Bistum Trier
Montag, 21. Juli 2014

Friede und Toleranz beim Landesfest groß geschrieben

Ökumenische Kirchenmeile und Friedensweg auf dem Rheinland-Pfalz-Tag

Die Schülerinnen und Schüler des Rhein-Wied-Gymnasiums machen sich gegen Rassismus stark und sind auf den Friedensweg mit ihrem Schulseelsorger Andreas Bühler (3.v.l.) mitgegangen.

Neuwied Ganz im Zeichen der Ökumene und des interreligiösen Dialogs stand der Rheinland-Pfalz-Tag in Neuwied, der am 20. Juli zu Ende gegangen ist. Abseits des Trubels der großen Bühnen und der gastronomischen Angebote präsentierten sich auf der Pfarrstraße Einrichtungen des Bistums Trier und anderer christlicher Gemeinschaften auf der ökumenischen Kirchenmeile.

Erster Höhepunkt und ein Zeichen für Frieden und Toleranz war am Freitagnachmittag vor dem offiziellen Start des Rheinland-Pfalz-Tags der Neuwieder Friedensweg. Vom Hof des Neuwieder Schlosses am jüdischen Denkmal vorbei ging es mit einer 1,50 Meter großen Skulptur – dem Engel der Kulturen – durch die Neuwieder Fußgängerzone bis zur Engerserstraße, wo ein aus Glas gefertigter blauer Engel als Bodenintarsie verlegt wurde. Das Projekt solle die interreligiösen und interkulturellen Begegnungen fördern, erklärten die Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten. Unter den Muslimen, Christen, Juden und Vertretern anderer Religionen hatten sich auch Schülerinnen und Schüler des Rhein-Wied-Gymnasiums mit ihrem Schulseelsorger Andreas Bühler auf den Friedensweg gemacht. In einem kleinen Vortrag am jüdischen Denkmal stellten sie die Arbeit ihrer Schule gegen Rassismus vor. Die 17-jährige Lorena Nick sagte, es gebe viele Arbeitsgemeinschaften, die sich mit dem Thema beschäftigten. Einmal wöchentlich gebe es eine Stunde für Unterstufenschüler, in der sie über Probleme sprechen und sich austauschen könnten. Ihr Mitschüler, der 17-jährige Mubaris Nadeem gehört zur Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde. Seine Gemeinschaft wolle ein Zeichen gegen Intoleranz und Hass setzen und Vorurteile gegenüber dem Islam abbauen. „Wir glauben, dass jede Religion eine Art Kontakt zwischen Leuten herstellen will, dass sie die Liebe zwischen Menschen aufbauen will.“ Die lange Tradition der Religionsfreiheit in Neuwied hoben Oberbürgermeister Nikolaus Roth und Ministerpräsidentin Malu Dreyer in ihren Ansprachen hervor. „Neuwied ist dafür bekannt, dass es seine religiöse Vielfalt lebt. Wie hier Dialog gepflegt wird, ist eine wunderbare Sache“, sagte Dreyer.

Der Dialog wurde auch auf der ökumenischen Kirchenmeile auf der Pfarrstraße gepflegt. Weiß-blaue, quer über die Straße gespannte Stoffbahnen symbolisierten dabei das Motto: „Alle unter einem Himmel“, das die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Neuwied gewählt hatte. „Damit wollten wir auf die lange und gute Tradition der Ökumene in Neuwied aufmerksam machen. Immerhin ist unsere ACK mit 30 Jahren die älteste in Rheinland-Pfalz“, sagte Hermann Josef Schneider vom Vorbereitungsteam der ACK. So lud etwa die Ruhe-Oase mit Palmen, kühlen Getränken und einem Sinnesparcours zu kleinen Auszeiten ein. Martina von Berg vom Caritasverband Rhein-Wied-Sieg stand hier am Freitag als Gesprächspartnerin bereit. Im Schatten der Oase verteilte sie Postkarten mit Rosen und frisch gebackenes Brot an die Besucher. „Für echte Rosen wäre es zu warm gewesen, daher die Karten“, lacht die Leiterin des Projekts „Medico-Mentoren“ für Migrantinnen und Migranten. Interessierten gebe sie Auskunft über das Projekt oder allgemein zur Caritas-Arbeit. 

Im ACK-Informationszelt nebenan steht Benny Müller von der Neuapostolischen Kirche, die seit einem Jahr einen Gaststatus in der ACK besitzt. „Es ist eine warme, schöne, gewinnbringende Gemeinschaft, in der wir hier in Neuwied arbeiten“, sagt er. Gemeinsam sei allen Gemeinschaften der ACK die christliche Botschaft, die sich konkret an die Menschen richte: „Liebevoll miteinander umgehen, Rücksicht nehmen und füreinander da sein, dort wo sich Menschen begegnen, auch auf der Arbeitsstelle – das ist uns wichtig und das wollen wir hier rüberbringen.“ Eine Kreativaktion auf der Kirchenmeile öffnete dabei auch den Blick auf Menschen, denen es weniger gut geht. So konnten Kinder und Eltern dort für die „Müllkinder von Kairo“ kleine Kunstwerke aus Müll fertigen. Theologische und gesellschaftspolitische Themen bot die Bühne des diakonischen Werks ein Stück die Straße hinunter. Auf der „Blauen Couch“ nahmen auch an diesem Rheinland-Pfalz-Tag wieder viele prominente Platz und standen Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr in kurzen Interviews Rede und Antwort, darunter auch Weihbischof Jörg Michael Peters, Malu Dreyer und Julia Klöckner. Auch die Neuwieder Kirchen waren in das ACK-Programm mit einbezogen: Während die evangelische Marktkirche mit einer Kunstinstallation zu den vier Elementen aufwartete, bot die Matthiaskirche die missio-Ausstellung „Glaubenszeugen“.

Ein gemeinsames Gebet bildete den Abschluss des Friedensweges durch Neuwied, als der "Engel der Kulturen" im Boden verlegt wurde.