Mittwoch, 11. März 2015

Lebens.Raum Psalmen an fünf Orten in Simmern erleben

Ausstellungsräume in Kirchen und Geschäften regen zum Nachdenken an

Vor dem "Sozial.Raum" in der Kirche St. Josef: Dr. Jochen Wagner, Vorsitzender des Arbeitskreises christlicher Kirchen im Südwesten, Dekanatsreferent Günther Greb, Pastoralreferentin Anna Werle, Dechant Ludwig Krag, Georg Falke, KEB Koblenz, und Pfarrer Gottfried Heß.

Simmern – Sie fluchen, klagen, loben, drücken Freude und Schmerz, Hoffnung und Trauer, aber auch Dank aus: Die Psalmen. Dass die kurzen Gebete auch heute aktuelle Lebensfragen aufgreifen, möchte die Ausstellung Lebens.Raum Psalmen zeigen, die am 9. März in der katholischen Kirche St. Joseph feierlich eröffnet worden ist. Noch bis zum 20. März können Besucher die fünf verschiedenen „Räume“ mit unterschiedlichen Themen an fünf verschiedenen Orten erleben.

Ursprünglich im jüdischen Kulturkreis als Hausgebete entstanden, spiegeln die Psalmen sämtliche Erfahrungen menschlicher Existenz wider – Leid, Freude, Trauer, oder Dankbarkeit. Die Organisatoren hätten das Experiment gewagt, diese Gebete dorthin zu bringen, wo sie hingehören: „mitten ins Leben, in den Alltag der Menschen“, erklärte Pastoralreferentin Anna Werle vom Dekanat Simmern-Kastellaun bei der Begrüßung vor der vollbesetzten Kirche St. Josef. So sei etwa im Optiker-Fachgeschäft Brillen Birk der „Welten.Raum“ zu finden, der die Freude über die Natur und den Kosmos als Gottes Schöpfung ausdrücke, im „Frei.Raum“ im Bekleidungsgeschäft Messerich zeigten Psalmen, wie Menschen trotz Verfolgung und Bedrohungen im Vertrauen darauf leben, behütet und beschützt zu sein. Bittere Klagen und das Gefühl von Verlassensein begegnen den Besuchern im „Dunkel.Raum“, der mit den düsteren Gemälden von Edward Munch illustriert ist, während der „Sozial.Raum“ in der katholischen Kirche St. Josef das aktuelle Thema sozialer Ungerechtigkeit, Gewalt und Ausbeutung aufgreift. Auch die Kreissparkasse mit ihrer Filiale am Schinderhannesturm hat sich beteiligt und beherbergt den „Klang.Raum“. Werle dankte der evangelischen Kirche, der evangelisch methodistischen Kirche und der freien evangelischen Gemeinde dafür, dass die ökumenische Vorbereitung des Projekts so gut funktioniert habe. Sie freue sich darüber, dass auch Vertreter der Moschee-Gemeinde Simmern zur Eröffnung gekommen seien.

Eine Einführung zu den Psalmen und den fünf Ausstellungsräumen gab Georg Falke, Bildungsreferent der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz. „Die Psalmen sind förmlich dazu geschaffen, die eigenen Lebensdaten, unsere Biografie, in sie einzutragen. Denn in ihnen hat sich die ganze Spannweite menschlicher Erfahrung niedergeschlagen“, so Falke. Ob in ihnen Klage, Fluch, Lob oder Dank an Gott gerichtete sei – hier komme alles zur Sprache, was Menschen bewege. Auch Jesus sei mit ihnen aufgewachsen, habe sie gebetet und rezitiert. „Wer sich näher mit ihnen beschäftigt, wird feststellen, dass sie „Literatur von unten“ sind – mehrheitlich geschrieben von Armen, Unterdrückten, Verfolgten und Gepeinigten.“ Die Psalmen hätten über Jahrhunderte hinweg Menschen als Inspiration gedient – darunter Künstlern wie Rose Ausländer, Nelly Sachs oder Arnold Stadler.

Musikalisch wurde die Eröffnungsfeier vom Dekanatsjugendchor „no limits“ unter der Leitung von Dekanatskantor Volker Klein gestaltet. In Simmern gibt es während der Ausstellungszeit mehrere Begleitveranstaltungen, etwa Konzerte, Impulsgespräche oder einen ökumenischen Frauengottesdienst. Nähere Informationen dazu gibt es beim Dekanat Simmern-Kastellaun, Tel. 06761-91523-13, bei der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz, Tel.: 0261-9635590 sowie im Internet auf www.lebensraumpsalmen.de.

Die Ausstellung (konzipiert von der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Erwachsenenbildung) ist in Simmern ein ökumenisches Projekt. Sie wird veranstaltet vom Dekanat Simmern-Kastellaun, dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach, der Freien Evangelischen Gemeinde Simmern, der Evangelisch-methodistischen Kirche Simmern, der KEB Rhein-Hunsrück-Nahe und der evangelischen Erwachsenenbildung Rheinland-Süd.