Sonntag, 5. Juli 2015

Gott liebt diese Welt

Pueri Cantores: 7. Deutsches Chorfestival endet mit Gottesdienst

Trier – „Musik hat eine weltverändernde Wirkung.“ Das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann beim Abschlussgottesdienst des 7. Deutschen Chorfestivals des Verbandes Pueri Cantores im Trierer Dom gesagt. Seit dem 1. Juli waren rund 3.000 Kinder und Jugendliche in Trier zu Gast und hatten gemeinsam gesungen, gefeiert und gebetet. Das Festival des katholischen Chorverbands stand unter dem Motto „Gott liebt diese Welt“. Es war Teil des Kunstprojektes „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ der Deutschen Bischofskonferenz zum Konzilsjubiläum. Der Gottesdienst war geprägt vom gemeinsamen Gesang der rund 2.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die unter anderem die „Missa Pueri Cantores Treverensis“ von Christian Matthias Heiß aufführten.

Musikalische Botschafter des Friedens

Der Bischof sagte, in den vergangenen Tagen hätten die Kinder und Jugendlichen das Motto „Gott liebt diese Welt“ immer wieder gesungen und gebetet. Wenn nun gemeinsam Eucharistie gefeiert werde, werde ganz besonders deutlich, dass Gott diese Welt nicht nur geliebt hat als er sie schuf. „Er liebt sie auch heute, er steht zu seiner Welt und gibt sie in unsere Hände – und er gibt uns seinen Sohn in Fleisch und Blut: Das ist der Ausdruck höchster Liebe.“ Er habe es sehr bewundert, dass die Chöre keinen „Sängerwettstreit“ beim Festival ausgetragen, sondern aufeinander gehört, sich gegenseitig applaudiert und so „wunderbare Gemeinschaft“ erfahren hätten. Aber schließlich habe der Gründer des Verbandes, Abbé Fernand Maillet, den Wunsch gehabt, dass die Pueri „musikalische Botschafter des Friedens in dieser Welt“ sein sollten. Und diese Botschafter brauche es dringender denn je, denn Papst Franziskus habe recht, wenn er von einem dritten Weltkrieg spreche, der „stückchenweise an verschiedenen Orten“ ausgetragen werde. „Aber kann man den Frieden herbeisingen?“ fragte Ackermann, um gleich darauf die Antwort zu geben: „Der Gesang ist eine wirksame Methode, am Frieden zu arbeiten.“

Gott stimmt immer in das Lied ein

Die Kinder und Jugendlichen hätten in diesen Tagen die Erfahrung gemacht: „Wir sind nicht allein, sondern in einer Gemeinschaft, die uns stärkt und trägt.“ Doch man müsse auch ehrlich sagen, dass diese Erfahrung eher zu den „seltenen Highlights“ im Leben gehöre. Oft blieben Menschen mit ihrem Lied, das von Sinn, Frieden, Liebe und dem Wunsch nach Gemeinschaft singe, allein. „Doch als Christen dürfen wir sagen: Wir singen nie einfach ins Dunkel. Da ist immer einer, der mein Lied hört: Gott. Er stimmt immer auch mit ein.“ Manchmal habe er den Eindruck, sagte Ackermann, dass Gott selbst sogar ein Lied in ihm anstimme, wenn eine bestimmte Melodie einfach in ihm aufsteige. Das lasse ihn ruhiger werden, Vertrauen fassen, Frieden finden. „Ihr, die ihr so viel singt, habt das Privileg, dass ihr in eurem Herzen ganz viele Melodien ‚gespeichert‘ habt“, rief er den Sängerinnen und Sängern zu. Es seien oft Melodien, die mit den Worten der Heiligen Schrift verbunden seien. „Wenn ihr mit Gott in Verbindung bleibt, dann wird er euch helfen, dass die Melodien und die Worte euch finden, wenn ihr sie braucht, und in euch aufsteigen und zum Gebet werden.“

Grüße von Papst em. Benedikt

Monsignore Robert Tyrala (Krakau), Präsident von Pueri Cantores International, überbrachte Grüße des emeritierten Papstes Benedikt XVI, den er bei der Verleihung einer Ehrendoktorwürde im kirchenmusikalischen Bereich getroffen habe. „Er hat mir gesagt, dass er unsere Arbeit segnet.“ Tyrala sagte den jungen Leuten „Danke für den schönen Gesang“, und richtete den Dank auch an die Chorleiterinnen und –leiter, Lehrer und Begleiter. Er lud die Chöre zum Internationalen Treffen des Verbandes Ende des Jahres in Rom ein, „wo wir mit Papst Franziskus unsere Hoffnung singen werden“.

Der Klang möge uns weitertragen

Der Präsident von Pueri Cantores Deutschland, Matthias Balzer, sagte, der Dom zu Trier spiegele wie kaum ein anderes Gotteshaus in Deutschland „die Geschichte Gottes mit uns Menschen und seine Liebe zu uns“ wider. Die Kinder und Jugendlichen hätten die Mauern des Domes in einer Weise zum Klingen gebracht, wie das Gotteshaus es in seiner langen Geschichte sicher nicht allzu oft erlebt habe. „Nehmt diesen Klang mit in eure Chöre und mit in eure Herzen – und dorthin, von wo ihr gekommen seid.“ Balzer bat die jungen Sängerinnen und Sänger, den Klang in die Städte und Gemeinden zu den Menschen zu tragen, die ihn brauchten, so wie sie das bei den Konzerten in den sozialen Einrichtungen in Trier am 2. Juli getan hatten. „Ich wünsche uns, dass uns dieser Klang weiterträgt, bis wir uns beim nächsten Festival wiedersehen!“

Der Gottesdienst stand unter der musikalischen Leitung von Domkapellmeister Thomas Kiefer, der auch Projektleiter des Festivals war. Der Gesamtchor der Festivalteilnehmer wurde vom Kathedraljugendchor Trier als sogenannter Ansingechor geführt; begleitet wurden die Sängerinnen und Sänger von den Trierer Dombläsern und den Organisten Josef Still und Ulrich Krupp. Der Gottesdienst wurde vom Kölner domradio live übertragen und kann unter www.domradio.de abgerufen werden.

Viele Bilder aus dem Gottesdienst und der anderen Tage des Chorfestivals sind hier zu sehen.