Bistum Trier
Montag, 8. Januar 2018

"We first" kann nicht funktionieren

Bischof zu Gast beim Dreikönigstreffen der Jungen Union Koblenz-Montabaur

Glees – „Ich schaue auf die Uhr und in ihre Gesichter, dann weiß ich, wann meine Redezeit vorbei ist“, mit diesen Worten hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann sein Referat beim Dreikönigstreffen der Jungen Union (Bezirksverband Koblenz-Montabaur) schmunzelnd eröffnet. Nach einem feierlichen Pontifikalamt in der Abteikirche von Maria Laach traf er sich mit rund 40 Mitgliedern und sprach zum Thema „Die christliche Verantwortung in Gesellschaft und Politik im 21. Jahrhundert“.

„Ich danke Ihnen, dass Sie sich im Alltäglichen engagieren und damit Verantwortung übernehmen“, richtete Bischof Ackermann sein Wort an die jungen Politikerinnen und Politiker. Die christliche Verantwortung in Gesellschaft und Politik solle sich darin zeigen, dass der Mensch das Maß der Dinge ist und im Mittelpunkt steht. „Der andere ist wie du. Im Menschsein sind wir verbunden“, erklärte der Bischof, der als Referent geladen war. Die Politik solle sich für alle Menschen einsetzen. „Das kostet auch Kraft und ist nicht immer einfach“, räumte Ackermann ein. „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“, sei keine ausschließlich christliche Weisheit, sondern könne von jedem umgesetzt werden. Der Glaube öffne einen bestimmten Blick auf den Menschen, abseits von Excel-Tabellen. Man solle abends ein Resümee ziehen, indem man sich die Frage stellt: „Habe ich heute einem anderen beim Leben geholfen?“

Ackermann plädierte für eine gute, also faire Streitkultur. „Daran müssen wir arbeiten. Stil und Inhalte dürfen nicht unter die Gürtellinie gehen“, dies stehe in der christlichen Verantwortung. Das Ziel einer Diskussion müsse ein gesellschaftlicher Konsens sein. „Wir arbeiten auf das hin, was uns zusammenführt“, müsse das Motto sein. Dabei dürften die Parteien nicht intrigant sein. „Gott hat uns einen Verstand gegeben, damit wir ihn benutzen“, sagte Ackermann und erklärte die Verbindung von Glaube und Vernunft. Die Politik brauche nicht nur technische Lösungen, sondern auch Visionen. „Die Frage ist: In welcher Welt wollen wir leben?“ Dabei dürfe man nicht blauäugig sein.

Eine große Herausforderung in der heutigen Zeit sah der Bischof in der richtigen Balance von Einheit und Vielfalt, von Gemeinschaft und Individuum. „Sie müssen nicht die ganze Welt retten. Sie schauen mehr auf das Lokale, aber das geht nicht losgelöst von einem weiteren Horizont“, betonte Ackermann. Die Verbindung zwischen lokalem Handeln vor Ort und Handeln als Weltbürger sei wichtig. „Orientieren Sie sich am Weltgemeinwohl und denken sie in internationalen Zusammenhängen.“ Daher könne der Ausspruch „We first“ in einer globalen Welt auch nicht funktionieren, war sich Ackermann sicher.

Die Gesichter der Jugendlichen und jungen Erwachsenen schienen den Bischof wohl interessiert und aufmerksam angeschaut zu haben, so dass der Bischof seinen Vortrag nicht abkürzte, sondern eineinhalb Stunden sprach und mit langanhaltendem Applaus für seinen Besuch honoriert wurde. Er gab jedoch zu bedenken, dass Bischöfe keine Politiker seien.

Im Anschluss stellten Teilnehmerinnen und Teilnehmer Bischof Ackermann Fragen nach seiner Einschätzung zur aktuellen (welt-)politischen Lage, aber auch zu religiösen Themengebieten wie zur Debatte über ein verändertes Vaterunser oder zur Ökumene.

(jf)

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