ZDF - Dienstag, 28. November 2017 - 01:00 bis 01:45 Uhr -

Mensch Macron!

Themenbereich: Politik

Frankreichs Polit-Superstar Macron erhitzt die Gemüter: gefeiert als Reformer, verachtet als arroganter Aufsteiger. "ZDFzeit" zeigt den Menschen hinter dem Politiker.
[ UT ]

 

So sehr alle Welt seine Blitzkarriere bewunderte, so wenig Persönliches gab er bisher preis. Zwar lotete die Boulevardpresse die Ehe zu seiner Ex-Lehrerin aus, doch was verbirgt sich hinter der Fassade des jungenhaften Überfliegers? Macron ist der jüngste Präsident, den Frankreich je hatte. Manche vergleichen ihn mit Napoleon, wieder andere mit dem Sonnenkönig Ludwig XIV. Noch vor drei Jahren kannte ihn niemand. In atemberaubenden 16 Monaten hat er seine Partei "La République En Marche" gegründet - und zur stärksten Kraft im Land gemacht. Er hat Frankreich aus der politischen Lethargie gerissen und hält viel beachtete Reden über die Zukunft Europas. Wer ist der Mann, der all dies vermochte - obwohl er sich für die unpopuläre Lockerung des Kündigungsschutzes einsetzt? Und wie lange wird der Zauber halten? Es war eine Szene, wie sie die Franzosen lieben: Emmanuel Macron, der frisch gewählte Präsident, beim Händedruck mit Donald Trump - der Amerikaner will die Hand zurückziehen, doch der Hobbyboxer Macron drückt noch ein bisschen fester zu, lächelnd, fast schon triumphierend. Eine wohl kalkulierte Inszenierung, wie Macron hinterher einräumt. Der junge Staatschef weiß um die Macht der Bilder. Anders als sein Vorgänger achtet er peinlich genau darauf, was von ihm zu sehen und zu hören ist. Plaudereien mit den Hauptstadtjournalisten, das hat er bei seinem Vorgänger Hollande beobachten können, können schnell nach hinten losgehen. Seit Macron Präsident des Landes ist, hat er so gut wie kein Interview mehr gegeben. Die französische Presse nennt er "narzisstisch", er twittert lieber direkt oder stellt Filme seiner Auftritte bei Facebook ein. "Er ist ein Kontrollfreak, er kontrolliert sich selbst und andere. Und überlässt nichts dem Zufall", sagt Marc Endeweld, Biograf des Präsidenten. Die Erwartungen, die der 39-Jährige selbst geweckt hat, sind riesig: die Spaltung des Landes überwinden, die Wirtschaftsprobleme lösen und nebenbei noch Europa retten. An der Sorbonne hält er im September eine viel beachtete Rede, wie die Zukunft der Gemeinschaft aussehen könnte. Die erforderliche Mehrheit für sein innenpolitisches Reformprogramm hat er bei den Parlamentswahlen im Juni bekommen - doch die Feuerprobe steht noch aus. Im September gingen bereits Hunderttausende Franzosen auf die Straße, um gegen Lockerungen im Arbeitsrecht zu demonstrieren. An den gut organisierten Gewerkschaften und der Macht der Straße sind in Frankreich die Reformpläne eines manchen Präsidenten gescheitert. Macron ist ein Macher: "Ich setze um, was ich im Wahlkampf versprochen habe, nicht mehr und nicht weniger", sagt der Präsident in einem Interview mit dem ZDF. "Die Menschen haben sich zu sehr an Politiker gewöhnt, die Ankündigungen machen und diese dann nicht umsetzen." Er hat es eilig, sein Land umzukrempeln und es zukunftsfähig zu machen. Doch die Frage ist, wie viele seiner Landsleute er dabei mitnehmen kann. Immer wieder gibt es Momente, in denen klar wird, dass dem jungen Präsidenten die Lebenswelt der unteren sozialen Schichten eher fremd ist. Fast hilflos sitzt er weinenden Arbeiterinnen gegenüber, die die Schließung ihres Werkes beklagen und um ihre Zukunft fürchten. Auch erste Fehler und Ungeschicklichkeiten schleichen sich ein beim von vielen als "Überflieger" gelobten Macron. Er bringt seine Landsleute durch verbale Fehltritte gegen sich auf: Im Streit um die Reform hatte Macron gesagt, er werde sich von "Faulenzern" nicht aufhalten lassen. Seit der Ankündigung seiner Regierung, die Reichensteuer weitgehend abzuschaffen, wird ihm vor allem vom linken Lager vorgeworfen, "Präsident der Wohlhabenden" zu sein. Wie wurde Emmanuel Macron zum jüngsten Präsidenten seines Landes? "ZDFzeit" zeichnet den Werdegang des Ausnahmetalentes nach: vom brillanten Überflieger zum Präsidenten der Republik. Seine Beobachter und Weggefährten bescheinigen dem jungen Mann auf dem Weg nach oben ein außergewöhnliches Maß an "strategischer Intelligenz". Keine Station auf dem Weg zum Präsidentenamt lässt er ungenutzt. Er knüpft sein Netzwerk und pflegt die Kontakte, die ihm später auf dem Weg nach oben nützlich sind. Jene, die Macrons Weg einmal gekreuzt haben, beschreiben sein großes Talent zur Verführung. "Er besitzt die Fähigkeit, seinem Gegenüber das Gefühl zu geben, nur er allein existiere in diesem Moment. Er passt sich auf phänomenale Weise an sein Gegenüber an und übernimmt seine Argumente. Macron ist ein Chamäleon." "ZDFzeit" zieht Bilanz: Was ist aus dem Hoffnungsträger Macron geworden? Enge Wegbegleiter, Freunde und Gegner zeichnen ein vielschichtiges Bild des Menschen Emmanuel Macron.

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