ARD - Montag, 13. November 2017 - 22:45 bis 23:30 Uhr -

Der Rentenreport

Themenbereich: Politik

In keinem anderen Land in Europa ist das Armutsrisiko im Alter so hoch wie in Deutschland, lesen wir immer wieder in den Schlagzeilen.
[ UT ]

„Jeder Zweite ist von Altersarmut bedroht!“, warnt Ver.di. Experten des Instituts der Deutschen Wirtschaft argumentieren anders: Auch in Zukunft werde Armut Rentner viel weniger treffen als andere Altersgruppen. Welche Aussage stimmt? Tatsächlich haben knapp 80 Prozent der Deutschen Angst vor Altersarmut. Sind die Existenzängste begründet? Ist das Rentensystem unsolidarisch? Die Autorin Christine Rütten geht den Fragen im „Rentenreport“ mit eigenen Umfragen und einer aufwendigen Datenanalyse auf den Grund und kommt zu erschreckenden Ergebnissen. Das Armutsrisiko für Rentner steigt tatsächlich. In Offenbach bei Frankfurt ist es derzeit am größten. So sind bereits heute über die Hälfte der Menschen, die bei der Offenbacher Tafel jeden Dienstag für Lebensmittel anstehen, Rentner – wie Klaus Dieter Meuer. Seine Rente reicht nicht einmal für das Existenzminimum. Wie viele wird dieses Schicksal in Zukunft treffen? Wer muss sich tatsächlich Sorgen machen? Ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland sind Geringverdiener. ARD-Datenjournalisten haben ermittelt: Bei über 100 Berufen bringt das Einkommen selbst nach 45 Jahren Vollzeitarbeit keine Rente, die über der Armutsgefährdungsquote liegt. Das muss nicht zwangsläufig Altersarmut bedeuten. Vermögen, Immobilien oder anders privat vorzusorgen, das hilft natürlich. Aber wem? Den meisten Menschen im Niedriglohnsektor jedenfalls nicht. Und die geförderte Riester-Rente hat ohnehin einen schlechten Ruf. „Nicht ganz zu Unrecht“, meint auch Rentenexperte Bert Rürup: „Sie war besser gedacht als gemacht.“ Finanzmathematiker Werner Siepe rät dazu, lieber freiwillig mehr in die gesetzliche Rente einzuzahlen: „Die verspricht zur Zeit jedenfalls mehr Rendite als die meisten privaten Vorsorgealternativen!“ Immer mehr einzahlen für immer weniger Rente? Viele Junge haben den Glauben an das deutsche Rentensystem längst verloren. Marco Rust zum Beispiel, der im thüringischen Suhl als Erzieher in einem Kindergarten arbeitet: „Mir ist klar, dass ich mich auf meine gesetzliche Rente nicht verlassen kann.“ Für seinen Ruhestand muss er nicht nur einen größeren Teil seines Einkommens zurücklegen als die ältere Generation, er muss auch länger arbeiten. Von der Angleichung der Ostrenten profitieren nur die Älteren. Die immer noch niedrigeren Ostlöhne bringen den Jungen jetzt sogar weniger Rente. Ungerecht? Tragen die Jungen die Hauptlast des demografischen Wandels? Oder sind es die Familien, also gerade die, die dem Demografie-Problem entgegenwirken? „Ausgerechnet wir werden doppelt zur Kasse gebeten: Rentenbeiträge plus die extra Kosten für die Kinder!“, sagt Familie Kirchgäßner aus Freiburg. ARD-Datenexperten haben nachgerechnet: Wer ist tatsächlich benachteiligt? Fest steht: In Österreich gibt es höhere Renten. In Schweden klappt es mit der zusätzlichen Vorsorge besser. Eine Deutschlandrente nach skandinavischem Vorbild – wäre das die Lösung? „Der Rentenreport“ checkt die Fakten.

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