Bistum Trier
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wie in einer Familie

Aktion Arbeit fördert Projekte für Langzeitarbeitslose und Geflüchtete in Betzdorf

Betzdorf – „Deutschland ist meine andere Mutter“, sagt Yosof Faead. Seine leibliche Mutter ist wie sein Vater und seine zwei Schwestern in Syrien, sein Bruder in Libyen. Faead ist vor anderthalb Jahren nach Deutschland geflüchtet. Durch die Hilfe von CARi-AP (Caritas inklusives Aktivierungsprojekt) der Caritas in Betzdorf arbeitet der gelernte Informatiker sei drei Monaten in einem Betrieb für Autoteile in Morsbach.

Aufgrund der Schichtarbeit fängt sein Arbeitstag oft schon früh um vier Uhr an. Für den 25-Jährigen ist das allerdings keine Hürde: „Ich stehe immer so früh auf um zu beten.“ Faead ist Moslem. Für Arbeitgeber und Kollegen sind die regelmäßigen Gebetspausen kein Problem. „Ich erfahre in Deutschland viel Toleranz“, freut sich Faead, der in Betzdorf wohnt.

CARi-AP ist eine Maßnahme in der sich zehn geflüchtete Menschen und zehn deutsche Langzeitarbeitslose auf das Berufsleben vorbereiten, erklärt die Leiterin des Fachteams „Integration durch Arbeit“ Monika Lautwein. „Regelmäßige Bildungsteile wie Sprachförderung, Bewerbertraining und Gesellschafts- und Gesundheitsthemen wechseln sich mit praktischem Arbeiten in unserer Werkstatt ab“, erklärt sie. Diese Kombination habe ihm sehr geholfen, versichert Faead. „Jeden Tag gibt es etwas Neues, und man muss viel reden.“ Und: „Man fühlt sich in der Caritas wie in einer Familie.“ Gerne würde der junge Mann wieder im Bereich Informatik arbeiten. „Ich hoffe, dass da vielleicht eine Ausbildung kommt“, blickt die stellvertretende Geschäftsführerin Lautwein in die Zukunft.

Eine Ausbildung hat Hannah Schuß vor ein paar Wochen begonnen. In drei Jahren wird sie IT-Systemkauffrau sein. „Das war schon immer mein Ziel, aber der Weg dahin war holprig“, gibt die 26-Jährige aus dem Siegerland zu. Vor vier Jahren hat sie das Fachabitur auch aufgrund von privaten Umbrüchen abgebrochen. Sie fiel in die Arbeitslosigkeit. 2015 wurde sie im Jobcenter auf das Perspektivbüro der Caritas hingewiesen. Dort trifft sie Jenny Müller. „Eigentlich war ich immer ängstlich. Ich habe mich noch nicht einmal getraut Bewerbungen abzuschicken. Doch mit Frau Müller hat das alles geklappt“, berichtet die Auszubildende, die in Betzdorf wohnt, glücklich. Jenny Müller rudert zurück: „Eigentlich war schon alles da, es musste nur aktiviert werden.“ Im Aktivcenter, das sich speziell um die Heranführung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem kümmert, hat Hannah Schuß bis zum Ausbildungsbeginn viel gelernt. „Mir wurde bei der Suche nach einem Praktikumsplatz geholfen, Allgemeinbildung stand auch auf dem Programm, und zudem habe ich an meiner Zuverlässigkeit gearbeitet“, berichtet sie. „Im Aktivteam ist man super aufgehoben, man kann mit denen über alles reden. Ich bin dem Team und Frau Müller sehr dankbar“

Seit vielen Jahren fördert die Aktion Arbeit im Bistum Trier Projekte der Caritas in Betzdorf. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier verstehen es besonders kreative Maßnahmen zu kreieren und durchzuführen“, berichtet die Geschäftsführerin der Aktion Arbeit Andrea Steyven. „Wegen Menschen wie Herrn Faead und Frau Schuß unterstützen wir solche Projekte.“, sagt sie und macht darauf aufmerksam, dass die Aktion Arbeit ausschließlich von Spenden finanziert wird. Solche aufwendigen und intensiven Maßnahmen, die mit einem hohen personellen Aufwand einhergehen, seien nicht kostendeckend, betont der Direktor des Caritasverbandes Rhein-Wied-Sieg Eberhard Köhler. „Die Finanzierung des Jobcenters reicht nicht, daher sind wir auf Gelder der Aktion Arbeit angewiesen.“

Weitere Informationen gibt es auf www.bistum-trier.de/aktionarbeit/ und auf www.caritas-betzdorf.de.

(jf)

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