Freitag, 10. März 2017

„Kein Tag ist wie der andere“

Harald Friebel arbeitet als Bundesfreiwilliger in der Trierer Bahnhofsmission

Trier   In der hellgrünen kleinen Küche stehen eine Dose Bohnen, Kekse, Kaffeepulver und Teebeutel. Denn wenn Menschen vorbeikommen, die sich aufwärmen wollen, oder einfach ausruhen, erklärt Harald Friebel, „dann bekommen sie Getränke, manchmal etwas zu essen – und bei Bedarf auch ein Gespräch“.  Seit April letzten Jahres arbeitet der 48-Jährige in der Bahnhofsmission Trier – als Freiwilliger im sogenannten Bundesfreiwilligendienst (BFD). Begleitet wird er dabei von den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier.

Wenn er seiner Arbeit eine Überschrift geben sollte, sagt Friebel, dann wäre das: „Kein Tag ist wie der andere.“ Denn wenn er zur Bahnhofsmission an Gleis 11E am Trierer Hauptbahnhof kommt, dann wisse er nicht, was ihn erwarte. „Man lernt so viele verschiedene Menschen kennen.“ Manchmal müsste er improvisieren oder sich mit Händen und Füßen verständigen, wenn Asylsuchende  auf dem Weg zur Aufnahmestelle in Trier Zwischenstation im Bahnhof machen. „Das geht irgendwie“, sagt er und lacht. Einmal sei eine Frau mit einem überladenen Fahrrad und Anhänger  gekommen, die eine Unterkunft für die Nacht gebraucht habe. Da hat Friebel sie und den „Fahrrad-Caravan“ durch den Trierer Verkehr zur Notunterkunft begleitet und gelotst. Sehr gut in Erinnerung ist ihm auch ein Gespräch, das er mit einem Drogenkranken geführt hat, der sich am Ende herzlich dafür bedankte. „Wir können das Leid der Menschen nicht wegnehmen“, sagt Friebel. „Wir können es aber lindern und dafür sorgen, dass sie sich als vollwertige Menschen wahrgenommen fühlen.“ Dabei steht die Bahnhofsmission nicht nur Hilfesuchenden offen. Jede und jeder ist dort willkommen. Eine Frau etwa käme öfter einfach nur zum Skatspielen.

Friebel selbst hat ein vielfältiges Leben hinter sich. In Marburg geboren, in Trier aufgewachsen, in Bochum studiert, in Hamburg gearbeitet. Auch in Spanien hat er eine Zeit lang gelebt. Gesundheitliche Gründe führten den Heilpraktiker von Hamburg wieder nach Trier. In seinen erlernten Beruf konnte er nicht mehr zurück. Rund zwei Jahre suchte er nach neuen Perspektiven. Dann wurde er von einem Sachbearbeiter im Jobcenter auf den BFD aufmerksam gemacht. „Als ich das Wort Bahnhofsmission gehört habe, habe ich sofort Ja gesagt“, berichtet er mit begeisterten Blick. „Es ist eine interessante und wertvolle Arbeit.“ Zudem mache es ihm viel Freude. „Das Team hier hat mich auch sehr freundlich aufgenommen.“ Insgesamt sechs Männer und Frauen arbeiten in der Bahnhofsmission, die eingebunden ist in das Hilfeverbundsystem des Caritasverbandes Trier. Sie unterstützen Reisende, helfen Älteren, Blinden und Menschen mit anderen  Behinderungen beim Ein- und Umsteigen, unterstützen in Notsituationen, vermitteln weiter, oder sind einfach da. Insgesamt 2067 Kontakte gab es allein im letzten Jahr.

Noch bis September wird Friebel als Freiwilliger in der Bahnhofsmission Trier tätig sein – immer zu den Öffnungszeiten, montags bis freitags, von 13 bis 17 Uhr. Einmal im Monat besucht er Seminare bei den Sozialen Lerndiensten und tauscht sich mit anderen Freiwilligen aus. „Das ist eine wertvolle Ergänzung“, sagt Herr Friebel. Dann zieht er sich seine blaue Jacke an. „Bahnhofsmission“ steht vorne und hinten auf dem Logo. Mit einer Kollegin wird er kurz eine Runde über den Trierer Bahnhof gehen – um zu sehen, wo er helfen kann. Denn kein Tag ist wie der andere.

Wer Interesse an einem ehrenamtlichen Engagement bei der Bahnhofsmission hat, kann sich melden bei: gentgen.michael@carita-region-trier.de. Weitere Infos: www.rcvtrier.caritas.de. 

Weitere Informationen zum BFD und den Sozialen Lerndiensten unter: www.soziale-lerndienste.de. 

(ChW)