Freitag, 7. April 2017

Aufstehen!

Kreuzweg der Jugend führt durch Saarbrücken

Saarbrücken – „Steh auf! Stand up! Lève-toi!“ Die Rufe hallen durch die Schlosskirche in Saarbrücken. 14 Jugendliche, ganz in schwarz gekleidet, halten ein weites, weißes Tuch, unter dem ein Junge liegt. Steh auf, rufen sie und heben das Tuch hoch. Dann lassen sie es wieder fallen und rufen erneut: Steh auf! Bis er endlich wieder aufgestanden ist. Diese Szene war nur ein Teil der ersten Station des ökumenischen Kreuzwegs der Jugend, veranstaltet vom Dekanat Saarbrücken und dem evangelischen Kirchenkreis Saar-West.

„Aufstehen!“ Unter diesem Motto haben am 6. April 15 Jugendliche den Kreuzweg gestaltet, zusammen mit den beiden Schulchören des Deutsch-Französischen Gymnasiums und des Gymnasiums am Schloss sowie einem. Vier Stationen gab es, die über die ganze Innenstadt verteilt waren: in der Schlosskirche, der Johanneskirche und schließlich in der Kirche der Jugend, eli.ja.

In mehr als 50 Stunden hatten die 15 Jugendlichen zusammen mit Pastoralreferent Heiner Buchen und Youn Hui Jeon, Leiterin der Balletschule des Saarländischen Staatstheaters, eine Choreographie zu den vier Kreuzwegsstationen einstudiert. Die Proben fanden im Pavillon des Willi-Graf-Gymnasiums statt. Inhaltliche Vorlage war das Markus-Evangelium, wie Buchen berichtet: „Markus hat sein Evangelium um das Jahr 70 n. Chr. geschrieben, als die Römer einen brutalen Feldzug von Galiläa, im Norden des Heiligen Landes, bis hinunter nach Jerusalem geführt haben. Am Ende stand die Zerstörung des Tempels. Sein Evangelium hat Markus als Gegenentwurf zum römischen Feldzug komponiert. Die Orte, an denen die Heilsgeschichten von Jesus spielen, sind zum Teil Orte, wo laut historischen Quellen Massaker der Römer stattgefunden haben. Die Römer haben die Menschen platt gemacht und die Jesusbewegung hat sie aufgerichtet.“ Diesen Hintergrund haben Heiner Buchen und Youn Hui Jeon mit den Jugendlichen erarbeitet und sie gefragt, wo sie Ereignisse aus dem Evangelium in der heutigen Zeit wiederfinden. „Dabei kamen Themen wie der Krieg in Syrien auf, oder Flucht und wie mit Flüchtlingen umgegangen wird.“

Für die Jugendlichen war es ein ganz besonderes Tanzprojekt, wie Nassima (19), die schon zum zweiten Mal dabei ist, erzählt. „Jedes Tanzprojekt ist unterschiedlich, aber hier hatte vor allem der Inhalt und die Botschaft Priorität.“ Die fünfzehnjährige Lily ergänzt, dass vor allem theatralische Elemente eine Rolle gespielt haben. „Zum Beispiel am Anfang die Soldaten, die über Leichen gehen.“ In der Schlosskirche marschieren die Jugendlichen in drei Reihen das Kirchenschiff entlang. Plötzlich fallen die Vordersten zu Boden und bleiben liegen. Die hinter ihnen Weitermarschierenden steigen einfach über sie drüber. Bis auch sie hinfallen. Die Zuschauer in der gefüllten Schlosskirche beobachten diese besondere Choreographie mit großem Staunen.

Die ersten beiden Stationen waren von Heilsgeschichten aus dem Markus-Evangelium inspiriert. Die dritte Station ist die einzige, die schon seit vier Jahren immer dabei ist: Veronika, die Jesus ein Schweißtuch reicht. „Da setzt sich eine ein“, sagt Heiner Buchen, „da steht eine Frau auf gegen den Terror.“ Die letzte Station zeigt das Leiden und den Tod Jesu. Das Pochen eines Herzens erfüllt die Kirche der Jugend, während sich die Tänzerinnen und Tänzer an der Wand in Qualen krümmen. Am Ende liegen sie alle auf dem nackten Boden der Kirche unter dem großen weißen Tuch. Bis sie wieder aufstehen.

Der Kreuzweg wurde von der Bischof-Stein-Stiftung und der Monsignore-Gammel-Stiftung als ein innovatives Projekt gefördert, das versucht, Glaubensinhalte auf neue und ungewöhnliche Art und Weise zu vermitteln. Auch die Abteilung Schule und Hochschule des Bistums Trier hat das Projekt unterstützt, weil es insbesondere Schülerinnen und Schüler aus Klassen des Berufsgrundschuljahres und Gemeinschaftsschulen aufgenommen hat.

 (dh)