SWR - Mittwoch, 25. Oktober 2017 - 21:00 bis 21:45 Uhr -

Aufgeben - eine Alternative?

Themenbereich: Ehe

In der baden-württembergischen Gemeinde Frickenhausen leben 75 junge Männer aus Gambia und mehrere syrische Familien. Suse, Roland, Eckardt und Antonie und mit ihnen der Arbeitskreis Integration betreuen seit mehr als zwei Jahren die Flüchtlinge.
[ UT ]

Die SWR Dokumentation begleitet die Ehrenamtlichen ein halbes Jahr lang und fängt Freude und Leid ihres Engagements ein. Roland kümmert sich um die Unterkünfte, seine Frau Suse managt die Kleiderkammer. Eckardt unterrichtet Deutsch und Antonie begleitet die Geflüchteten bei Behördengängen. Der Wind ist rauer geworden in den vergangenen beiden Jahren, zäh und zermürbend sei die ehrenamtliche Arbeit, sagen die Helferinnen und Helfer. "Seit zwei Jahren sind sie hier und man weiß immer noch nicht, ob sie bleiben dürfen oder nicht", schimpft Roland. Wochenlang muss man auf Arbeits- und Ausbildungs-genehmigungen warten. Das dauert Arbeitgebern, Flüchtlingen und Ehrenamtlichen zu lang. Die meisten sind immer noch ohne Arbeit oder Ausbildungsplatz. Frustration greift um sich. Auch die Helferinnen und Helfer fragen sich, ob das alles noch sinnvoll ist. Um seine Kräfte einzuteilen, kann Eckardt mittlerweile Flüchtlingen nur noch an vier Tagen in der Woche mit Rat und Tat zur Seite stehen. Antonie möchte wieder mehr Zeit für die Familie, auch wenn sie von ihrem Mann unterstützt wird. Für ihn als Pfarrer ist das Engagement ein Gebot der christlichen Nächstenliebe. Suse und Roland bekräftigen: "Wir haben die Afrikaner nicht gerufen, aber jetzt sind sie da, und wir müssen sie versorgen, wie alle anderen Bedürftigen auch. Die Jungs wollen alle arbeiten und Geld verdienen und niemandem auf der Tasche liegen." Die Freude ist groß, wenn einer der Gambier einen Job bekommt oder eine berufsvorbereitende Schule besuchen kann. Doch es stehen auch Abschiebungen im Raum, auch nach Gambia. Die Ehrenamtlichen sorgen sich. "Wir machen uns mitschuldig, wenn dort einer getötet wird", sagt Eckardt im Hinblick auf die politische Situation. Diese ändert sich entscheidend, als der gambische Diktator abgewählt wird und mit der Staatskasse das Land verlässt. In Frickenhausen beginnt man neu zu denken, denn Aufgeben ist keine Alternative.

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