der Bischof.

Was im persönlich-privaten Leben gelte, lasse sich auch auf die Ebene von Gesellschaft und Politik übertragen. So provoziere der weihnachtliche Perspektivwechsel etwa mit Blick auf die Flüchtlingsthematik die Frage: „Bin ich bereit, mich wenigstens ansatzhaft in das Geschick und die Gefühle von Menschen auf der Flucht einzulassen? Aber auch: Bin ich aufrichtig bereit, die Fragen deren zu hören, die sich mit der großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen schwertun?“, fragte Ackermann.

Und auch für die Kirche gelte die Herausforderung, in die Haut des anderen zu schlüpfen: „Wir üben es gerade in unserem Bistum mit der Umsetzung der Diözesansynode.“ Im Blick auf die Kirche als Ganze heiße dies: „Eine Lehre, so richtig sie in sich auch sein mag, ist nie losgelöst von der konkreten Situation der Menschen anzuwenden.“ Das berge natürlich auch die Gefahr, das eigene Profil und am Ende sich selbst zu verlieren, sagte Ackermann. Nur Gott könne der Andere werden und trotzdem er selbst bleiben. Helfen könnten den Menschen hier das Jesus-Wort „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst“ – und die Gemeinschaft der Kirche: sich auf diesem Weg nicht allein zu fühlen, sondern andere an der Seite zu haben, die sich ebenfalls auf diesen Weg einlassen.

Auch beim Schenken seien Perspektivwechsel hilfreich, sagte der Bischof: Die gelungensten Geschenke seien die, die Zeugnis davon geben, dass der Schenkende im Alltag aufmerksam war für die Wünsche desjenigen, der beschenkt wird. „Dann sind Geschenke das Zeichen von Einfühlsamkeit. Der Beschenkte weiß sich gekannt, und dann ist die Freude in der Regel auf beiden Seiten groß.“ Deshalb schenke Gott den Menschen seinen Sohn und in ihm das Größte, was er schenken könne: sich selbst. „Denn er kennt uns und weiß, was wir zum Leben brauchen.“ (Die Predigt im Wortlaut)

(JR)

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