Mittwoch, 1. März 2017

„Auf Augenhöhe“

Kirche und Kunst begegnen einander in Gottesdienst und Ausstellung

Koblenz – Ballett vor dem Altar, ein Monolog aus Bertolt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und ein kraftvolles Lied aus einem bekannten englischen Musical – solch eine Konstellation gibt es nur einmal im Jahr in der Herz-Jesu-Kirche in Koblenz; und zwar am Aschermittwoch der Künstler. An diesem Tag gibt es jährlich einen Gottesdienst unter der Mitwirkung der Mitglieder der Rheinischen Philharmonie, Künstlerinnen und Künstler des Theaters der Stadt Koblenz, des Koblenzer Jugendtheaters sowie des Jugendkammerchors der Singschule an der Liebfrauenkirche.

„Auf Augenhöhe“ lautete das diesjährige Motto. „Deutschland wird bunter und vielfältiger. Vor diesem Hintergrund wollen wir uns auf Augenhöhe begegnen“, begrüßte der Koblenzer Dechant Thomas Hüsch die Gemeinde und erläuterte den Titel des Gottesdienstes. „Wir gehen nun gemeinsam auf die Suche, was ‚auf Augenhöhe‘ bedeutet“, leitete Hüsch die Predigt von Pater Prof. Dr. Edward Fröhling SAC von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar ein.

„Wie schön wäre es, wenn wir uns auf einer Augenhöhe begegnen würden, wenn die Begriffe ‚Schwestern‘ und ‚Brüder‘ nicht nur fromme Worte wären“, erklärte Fröhling, Juniorprofessor für Fundamentaltheologie und Theologie der Spiritualität. „Wie kann man sich auf Augenhöhe begegnen?“ Man müsse hinabsteigen und den Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, zuhören, ohne sie belehren zu wollen. „Es ist durchaus ein Wagnis, von seinem hohen Ross hinabzusteigen. Aber ich möchte Ihnen Mut machen, sich darauf einzulassen und einander zu begegnen - und zwar auf Augenhöhe“, wandte er sich an die versammelte Gemeinde. „Bitte gehen Sie das Risiko ein!“

Man solle die Fastenzeit nutzen, um die Dinge hinter der Wirklichkeit zu sehen, so wie Künstlerinnen und Künstler es könnten. „Sie entdecken in der Welt verborgene Möglichkeiten, so wie wir Christen“, zog Fröhling einen Vergleich. Fasten bedeute, sich neu zu beleben und nicht im immer gleichen Trott dahinzuvegetieren. Eine Flamme werde Asche, darin erinnere der Aschermittwoch. „Es handelt sich aber trotzdem nicht um einen deprimierenden Tag, denn wir Christen geben uns nicht damit zufrieden.“ Das Leben sei nämlich nicht einfach nur Asche. „Wir können neu anfangen, uns beleben. Das ist fasten“, ermunterte der Theologe die Frauen und Männer in der vollbesetzen Kirche. Jedoch reiche es nicht, das Feuer aus dem vergangenen Jahr wieder zu entflammen. „Bleib unruhig, passe dich nicht an und mache das, wofür du brennst“, appellierte er.

„Ich wünsche Ihnen eine Mut machende und zum Aufbruch bereite Fastenzeit auf Augenhöhe“, schloss der stellvertretende Dechant Stephan Wolff den ökumenischen Gottesdienst, an dem auch Superintendent Rolf Stahl von der evangelischen Kirche teilnahm.

Zwischen den Wortbeiträgen gab es Musik, die „zum Eintauchen und drin Baden“ eingeladen habe, freute sich Fröhling. Der Opernchor des Theaters Koblenz präsentierte ein Lied aus „Nabucco“ von Giuseppe Verdi. Der Jugendkammerchor unter der Leitung von Regionalkantor Manfred Faig sang gleich mehrere Stücke und wurde teilweise durch Nikolaus Maler am Fagott begleitet. Richtig poppig wurde es zum Schluss, als das Koblenzer Jugendtheater den Titel „Revolting Children“ aus dem Musical „Matilda“ eindrucksvoll darstellte.

Im Anschluss an den Gottesdienst eröffnete die Arbeitsgemeinschaft Bildender Künstler am Mittelrhein e.V. (AKM) ihre Ausstellung mit dem Titel „Ein Teil des Ganzen IV“ im „Künstlerhaus Metternich“. Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig führte die Vorsitzende der AKM Elisabeth Hansen inhaltliche in die Ausstellung ein.

Veranstalter des Aschermittwochs der Künstler sind auch in diesem Jahr das Dekanat Koblenz und die Stadt Koblenz. Weitere Informationen gibt es im Dekanat Koblenz, Tel.: 0261 9635580

(jf)