Montag, 20. März 2017

Die Leidensgeschichte Jesu ohne Worte

Pantomime JOMI mimt die Passion in der Jugendkirche MIA in Rappweiler.

Rappweiler – Die Leidensgeschichte Jesu hat Johann Sebastian Bach zu großartigen Kompositionen inspiriert und Schauspieler und Regisseur Mel Gibson zu dem Film „Die Passion“. Am Sonntag, den 19. März, zeigte Pantomime „JOMI“ in der Jugendkirche MIA in Rappweiler seine ganz eigene Interpretation des Kreuzwegs.

JOMI, der mit bürgerlichem Namen Johann Michael Kreutzer heißt, stammt aus Bous. Durch eine Hirnhautentzündung in jungen Jahren verlor er sein Gehör. Er studierte bei dem großen französischen Pantomimen Marcel Marceau an der École de mimodrame in Paris und ist mittlerweile selbst ein weltweit berühmter Pantomime. Für seine Verdienste um die Pantomime und die interkulturellen Beziehungen in Europa verlieh ihm Bundespräsident Johannes Rau 1999 das Bundesverdienstkreuz.

Mit dem unverkennbaren weiß geschminkten Gesicht der Pantomimen und in weißer Hose und weißem Hemd steht JOMI auf der Bühne in der Jugendkirche in Rappweiler und mimt ganz ohne Worte die verschiedenen Figuren aus der Bibelgeschichte: Ob Pontius Pilatus, der Jesus mit dem nach unten gerichteten Daumen verurteilt, ob Jesus selbst oder einer seiner Peiniger, der ihn foltert – JOMI springt im wahrsten Sinne des Wortes von einer Rolle in die nächste, ohne das wie Klamauk aussehen zu lassen. Seine Gesten sind klar und in seinem Ausdruck liegen die gewaltigen Emotionen der Passion: Die Schmerzen, die Wut und die Trauer. „Am Anfang war es ein bisschen schwierig zu folgen, aber nach einer Weile ging es sehr gut.“ Der neunzehnjährige Nils ist extra aus Schmelz nach Rappweiler gekommen, um diesen besonderen Kreuzweg zu sehen.

Unter den mehr als 150 Zuschauern herrscht Totenstille, als JOMI unter dem Gewicht des imaginären Kreuzes zusammenbricht und unter größten Anstrengungen versucht, sich und das schwere Kreuz wieder aufzurichten, um weiterzugehen. JOMI gelingt es, die Passion in aller Stille ergreifend darzustellen. Insgesamt sieben Stationen mimt er: Von der Verurteilung über die Begegnungen bis hin zum Leben, der letzten Station. Zwischen den einzelnen Szenen spielt Thomas Kirf Stücke auf der Orgel.

Ab der fünften Station der Aufführung – JOMI mimt wie Jesus seiner Kleider beraubt wird – ändert sich das Bühnenbild. Der Pantomime steht nicht mehr vor der Bühne, sondern hinter einem weißen Tuch, das von hinten beleuchtet wird. Der Künstler ist nur noch als Schatten zu sehen. Am Ende der Aufführung ist er ganz verschwunden und nur noch die Umrisse des leeren Kreuzes, das langsam verblasst, zeichnen sich ab. Dann fällt der Vorhang und das blanke Holzkreuz steht alleine auf der Bühne. „Ich hätte mir es nicht vorgestellt, dass es so bildlich dargestellt wird und dass so viel mit Licht gearbeitet wird“, fasst Nils am Ende der Vorstellung zusammen. „Es war immer ganz anders als man es sich vorgestellt hat.“ Unter großem Applaus verabschiedet sich JOMI von Rappweiler, doch der Pantomime kommt wieder: Ende des Jahres wird es einen Workshop für die Jugendlichen der Jugendkirche MIA mit JOMI geben. Weitere Informationen: www.jugendkirche-mia.de

(dh)