Freitag, 1. August 2014

„Menschen Freude bereiten“ – auch nach 50 Jahren

450 Männer und Frauen starten Freiwilligendienst im Bistum Trier

Trier/Koblenz/Saarbrücken 450 Männer und Frauen aus dem ganzen Bistum Trier sind am 1. August zu ihrem Freiwilligendienst ausgesandt worden – im Rahmen eines Gottesdienstes im Trierer Dom. In Einrichtungen wie Krankenhäusern, Behindertenwerkstätten. Wohnheimen, Grundschulen oder Kindertagesstätten werden sie ab jetzt ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) leisten. An der Feier nahmen zudem 200 Freiwillige aus Einrichtungen der Marienhaus Unternehmensgruppe teil, sowie unter anderem Vertreter der Einsatzstellen und aus der Politik. Und im Rahmen des 50. Jubiläums des FSJ waren auch ehemalige Freiwillige dabei. Insgesamt haben rund 10.000 Männer und Frauen in den letzen 50 Jahren einen Freiwilligendienst im Bistum Trier geleistet.

"Wenn Kinder lachen, scheint die Sonne"

Anette Brabant ist heute 43 Jahre alt. Die Triererin hat von 1988 bis 1989 ihr FSJ beim Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) in Trier geleistet, in einer Mutter-Kind-Einrichtung. „Ich habe damals meinen Traumberuf kennengelernt“, sagt sie. Und 14 Jahre nach ihrem FSJ kehrte sie zu ihrer früheren Einsatzstelle zurück. Brabant ist heute Teamleiterin des Pflege- und Erziehungsdienstes des SKF. Und betreut selbst Freiwillige. Das FSJ sei eine „Chance, eine Orientierung im sozialen Beruf zu bekommen.“ Außerdem sei die Begleitung der jungen Leute sehr gut – durch die Einrichtungen und die Sozialen Lerndienste im Bistum Trier. So böten die Seminare die Möglichkeit, sich mit Freiwilligen aus anderen sozialen Bereichen auszutauschen. „Und ich habe heute noch bestehende Freundschaften zu anderen FSJlern.“

„Wenn Kinder lachen, scheint die Sonne“, sagt Anja Schumacher (19) aus Butzweiler. Daher hat sie sich für ein FSJ im Kindergarten St. Valerius in Trier entschieden. „Das FSJ eröffnet viele Möglichkeiten“, sagt die junge Frau. Und es gebe einem Zeit, sich zu orientieren. Nach ihrem Abitur ging Schumacher für drei Monate nach Kenia um in einem sozialen Projekt zu arbeiten. Nun beginnt sie ihr FSJ – obwohl sie kurzzeitig überlegt hatte, etwas Handwerkliches zu lernen. Doch „Menschen Freude zu bereiten“, erklärt sie, durch ihr Engagement, sei „erfüllend“.

Sehen, was Spaß macht

Vor 20 Jahren, von 1993 bis 1994, hat Ulrike Goebel aus Schiffsweiler ihr FSJ in der Gemeinwesenarbeit Friedrichsthal der Caritas geleistet. „Ich habe viel Menschenkenntnis aus dem FSJ mitgenommen“, sagt die 43-Jährige heute. „Und vor allem die Erkenntnis, dass ich im sozialen Bereich gut aufgehoben bin.“ Begonnen hatte ihre berufliche Karriere mit einer Ausbildung im öffentlichen Dienst. „Doch ich war nicht zufrieden.“ Daher habe sie überlegt, ob der soziale Bereich etwas für sie sei. Goebel hat mittlerweile wieder zurückgefunden an die Stätte ihres FSJ. Und sie betreut dort heute selbst FSJler.

Einer ihrer künftigen Schützlinge ist Clara Schetting aus Sulzbach. Die 20-Jährige weiß bereits, was auf sie zukommt. „Als Kind war ich bei den Kinderfreizeiten und dem Ferienprogramm immer dabei“, sagt sie. Bald wird sie selbst Veranstaltungen und Ferienangebote mitplanen. „Ich freue mich auf das FSJ“, sagt sie, „weil ich gespannt bin, wie die Arbeit mit den Kindern ist. Ich freue mich auf all das Neue, was auf mich zukommt.“ Nach dem FSJ plant Schetting eine Ausbildung als Krankenpflegerin. Der Freiwilligendienst sei eine gute Möglichkeit für sie, „in verschiedene Bereiche reinzuschnuppern“ – und zu sehen, „was Spaß macht“.

"Eintauchen" in soziale Arbeit

Von 2000 bis 2001 war Stephan Eckes FSJler bei der Lebenshilfe Trier. Die Entscheidung war für den heute 34-jährigen Trierer spontan. Nach dem Abitur habe er nicht gewusst, wie es für ihn beruflich weitergehen sollte. Und über die katholische Jugendarbeit sei er dann „reingerutscht“. Das FSJ sei „eine gute Orientierung“ gewesen, sagt er heute. Er machte eine Ausbildung zum Erzieher, im Anschluss begann er seine Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Und heute leitet er den Familienentlastenden Dienst und das Café Lebenshilfe in Trier – zurück bei der Einrichtung seines FSJ. Und er betreut heute selbst Freiwillige. Der Freiwilligendienst sei eine wichtige Zeit, sagt Eckes. Es gebe die Möglichkeit, „einzutauchen“ in die Soziale Arbeit und Kontakte mit Menschen aus anderen Lebenslagen zu gewinnen.

Luisa Kless aus Bogel (Rhein-Lahn-Kreis) hat jetzt ihr FSJ begonnen. Die 19-Jährige wird im Katholischem Klinikum Koblenz Montabaur arbeiten. Später möchte sie im Gesundheitsbereich tätig sein. „Und ich erhoffe mir, dass ich im FSJ viele Erfahrungen sammle, um sicher zu sein in meiner Berufswahl.“ Zudem könne sie Vorkenntnisse sammeln. Schon ihre Schwester und einige Freunde hätten ein FSJ gemacht, berichtet Kless, „und nur Gutes darüber berichtet“. Die Betreuung bei ihrem FSJ durch die Einrichtung und die Sozialen Lerndienste im Bistum Trier seien der jungen Frau sehr wichtig, „weil man immer einen Ansprechpartner hat“.

"Du bist das Talent"

„Wir sind froh und stolz, dass wir auf eine so lange Geschichte des FSJ zurückblicken können“, sagt Kerstin Hammer von den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier. Es sei eine Zeit „unzähliger Begegnungen, gemeinsamen Lernens und sich Austauschens“ gewesen. Eine Zeit, heute wie damals, um „gemeinsam Gesellschaft zu gestalten“. Die Sozialen Lerndienste wollen jungen Menschen die Möglichkeit geben, Einblicke in die soziale Realität zu gewinnen, Menschen Zugänge zu sozialem Engagement zu bieten, und sich persönlich weiter zu entwickeln und entfalten.

„You bring the talent. Du bist das Talent.“ Mit diesem Motto war der Eröffnungsgottesdienst überschrieben. Und die Talente jedes einzelnen seien die Zusage Gottes, „Großes zu entdecken“, sagte Jugendpfarrer Jan Lehmann, der den Gottesdienst leitete. Der Freiwilligendienst sei eine Möglichkeit, neue Kompetenzen zu erlernen und die eigenen Talente zu erfahren und entwickeln.

Im Namen der Landesregierung des Saarlands bedankte sich Staatssekretärin Gaby Schäfer bei den Freiwilligen und Betreuern für deren Engagement. „Es ist ein wichtiger Dienst, den Sie für uns leisten.“ Es sei ein „fantastisches Gefühl, so viele Freiwillige zu sehen“, sagte auch Dr. Jens Kreuter vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Freiwilligendienst sei eine prägende Erfahrung für das Leben. „Gehen Sie mit offenem Herzen in die nächsten Monate hinein.“

Weitere Informationen gibt es bei den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier, Dietrichstr. 30 a, 54290 Trier, Tel.: 0651/993796-300, E-Mail: info(at)soziale-lerndienste.de und im Internet unter www.soziale-lerndienste.de.