Dienstag, 7. März 2017

Menschen auf MISEREOR aufmerksam machen

60 Wallfahrerinnen und Wallfahrer bringen Hungertuch von Würzburg nach Trier

Die Wallfahrer auf dem Weg nach Trier.

Würzburg/Trier – Staunend bleiben einige Stadtbesucher stehen, als eine singende Menschentraube durch die Porta Nigra hindurch in die Trierer Fußgängerzone zieht. Zwar hat so manch einer der Reisenden Blasen an den Füßen oder es schmerzt der Rücken, doch beim „Lobe den Herren meine Seele“ singen sie inbrünstig mit. An der Spitze trägt die Gruppe ein mehrere Quadratmeter großes Banner, darauf links eine menschliche Silhouette gesprenkelt in Grün-Blau, rechts eine Silhouette in Gelb-Orange, beide Menschen verbunden durch ihre Arme. „Was ist denn das?“, fragen einige neugierig am Straßenrand und bilden eine Gasse. Eine Passantin liest laut vor, was auf dem Tuch in Großbuchstaben geschrieben steht: „MISEREOR Hungertuchwallfahrt“.

60 Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus ganz Deutschland haben am 4. März das MISEREOR-Hungertuch „Ich bin, weil du bist“ nach Trier gebracht. Dort wurde am 5. März die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks MISEREOR eröffnet. Das Hungertuch – in der Fastenzeit verhüllen in vielen Kirchen solche Tücher die bildliche Darstellung Jesu – ist fester Bestandteil der Aktion. Die Wallfahrerinnen und Wallfahrer waren am 28. Februar in Würzburg aufgebrochen, dem Eröffnungsort der Fastenaktion im letzten Jahr. Tag und Nacht trugen sie im Wechsel, aufgeteilt in vier Gruppen, das vom afrikanischen Künstler Chidi Kwubiri gestaltete Tuch. Zusammen legten sie in den fünf Tagen insgesamt eine Strecke von 300 Kilometern zurück, trotzten Sturm, Regen und Kälte.

Mit dabei aus dem Bistum Trier war Werner Bühler aus Wittlich. „Zehn- oder zwölfmal“ sei er schon bei der Hungertuchwallfahrt mitgelaufen. Seit 1986 gibt es diese Tradition, zum Eröffnungsort der Fastenaktion zu gehen. In Traben-Trarbach war der 74-Jährige zur Gruppe gestoßen. „Auf einer Isomatte schlafen – irgendwann kommt man auch an seine Grenzen“, sagte er. Dennoch: In seinem Heimatbistum ein Teilstück mitzulaufen, das wollte er sich nicht nehmen lassen. „Es ist wieder wunderbar, dabei zu sein, alte Bekannte zu treffen und neue Gesichter kennenzulernen“, sagte er. „Ich will das Anliegen von MISEREOR, die Entwicklungszusammenarbeit, in die Öffentlichkeit bringen.“ Das möchte auch Steffi Spiegel (50) aus Neustadt. Für sie bot die Einkehr in den Pfarrgemeinden eine gute Gelegenheit „über das Hungertuch und die Aktion zu sprechen“. Dort und unterwegs könne man erzählen, aufmerksam machen „für Veränderungen in der Welt“.

Im Pfarrheim in Trier-Pfalzel, der letzten Einkehrstation vor dem Ziel Trier, kamen am Samstagmorgen wieder alle vier Gruppen und MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel zusammen, um das letzte Wegstück gemeinsam zu gehen. Der Freiburger Erzbischof und MISEREOR-Bischof Stephan Burger sowie Künstler Kwubiri aus Nigeria trugen das Hungertuch ein Stück auf ihren Schultern an der Mosel entlang, an saftig grünen Wiesen vorbei bis in die Stadt hinein. „Es ist für mich überwältigend“, sagte Kwubiri (50). Er sei glücklich, mitmachen zu dürfen. „Was ich hier trage ist nicht nur ein Kunstwerk von mir. Ich sehe Respekt, Einheit und Liebe.“ Bischof Dr. Stephan Ackermann empfing sie zu afrikanischen Trommelklängen bei den Weißen Vätern. „Auch wenn zuletzt die Beine schwer werden und das Kreuz weh tut“, sagte Steffi Spiegel: „Es lohnt sich.“

Hintergrund:

Die MISEREOR Fastenaktion ist am 5. März im Trierer Dom von Bischof Dr. Stephan Ackermann und MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Monsignore Pirmin Spiegel eröffnet worden. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die Welt ist voller Ideen. Lass sie wachsen.“ und stellt die Innovationskraft afrikanischer Bäuerinnen und Bauern in den Blickpunkt. Bis zum Ostersonntag sammelt MISEREOR bundesweit Spenden für seine Projekt- und Lobbyarbeit in Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten, in Asien und Ozeanien. Weitere Informationen gibt es unter www.misereor2017.bistum-trier.de.

(lb)