Freitag, 10. März 2017

1100 Bestattungsplätze in der Karmeliterkirche

Gemeinde in Boppard bietet Gläubigen neue Möglichkeit

Dechant Hermann-Josef Ludwig (links) zeigt Interessierten das Aschegefäß und ein weißes Seidentuch, die eine Bestattungseinheit bilden.

Boppard – Die Karmeliterkirche ist zu einem Pilotprojekt im Bistum Trier geworden. Hier errichtet die Katholische Pfarrgemeinde St. Severus in den nächsten Wochen ein Kolumbarium (Urnenbegräbnisstätte). Damit will die Kirchengemeinde dem Wandel in der Begräbniskultur eine neue Möglichkeit bieten. Noch im März sollen die Bauaufträge vergeben werden. Mit einer Fertigstellung rechnen Dechant Hermann-Josef Ludwig und der Kirchengemeinderat im Mai. Bischof Dr. Stephan Ackermann wird die Einsegnung übernehmen. Im Anschluss sollen die ersten Beisetzungen erfolgen.

Im Jahr 2012 begannen die Gremien der Pfarrgemeinde St. Severus sich Gedanken über die Planung und den Bau eines Kolumbariums zu machen. Viel Diskussionsstoff produzierte die neue Bestattungsform. Um der schwierigen Raumsituation in der Kirche im Welterbe Oberes Mittelrheintal gerecht zu werden, wurde im vergangenen Jahr ein Architektenwettbewerb unter der Leitung des Bistums durchgeführt.

Die Frankfurter Architektengruppe Wandel-Lorch gewann den Wettbewerb mit ihrer Lösung, die auch von den staatlichen und kirchlichen Denkmalpflegern positiv aufgenommen wurde. Anfang des Jahres waren die Planungen abgenommen, die Arbeiten wurden zwischenzeitlich ausgeschrieben. In diesem Monat werden die Bauarbeiten beauftragt. In der zweiten Maihälfte soll das Kolumbarium fertiggestellt sein. Die ersten Bestattungen können dann unter dem Kirchendach stattfinden.Die Genehmigung des Generalvikariats in Trier wird in Kürze erwartet.

Dechant Hermann-Josef Ludwig, Diakon Bernd Hammes und Kirchengemeinderat Willi Nickenig präsentieren Muster der Grabplatten, die künftig im Kolumbarium verwendet werden.

„Was früher ein Privileg des Adels und der Geistlichkeit in der Karmeliterkirche war, ist jetzt für jeden möglich“, sagte Ludwig. Die Pfarrgemeinde St. Severus gibt allen Bürgern der Region, gleich welcher Religionszugehörigkeit, die Möglichkeit der Urnenbeisetzung in der Karmeliterkirche. Konfessionslose sind ebenfalls willkommen, an der neuen Bestattungsform teilzuhaben. Hier behält sich die Kirchengemeinde lediglich vor, dass nicht Trauerredner die Bestattung übernehmen, sondern ein katholischer Seelsorger. Reservierungen können nach der Fertigstellung ab Mai vorgenommen werden.

1100 Bestattungsplätze bietet das Kolumbarium, das unter der Orgelempore in der Karmeliterkirche seinen Platz findet. Einzel-, Doppel- und Mehrfachplätze will die Kirchengemeinde anbieten. Die Kosten betragen 1800 Euro für die einzelne Urne, 1600 Euro für jede Urne bei einer Doppelbelegung und 600 Euro je Urne bei einer Mehrfachbelegung (Familie). Bei der Bestattung soll ein weißes Seidentuch (individuelle Gestaltung) über das Aschegefäß gelegt werden. Im Preis enthalten: die Unterbringung, 20 Jahre Ruhezeit, die Unterhaltung des Kolumbariums, inklusive der Steinmetzarbeit und der Namensbeschriftung der Steinplatte. Auf eigene Kosten sind der Beruf oder weitere Beschriftungen oder Symbole auf der Grabplatte möglich. Vor dem Eingang des Kolumbariums besteht die Möglichkeit, Blumen für die Verstorbenen aufzustellen oder eine Kerze anzuzünden. „Alle notwendigen Vorschriften und Genehmigungen liegen uns vor. Der Baukörper der Kirche wird nicht verändert“, betonte Dechant Ludwig bei der Informationsveranstaltung in der Karmeliterkirche gegenüber Interessierten.  

In Holz-Optik wird das Kolumbarium vom Kirchenraum abgetrennt und mit einer Eingangstür versehen.