Mittwoch, 11. Juni 2014

„Als Kind habe ich schon Prinzessin gespielt“

Ausnahmsweise hat Lena I. ihre Weinköniginnenkrone mit in den Kindergarten gebracht.

Trier/Riol Lena I. ist eine echte Königin. Obwohl man es ihr im Alltag gar nicht ansieht. Sie trägt blaue Jeans und ein dunkles Schlabber-Oberteil. Ihre langen braunen Haare sind locker zusammengebunden. Ein praktisches Outfit. Ihr feines, lilafarbenes Kleid oder gar ihre Krone trägt sie bei ihrer Arbeit im Kindergarten St. Valerius in Trier – wo sie ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leistet – nicht. „Das ist zu unpraktisch“, sagt sie. Lena ist Weinkönigin von Riol. In ihrer Königinnen-Garderobe repräsentiert sie an Wochenenden und zu besonderen Anlässen die Weinbaugemeinde Riol in der Region. Sie besucht Weinfeste, geht zu Weinproben und hält Reden. Und von Montag bis Freitag, acht Stunden am Tag, betreut die 21-Jährige „ihre“ Kindergartenkinder. Nun gehen ihre „Regierungszeit“ und ihr FSJ zu Ende.

„Als Kind habe ich schon Prinzessin gespielt“, sagt Lena. Auch im Karneval war sie immer als Prinzessin verkleidet. Mit ihren Schützlingen im Kindergarten spielt sie aber eher Brettspiele. „Die wussten lange Zeit auch nicht, dass ich Weinkönigin bin“, sagt sie. Diese beiden Welten trenne sie in der Regel. Doch als Lena vor ein paar Wochen vor einem ihrer „Königinnentermine“ zu einem Kindergartenfest kam, trug sie war zwar nicht ihr Kleid, aber Schmuck. Ihr Haar war elegant frisiert. Im Gesicht: Make-Up. „Ein Junge hat mich dann mit großen Augen angeschaut“, berichtet Lena und schmunzelt. Ein Mädchen habe überrascht gefragt: „Lena, bist du das?“

Lena ist gelernte Bürokauffrau. „Doch ich wollte nicht in dem Beruf bleiben. Und ich habe mich schon immer für Kinder interessiert“, erklärt sie ihre Entscheidung für das FSJ, das sie über die Sozialen Lerndienste im Bistum Trier leistet. In ihrer FSJ-Zeit nahm sie an einigen Seminaren teil mit anderen FSJlern. Sie lernte viel mit und durch die Kinder – beim täglichen Spielen und Lesen, aber auch bei besonderen Aktionen, wie bei dem „Waldprojekt“. Dabei hören die Vorschulkinder auf die Geräusche im Wald, laufen auf Seilen, oder kommen auch mal an Weinreben vorbei. Umgeben von Weinbergen, da fühle sich Lena I. wohl, sagt sie. „Das ist für mich die Heimat, mein Zuhause.“ Die Beziehung zum Wein liegt in ihrer Familie. Beide Eltern stammen aus einem Weinbaubetrieb. Ihre Mutter und ihre ältere Schwester waren schon Weinkönigin. Auf ihre eigene Zeit in dem Amt hat sich Lena lange vorbereitet. Zwei Jahre war sie Prinzessin. Seit fast einem Jahr ist sie selber Königin. Doch Mitte Juni legt sie ihre Krone nieder. Auch ihr FSJ neigt sich dem Ende zu. Nur eine ihrer beiden „Karrieren“ will sie fortführen. Im Herbst beginnt sie eine Ausbildung zur Erzieherin.

Sie könne viel aus dem vergangen Jahr mitnehmen – aus ihrer Weinköniginnenzeit und ihrem FSJ. „Es bleiben Kontakte, Offenheit, Selbstbewusstsein und das Wissen, was ich will“, sagt sie. In der Anfangszeit im FSJ sei sie schüchtern gewesen. Das hätte sich aber schnell gegeben. Und nun zum Ende ihrer „königlichen“ Amtszeit hält Lena I. fast selbstverständlich eine Rede vor rund 500 Menschen. Ihr feines lila Kleid wird sie danach an den Haken hängen. Ihr künftiges Königreich: Ein Kindergarten. Und ihre „Berufskleidung“: Ein praktisches Outfit.

Weitere Informationen zu den Sozialen Lerndiensten gibt es im Internet unter: www.soziale-lerndienste.de, Facebook: www.facebook.com/soziale.lerndienste oder unter Tel.: 0651-993796-302.