Montag, 3. April 2017

Das Zuhören steht an erster Stelle

Koblenzer blickt auf 25 Jahre in der Militärseelsorge

Koblenz – „Die Freude hat eigentlich überwogen“, fasst Jürgen Strohe nach 25 Jahren in der katholischen Militärseelsorge zusammen. Seit gut zwei Monaten ist der Urkoblenzer, geboren in seinem Elternhaus in Lützel, im Ruhestand.

„Wenn ich nicht so viel Freude gehabt hätte, wäre ich nicht so lange dabei geblieben“, erklärt er. Insbesondere die Kameradschaft unter den Soldatinnen und Soldaten habe er geschätzt. „Das ist auch nichts Aufgesetztes, hier ist man wirklich für einander da“, führt er weiter aus.

Angefangen hat seine berufliche Laufbahn allerdings ganz anders – nämlich als Lokführer bei der Deutschen Bahn. Nach kurzer Zeit wechselte er zunächst in die Verwaltung der Bahn, dann entschied er sich für die Bundeswehr. Strohe kann somit auf 50 Jahre als Bundesbeamter zurückblicken.

Doch auch die Kirche spielte immer eine große Rolle in seinem Leben. „Daher war die Stelle des Militärseelsorgers genau das Richtige für mich“, erklärt der Religionspädagoge. „Soldatinnen und Soldaten kamen insbesondere in Lebenskrisen zu mir, obwohl dies in den letzten Jahren gar nicht mehr meine Hauptaufgabe war“, erklärt Strohe. Er koordinierte beispielsweise die Seelsorge bei Auslandseinsätzen. Trotzdem habe er stets ein offenes Ohr gehabt. „Ich habe immer versucht, mich in die Situation der Menschen hinein zu fühlen, obwohl das sehr zeitintensiv ist.“ Schade wäre es daher, dass in den Zivilgemeinden Seelsorgerinnen und Seelsorger kaum noch Zeit für solche Gespräche hätten. Das Zuhören stehe für ihn in der Seelsorge an erster Stelle. Es war ihm wichtig, den Ratsuchenden zu helfen, wieder auf den Weg zu kommen und mitunter eine belastende Herausforderung zu bewältigen. „Oftmals handelte es sich um sehr schmerzhafte Situationen, wie der Verlust eines lieben Menschen oder die Trennung vom Partner.“ Die Gesprächsthemen seien ähnlich wie in der Gemeinde außerhalb der Bundeswehr. „Der Soldat ist ja auch Mensch. Sie sind genauso dieser Welt ausgeliefert wie jeder andere.“

Ein großes Thema sei für die christlichen Soldaten die Vereinbarkeit ihres Glaubens mit ihrem Beruf. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, wie er damit umgehe. „Das Thema wird in der Bundeswehr aber sehr gut und gewissenhaft aufgearbeitet“, sagt Strohe. Doch bleibe es eine Gewissensentscheidung. „Ich persönlich bin gegen jegliche Gewalt, aber wenn es nicht mehr anders geht, kann es passieren, dass man zur Waffe greifen und zurückschlagen muss.“ Zunächst einmal versuchten Soldaten aber friedenstiftend zu arbeiten. „Soldaten sind sehr, sehr gute Menschen, die einen beschützenden und behütenden Charakter in sich tragen.“ Soldaten seien keine Art Rambo. „Sondern sie sind ein wichtiger Beitrag zum Frieden in der Welt.“ In der Öffentlichkeit würde es oft falsch aufgefasst.

Ein weiteres Anliegen war Strohe der interreligiöse Dialog innerhalb der Bundeswehr. „Im Zentrum Innere Führung in Koblenz gibt es alle drei Monate ein ‚Frühstück der Religionen‘, welches ich sehr begrüße. Hier kommen unter anderem Buddhisten, Juden, Christen und Muslime zusammen, um sich als Menschen zu begegnen.“ Es gehe um das Kennenlernen im Alltäglichen.

 In der neuen Situation des Ruhestandes widmet sich Strohe nun noch mehr seinem Glauben. Auch weiterhin engagiert er sich in verschiedenen Ehrenämtern in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Dreifaltigkeit in Koblenz. Er ist zudem geistlicher Begleiter und Begleiter von Exerzitien im Alltag. Im Mai übernimmt er die Leitung einer religiös-spirituellen und kulturellen Reise ins Elsass.

(jf)

Wie gehen die Soldaten damit um, Christ und Soldat zu sein?