Bistum Trier
Freitag, 20. März 2015

Warten auf dem Bahnsteig des Lebens

Josefstag stellt in Ahrweiler jugendliche Migranten und ihre Ziele in den Fokus

Josefstag stellt junge Migranten in Fokus
Wollen nicht ewig am Bahnsteig stehen, sondern sind motiviert, ihr Leben zu gestalten: 16 junge Migranten haben darüber mit Gesprächspartnern aus Politik, Kirche und Gesellschaft gesprochen.

Bad Neuenahr-Ahrweiler – Benachteiligte Jugendliche in den Fokus rücken und ihnen eine Stimme geben: Das ist Ziel der Aktion „Josefstag“ der katholischen Kirche. In Ahrweiler haben sich dazu am 19. März junge Leute aus 16 Nationen mit Vertretern von Politik, Gesellschaft und Kirche getroffen. Veranstaltet wurde der Tag von der Kreisvolkshochschule Ahrweiler (KVHS) und dem Jugendmigrationdienst (JMD) Rhein-Mosel-Ahr in Trägerschaft der Caritas.

Im Saal der Kreisverwaltung Ahrweiler stehen zwei grüne Lokomotiven aus Pappe – die eine gespickt mit unterschiedlichen Flaggen und Namen, die andere noch gänzlich leer. Dazwischen im Stuhlkreis 16 junge Leute, die seit 2014 am Jugendintegrationskurs des JMD und der KVHS teilnehmen und dort einen Deutsch-Sprachkurs machen. „Ankommen, in den nächsten Zug steigen, weiterfahren: Symbolisch gesprochen ist das die Hoffnung vieler junger Menschen, die nach Deutschland zuwandern oder flüchten“, erklären die Organisatoren des Tages, Eva Pestemer und Ruth Fischer vom Jugendmigrationsdienst das Symbol der beiden Lokomotiven. „Die meisten von ihnen kommen an und möchten gerne einen Schulabschluss machen, einen Ausbildungs- oder Studienplatz finden oder haben schon Abschlüsse und sind auf der Suche nach Arbeit.“ Doch oft funktioniere das „Umsteigen“ nicht sofort – viele müssten erst einmal auf dem „Bahnsteig“ warten. In dieser Zeit bereite der Jugendintegrationskurs die jungen Menschen nicht nur sprachlich auf das Leben in Deutschland vor. Ihnen eine Perspektive in der Warteschleife zu geben, sei ein wichtiges Ziel des Kurses, in dem auch Kontakte geknüpft werden, sagt Mitorganisator Christian Hofeditz von der KVHS.

Ziele, wohin der nächste Zug fahren soll, haben die jungen Leute aus Bosnien, Indonesien, Italien, Kosovo, Kroatien, Polen, Portugal, Rumänien, Ungarn und Syrien schon genau vor Augen. Agnieszka aus Polen etwa, die in ihrem Heimatland internationale Beziehungen studiert hat und gerne in Deutschland Beamtin werden würde. Oder Iulia aus Rumänien, die Krankenschwester ist und gerne in ihrem Beruf arbeiten und sich weiter spezialisieren möchte. Talal aus Syrien hat in seiner Heimat neun Monate Chemie studiert, bevor der Krieg in seinem Land ihn zur Flucht trieb. Talal ist Christ und stammt aus dem Dorf, in dem die IS-Miliz zuletzt Dutzende von Geiseln nahm. „Ich würde gerne hier weiter Chemie studieren – aber dafür brauche ich erst noch mehr Sprachkurse für ein besseres Deutsch“, sagt Talal und pinnt das bunte Kärtchen mit dem Wort „Studium“ als Ziel an die noch leere Lokomotive. Die eingeladenen Gäste der Aktion haben in den anschließenden Gesprächen in Kleingruppen die Möglichkeit, ihre Fragen an die Jugendlichen zu stellen. Martin Laskewicz, Jugendpfarrer Bistum Trier, Rita Gilles, Integrationsbeauftragte Ahrweiler, Jochen Seifert, FWG Ahrweiler, Robert Kolle, Die Grünen Kreis Ahrweiler, Alexander Mayer von der Fachstelle Kinder- und Jugendpastoral Andernach, der evangelische Pfarrer Karsten Wächter und Rita Bárdos, Migrationsbeauftragte der Agentur für Arbeit wollen dabei wissen, wie sie den jungen Leuten konkret helfen könnten, welche Angebote gut und welche ausbaufähig sind.

Am Ende des Tages kristallisieren sich einige Punkte heraus: Den Sprachkurs finden die jungen Leute als Schlüssel zur Teilhabe sehr wichtig, aber viele wünschen sich noch mehr Kontakte zu Einheimischen. Hier seien beispielsweise Vereine, aber auch christliche Jugendgruppen in den Pfarreien und Gemeinden, aber auch Verbände gefragt – so die Vorschläge der Runde. Die Anerkennung der im Heimatland gemachten Abschlüsse und ein besserer Zugang zu Ausbildung und Arbeit stehen ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste. Für Jugendpfarrer Martin Laskewicz ist der Josefstag am Ende genau das, was er sein soll: „Junge Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt, durch welche Situation auch immer, benachteiligt sind, sollen am Josefstag im Mittelpunkt stehen. Als Kirche wollen wir da sozusagen PR machen und ihre Interessen wahrnehmen.“ Auch Pestemer ist mit der Aktion zufrieden: „Wir waren erfreut über die vielen Anmeldungen unserer Gesprächspartner. So haben die jungen Leute gesehen: Unsere Gesellschaft interessiert sich für euch.“

Die Jugendaktion zum Josefstag ist eine Initiative des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Bischofskonferenz und der Bundesgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit. Weitere Informationen: www.josefstag.de.

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